Winnenden

Protest wird gehört: Keine Container auf dem Hartplatz der Hungerbergschule

Hartplatzdemo
Kundgebung am Montag auf dem Hartplatz bei der Hungerbergschule: Dieser Sportplatz und Treffpunkt der Kinder und Jugendlichen bleibt in seiner vollen Größe erhalten. © Palmizi

Familien vom Hungerberg bekommen, was sie sich in Kundgebungen und auf Unterschriftenlisten gewünscht haben: Der Hartplatz bei der Schule bleibt frei von Containern. Das hat der Gemeinderat mit Mehrheit am Dienstag beschlossen, und damit eine unangenehme und ungeliebte Entwicklung auf der Spielfläche gestoppt aber ein anderes Problem noch nicht gelöst: In den verhinderten Containern hätten Schulkinder betreut werden sollen, die bereits für die Betreuung angemeldet sind. Mindestens ein Jahr lang werden die zu betreuenden Kinder dann in der Schule untergebracht – eher provisorisch. Stadtverwaltung und Schule werden innerhalb kürzester Zeit diese Betreuung organisieren müssen.

Vorteil der Container auf dem Platz: Sie wären schnell machbar

Die Diskussion um die Container schwelt seit Tagen. Ausgelöst wurde sie vom Schülerzuwachs an der Hungerbergschule, die acht Klassenzimmer hat und ab dem nächsten Schuljahr acht Klassen haben wird und damit alle Klassenzimmer belegt hat. Die Frage war: Wo sind dann noch Räume für die Schulkindbetreuung, die bislang in freien Klassenzimmern untergekommen war? Das städtische Schulamt brauchte eine schnelle Lösung, denn schon zum Herbst werden Räume für die Betreuung gebraucht. Immer, wenn es schnell gehen muss, kommen Container ins Spiel, und die lassen sich am schnellsten auf Sportplätzen aufstellen. So war’s geplant, und das hätte den Vorteil gehabt, dass im Herbst die Schulkindbetreuung neue Räume hätte.

Aber der Hartplatz ist bei Kindern und Jugendlichen des Hungerbergs ein beliebter Treffpunkt, einer, wo man hingehen kann und immer jemanden trifft, ohne dass man sich via Handy absprechen müsste, einer, auf dem man sich austoben kann in Coronazeiten. Familien vom Hungerberg hatten und ihre Sympathie für den Hartplatz artikuliert. Am Montag zogen über 100 Personen mit Transparenten vors Rathaus und riefen: „Rettet den Hartplatz!“

Anderer Standort wird teurer und kommt später

Gemeinderäte hörten, wie emotional Familien an dem Hartplatz hängen, hatten selbst den Platz angeschaut und sich vorgestellt, wie der wohl mit Containern wirken würde. Hans Ilg (FWV) meinte in der Sitzung am Dienstag: „Wenn man auf dem Platz steht, merkt man: Man muss diesen Platz in seinen Ausmaßen erhalten.“ Die FWV tendiere zu einer anderen Lösung. Es wäre ein Containerstandort neben dem Hartplatz, wo eventuell andere Anlagen zugestellt würden, aber nicht der Platz.

Auch Thomas Traub (CDU) überlegte in einem Redebeitrag, ob der andere Standort Vorteile hätte, legte sich aber nicht fest: „Die andere Variante hat nur Vorteile, wenn sie auch umsetzbar ist.“ Und die Nachteile seien: Er ist teurer, und es dauert mindestens ein Jahr, bis dort überhaupt Container aufgestellt werden können.

Letztlich wurde eine Frage zum Knackpunkt in der Debatte: Kann die Hungerbergschule damit umgehen, dass sie mindestens ein Jahr lang keine neuen Räume für die Schulkindbetreuung bekommt? Kann sie die Betreuung in vorhandenen Räumen unterbringen und wie schwierig wird das? Stadträte wie Markus Siegloch, Thomas Traub und Bettina Jenner-Wanek fragten in diese Richtung nach. Die städtische Schulamtsleiterin Sybille Mack reagierte sehr vorsichtig. Ein paar Wochen des Übergangs hält sie für machbar. Aber ein ganzes Jahr oder mehr unter diesen provisorischen Umständen wollte sie sich nicht vorstellen. 64 Kinder sind für die Betreuung angemeldet, und für alle 64 will sie einen Platz bereitstellen. Auf vage Hoffnung, dass nicht alle Kinder gleichzeitig kämen, wollte sie sich nicht einlassen. Für alle angemeldeten Kinder will sie eine Betreuung einrichten, und das wäre in den zwei Containern auf dem Hartplatz möglich gewesen. In der Schule mit den noch zeitweise freien Räumen würde das schwierig. Sie müsste drei Gruppen einrichten, und entsprechend mehr Personal für die Betreuung gewinnen, und das sei zurzeit schwierig. Mack sieht große Probleme und betonte, dass die Schule selbst den dringenden Raumbedarf angemeldet hat.

Ein Jahr Provisorium? Rektorin Ulrike Dengler: „Das wird heftig“

Rektorin Ulrike Dengler von der Hungerbergschule bekannte vor dem Gemeinderat, dass es sehr schwierig würde mit dem zwölf bis 15 Monate andauernden Provisorium in der Schule. „Das ist schon heftig.“ Aber auch ihr ist das Freibleiben des Hartplatzes wichtig. „Wir haben noch einen Notraum. Den würden wir zur Verfügung stellen.“ Es müsste schon möglich sein.

Auf diese Aussage stützten Gemeinderäte ausdrücklich ihre Entscheidung für das Provisorium und gegen die Container auf dem Hartplatz. „Es hat höchste Priorität, dass die angemeldeten Kinder an die Hungerbergschule kommen können“, sagte Thomas Traub. Christoph Mohr (ALi) appellierte an die im Sitzungssaal anwesenden Familien, sich für die Kinderbetreuung einzusetzen, selbst als Betreuer aktiv zu werden und damit die Personalprobleme zu mindern. Fünf Stadträte inklusive Oberbürgermeister stimmten für Container auf dem Hartplatz, zwölf dagegen, einer enthielt sich. Die Vorbereitungen für einen neuen Containerstandort beginnen.

Familien vom Hungerberg bekommen, was sie sich in Kundgebungen und auf Unterschriftenlisten gewünscht haben: Der Hartplatz bei der Schule bleibt frei von Containern. Das hat der Gemeinderat mit Mehrheit am Dienstag beschlossen, und damit eine unangenehme und ungeliebte Entwicklung auf der Spielfläche gestoppt aber ein anderes Problem noch nicht gelöst: In den verhinderten Containern hätten Schulkinder betreut werden sollen, die bereits für die Betreuung angemeldet sind. Mindestens ein Jahr

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