Winnenden

Plastikverbot auf dem Winnender Wochenmarkt: Neue Marktordnung lässt eine Ausnahme zu

Marktordnung
Winnender Wochenmarkt: Karotten in die dünne Plastiktüte (links) oder gleich in die Baumwolltasche (rechts)? © Gaby Schneider

In der neuen, ab 2021 gültigen Winnender Marktordnung steht ein Plastikverbot, das allerdings eine federleichte, kleine Ausnahme zulässt: „Hemdchenbeutel“ sind erlaubt, die Tüten aus ganz dünnem Kunststoff. „Die sollt mer au lasse“, sagt Gemüsehändler Jürgen Staiger vom Wochenmarkt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wirklich? Ist diese Ausnahme noch sinnvoll? Von ALi-Stadtrat Martin Oßwald-Parlow werden auch die dünnen Tüten nicht gerne gesehen. Aber Markthändler Staiger sagt: „Wie willsch sonsch da Ackersalat und da Kresse onderbringa?“ Auf dem Markt gibt’s Frischgemüse, das zu feucht ist für eine Papiertüte und zu kleinteilig für ein Bündel – das braucht den Hemdchenbeutel. Für solche Ausnahmen ist er auch ab nächstem Jahr erlaubt. Die neue Marktsatzung enthält Ausnahmen, sagt aber generell in Paragraf 10, Absatz 5: „Geschirr, Bestecke, anderes Serviermaterial sowie Verpackungsmaterial von Lebensmitteln dürfen nur als Mehrwegprodukte abgegeben werden oder müssen zu 100 % biologisch abbaubar sein.“

Händler Peter Dietrich weicht auf Papiertüten aus

Gängiger Plastikersatz ist die Papiertüte. Peter Dietrich vom Tiroler Bauernstandl verkauft seit Jahren Käse in Papier verpackt und verzichtet auf Plastik, wie er sagt. Ab Januar wird er sicher sein müssen, dass seine Papiertüten zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind.

Ansonsten sollten die Leute eben Körbe und Behälter mitbringen auf den Markt und so den Plastikmüll vermeiden, meint der grün-alternative Stadtrat Oßwald-Parlow. Das sagt auch Händler Staiger. „Es geht vieles ohne Tüte, wenn die Leute ihre Körbe mitbringen. Gute Kunden bekommen von mir auch eine Mehrwegtasche, die sie immer wieder mitbringen.“

Mitbring-Boxen wären gut, sind aber zurzeit nicht erlaubt

Mit Behältern wird es schwieriger, vor allem in Corona-Zeiten. „Wir hatten vor einem Jahr schon 80 Prozent Kunden, die ihre eigenen Behälter mitbrachten, aber seit Corona geht das nicht mehr“, sagt Valli von Momenis-Feinkost auf dem Markt. Deshalb füllt er seine Oliven oder Brotaufstriche wieder in Wegwerf-Plastikboxen und verweist auf die Hygienevorschriften. Sie lassen nichts anderes mehr zu. In diesem Fall sind dann auch nach der Marktordnung Plastikboxen erlaubt.

Markthändler ist man nicht mehr automatisch für immer

Mit der neuen Ordnung kippt ein altes Markthändlerprivileg, das bislang galt: Wer einmal einen Marktstand hatte, der verlor sein Verkaufsrecht erst, wenn er selbst aufhörte. Diese alte Regel ist nicht mehr haltbar, weil die Europäische Union festlegt, dass es auch für neue Händler immer wieder Gelegenheit geben muss, auf den Markt zu gelangen. Deshalb gilt künftig: Nach fünf Jahren auf dem Markt muss sich ein Händler neu bewerben, und andere dürfen mit ihm konkurrieren. Die Stadt wählt dann nach transparenten Kriterien einen aus, und das kann im Zweifel auch ein Neuzugang sein. Die Kriterien für Markthändler stehen auch in der neuen Marktordnung. Bei der Auswahl der Händler sind wichtig: 1. das bereits vorhandene Warenangebot auf dem Markt und in dessen unmittelbarer Nähe, 2. das ausgewogene und vielfältige Angebot an frischen und qualitativ guten Waren, 3. der Grundsatz „Erzeuger vor Händler“. Viele weitere Änderungen, die wir nicht einzeln auflisten, wurden mit der neuen Marktordnung beschlossen.

Die Marktbeschicker müssen höhere Gebühren bezahlen

Eine empfindliche Änderung kommt allerdings noch hinzu. Die Marktgebühren werden um zehn Prozent erhöht. Dagegen hatte sich vor allem FWV-Stadtrat Markus Siegloch in einem längeren Redebeitrag gewandt: „Wir liegen sowieso schon vergleichsweise hoch mit unseren Marktgebühren.“ Nachbarstädte verlangen deutlich weniger. Siegloch ist überzeugt, dass der Winnender Markt einer der schönsten ist in der Region; er möchte, dass es so bleibt, und tut sich deshalb schwer mit höheren Gebühren.

Die Gebühren decken noch längst nicht alle Ausgaben der Stadt ab

Wenn man bedenkt, dass die Gebühren das letzte Mal im Jahr 2007 erhöht wurden, dann ist die Erhöhung vielleicht gar nicht so dramatisch. Finanzdezernent Jürgen Haas erinnerte daran und meinte: „Hätten wir jährlich um zwei Prozent erhöht, dann lägen wir jetzt grob gerechnet bei einem Plus von 26 Prozent.“ Wollte man alle Kosten der Stadt abdecken, müssten die Gebühren um 50 Prozent erhöht werden, so Haas. Er hält die Erhöhung um 10 Prozent für vernünftig. So wurde es dann auch beschlossen.

In der neuen, ab 2021 gültigen Winnender Marktordnung steht ein Plastikverbot, das allerdings eine federleichte, kleine Ausnahme zulässt: „Hemdchenbeutel“ sind erlaubt, die Tüten aus ganz dünnem Kunststoff. „Die sollt mer au lasse“, sagt Gemüsehändler Jürgen Staiger vom Wochenmarkt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wirklich? Ist diese Ausnahme noch sinnvoll? Von ALi-Stadtrat Martin Oßwald-Parlow werden auch die dünnen Tüten nicht gerne gesehen. Aber Markthändler Staiger sagt: „Wie

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