Winnenden

Probenbesuch bei den Theaterfreunden

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Wolfgang Amato (links) spielt den Chaletbesitzer, Volkmar Blaschek spielt dessen Kumpel, der eine Affäre hat mit Jacqueline (Bigi Budig). der Frau des Chaletbesitzers. Diese Affäre wäre in dieser Szene und einigen anderen Situationen beinahe aufgeflogen. © Jamuna Siehler

Winnenden-Höfen. Die fünf von den Höfener Theaterfreunden sind schwer in Schwung. Sie schwindeln und schäkern im Chalet, das auf der Bühne der Gemeindehalle Höfen steht. Aber einige Herausforderungen sind noch zu meistern so ganz kurz vor der Premieren, insbesondere sollte eine Erdbeersahnetorte theatertauglich sein.

Regisseur Volkmar Blaschek und seine fünf Mitspieler spielen das verrückte, verlogene, luxuriöse und lächerliche Leben von notorischen Fremdgängern und Schwerenötern. Sobald sie in den Chaletkulissen stehen, agieren sie weit weg von jedweder Werktagswirklichkeit. Für den Übergang vom Höfener Trottoirasphalt auf die Theaterbretter brauchen sie nur ein paar Minuten. Volkmar Blaschek raucht noch eine im Nieselregen vor dem Hintereingang. Junge Fußballer sind in der Halle, die Schauspieler müssen warten. Wolfgang Amato, der Hauptdarsteller, hat ein eigenes Unternehmen, baut gerade neu und ist eigentlich mit dem Kopf bei seiner Firma. Aber er kommt rechtzeitig und hat sogar eine größere Plastiktüte dabei. Die Erdbeersahnetorte! Gleich draußen in der Dunkelheit packt er sie aus. Es ist eine Attrappe. Sie ist hart. Kann man die so gegen Ende des Stücks ins Gesicht des Hauptdarstellers schmeißen? Mit Wucht? „Wie machen wir das?“ „Beim Fernsehen nehmen sie echte Torten“, weiß einer.

Licht an, und die erste Szene geht sofort über die Bühne

Sportler kommen raus. Vier Schauspieler, dabei auch Bigi Budig, Gabi Haller und Nicolaj Pietsch, betreten die Halle, verschwinden hinter der Bühne. Licht an. Wolfgang Amato fängt sofort an als Stefan, der Chaletbesitzer, der noch schnell die Erdbeertorte im Buffet versteckt, bevor seine Frau aus dem Schlafzimmer kommt. Die Gesten stimmen. Der Text sitzt. Die beiden beschwindeln und misstrauen sich, sind längst in ihren Rollen angekommen. Bigi Budig spielt diese Jaqueline, die Ehefrau des Chaletbesitzers Stefan. Sie keift und heuchelt. Er windet sich und schmeichelt. Sie blufft. Er schwindelt. Denn sie haben beide heimliche Geliebte, die demnächst im Chalet auftauchen werden. Dummerweise.

Bigi darf turteln und dann gleich ein arrogantes Miststück sein

Bigi Budi erfüllt ihre Rolle: „Ich darf wirklich so ein arrogantes Miststück spielen, so eine Chaletbesitzerin, die ihren Mann betrügt. Ich darf Eifersuchtsgefühle austoben, Wut und Hass zeigen.“ Und sie darf turteln und schäkern mit ihrem heimlichen Geliebten, der auch noch der Kumpel ihres Mannes ist.

Volkmar Blaschek spielt diesen Beturtelten. Wirklichkeitsbezug hat diese Komödie vielleicht, aber nicht für Volkmar Blaschek persönlich. Es sind keine Szenen aus dem wahren Leben. „Des kann i mir net vorstelln, dass ich mit der Frau meines dicksten Freundes was hätt“, sagt Blaschek. Aber spielen kann er’s. Und wie. Tollpatschig windet er sich durch sein selbst aufgebautes Lügengestrüpp, hat sichtlich Schiss vor jedem Wort, das ihm zu viel hinausrutschen könnte, verhindert nur mit knapper Not, dass er sich verplappert, dass er seinem Kumpel sagen würde, was er mit dessen Frau für eine Affäre hat.

Textiltechnische Herausforderung: Ratz, fatz soll der Rocksaum fallen

Die drei Frauen der Gruppe dürfen die Klügeren spielen. Bigi Budig hintergeht als Jacqueline ihren Mann nach allen Regeln der Tarn- und Täusch-Kunst. Gabi Haller gibt die pragmatische Köchin vom Thai-Catering-Service Fellbach, die, weil es die betrügerischen Männer wollen, ein echt chinesisch glanzvolles Festkleid anzieht, das die Gruppe übers Internet besorgt hat. Es leuchtet vornehm asiatisch und habe gar nicht mal so viel gekostet, wie sie versichern. Es soll binnen Sekunden auf offener Bühne vom Kurzkleid in ein langes Abendkleid zurechtgerupft werden. Das wird ein Gag. Wenn es denn klappt. Noch fällt der Rocksaum nicht schnell genug. Souffleuse Susanne Krauter meint, sie müsse am Stoff noch etwas annähen, vielleicht Druckknöpfe, vielleicht ein Klettband.

Nicole legt die Obi-Jacke ab und schlüpft in ihre Rolle

Keine Kostümprobleme hat Nicole Dettenmaier. Sie kommt von der Arbeit etwas später zur Probe. Ihre Jacke von Obi hat sie noch an, aber die ist schnell durch feinere Klamotten ersetzt, die einer anspruchsvollen Geliebten, einem gertenschlanken Ex-Model, angemessen sind. Schon betritt sie die Bühne, will mit ihrem Geliebten kuscheln und küssen und sagt ihm zugleich, welche Erwartungen sie hat: dass jetzt ihr Geburtstag gefeiert wird, und dass sie dieses Versteckspiel vor der Frau ihres Geliebten nicht mag. Die Rolle sitzt.

Als dritter Mann kommt Schorschi dazu, der Mann der Köchin. Nicolaj Pietsch spielt ihn: „Ich muss aggressiv und böse sein. Ich muss zwei Männer k. o. schlagen. Am Anfang hatte ich richtig Hemmungen, aber Volkmar sagte: Schlag zu! Schlag zu!“ Jetzt geht’s. Nicola Pietsch konditioniert sich einige Minuten vor seinem Auftritt, versetzt sich in die Rolle, legt Hemmungen ab, ballt die Fäuste und macht sich zum überzeugenden Wüterich. Die sechs kriegen das hin.

Das mit der Erdbeersahnetorte – das klappt bestimmt auch noch. Sie muss dem Hauptdarsteller ins Gesicht fliegen. Unbedingt. Bei der Premiere wird man sehen, wie sie fliegt und wie sie landet.

Aufführungen

Die Theaterfreunde Höfen-Baach präsentieren ihr neues Stück: „Schlimmer gehts (N)immer“, eine Verwechslungskomödie.

Aufführungstermine sind am 12., 18., 19. März und 8. und 9. April in der Gemeindehalle Höfen Baach. Einlass 18.30 Uhr, Beginn 20 Uhr.

Für Bewirtung ist gesorgt.

Vorverkauf: Parfümerie Wöhrle und Volksbank-Filiale Winnenden-Höfen und donnerstags im Vereinsheim der SF Höfen-Baach ab 20 Uhr.