Winnenden

Predigt unterm Pavillon: Wie die evangelische Kirchengemeinde in Winnenden an Heiligabend Gottesdienst feiert

GottesdienstWI01
Um 16.30 Uhr verteilten sich zum Gottesdienst im Stadtgarten rund 100 Christen. © Ralph Steinemann Pressefoto

„Nein“, betonte das ältere Ehepaar, das eng beieinander unter dem Regenschirm stand, „wir lassen uns weder von einem Virus noch von schlechtem Wetter davon abhalten, an Heiligabend den Gottesdienst zu besuchen!“ Für sie Christen habe das Fest der Geburt Jesus eine ganz besondere Bedeutung, zu der sie sich bekennen, und das sie in und mit ihrer Heimatgemeinde auch feiern wollten.

Zu drei Gottesdiensten waren Winnendens evangelische Christen am Heiligen Abend in den Stadtgarten eingeladen. Geschätzt gut hundert hatten sich zum letzten um 16.30 Uhr auf dem mit Absperrband abgetrennten Areal zusammengefunden. Angemeldet seien 150, berichtete Kirchengemeinderatsmitglied Irene Erbe, von der die Besucher in Empfang genommen wurden, aber die aufziehende Kälte und der Regen hätten wohl so manchen abgehalten.

Der Regen verwischt die Abstandsmarkierungen

Der Regen war es auch, der die Kreise wieder verwischte, die Erbe und die sie unterstützenden Konfirmanden mit Kreide auf den Asphaltboden gezeichnet hatten, um die Plätze zu markieren, an denen sich die Gottesdienstbesucher aufstellen sollten, damit sie sich an die Abstandsregeln halten und sich gegenseitig nicht zu nahe kommen und auch nicht zusammenballen. Es klappte dennoch reibungslos, achtsam verteilten sie die Gläubigen über das Areal, manche hatten Kerzen oder Lampen dabei, die ein diffuses Licht verbreiteten, während über Winnenden die Nacht Einzug hielt.

Ihm gefalle es draußen, meinte Pfarrer Reimar Krauß. Er sei bei jedem Wetter gern in der frischen Luft. Als Christ könne man den Gottesdienst auch unter freiem Himmel feiern. Dies eröffne denjenigen, die der Kirche nicht nahestehen, die Möglichkeit, einmal hineinzuschauen und das kennenzulernen, was sich ansonsten hinter den Kirchenmauern und geschlossenen Türen ereigne. Und es stelle auch eine Einladung dar, sich einfach nur dazu zu stellen, ohne Angst haben zu müssen, dass man mit irgendwelchen Riten konfrontiert werde, die einem nicht vertraut seien. Aber natürlich freue er sich auch schon darauf, gestand er, im kommenden Jahr den Gottesdienst wieder in seiner Kirche zu feiern.

Ein Papa testet mit Sohn das Auto vom Christkind

Die knapp halbstündige Andacht leitete der CVJM-Posaunenchor mit dem ursprünglich wohl aus Böhmen stammenden „Kommet, ihr Hirten“ ein. „Wir kommen heute zu Gott nach draußen, damit er in uns wirken kann“, begrüßte Krauß die Gemeinde und verwies auf die Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums, in der die Hirten mit der Aufforderung „Fürchtet euch nicht“ eingeladen werden, näher zu treten zur Krippe.

Die Weihnachtsgeschichte sei kein Märchen, so Krauß, in ihr gehe es um Rettung, die von Gott geschickt werde und die helfe, zu leben. Dies stehe im Gegensatz zu so manchen Gruselgeschichten und Horrorstorys über dunkle Mächte und Weltverschwörungen, die von manchen verbreitet würden, die glaubten, ihre eigene Wahrheit sei die eigentliche Wirklichkeit. Nach und nach zerstreute sich die Gruppe nach dem gemeinsamen Vaterunser, nach dem vom Posaunenchor gespielten „Oh du fröhliche“ und nach dem Segen.

„Schnell heim ins Warme“, sammelte eine Mutter ihre drei Kleinen ein, „Papa wartet bestimmt schon mit dem Kartoffelsalat und den Würstchen. Und dann gibt es auch noch Geschenke.“ Für ihn sei dies der erste Weihnachtsabend ohne seine Familie, bedauerte ein junger Mann, sie müsse ohne ihn feiern, er sei gerade unterwegs nach Stuttgart zu seinem Dienst im Krankenhaus. Zaungäste am Rande waren ein Vater und sein Bub, die sich vor dem Regen unter das Vordach der Hermann-Schwab-Halle geflüchtet hatten und von dort aus gemeinsam das ferngesteuerte Auto ausprobierten, das vom Christkind vorbei gebracht worden war.

„Nein“, betonte das ältere Ehepaar, das eng beieinander unter dem Regenschirm stand, „wir lassen uns weder von einem Virus noch von schlechtem Wetter davon abhalten, an Heiligabend den Gottesdienst zu besuchen!“ Für sie Christen habe das Fest der Geburt Jesus eine ganz besondere Bedeutung, zu der sie sich bekennen, und das sie in und mit ihrer Heimatgemeinde auch feiern wollten.

Zu drei Gottesdiensten waren Winnendens evangelische Christen am Heiligen Abend in den Stadtgarten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper