Winnenden

Prozess: Am Bahnhof in Winnenden auf Polizisten losgegangen

Amtsgericht
Hier wurde der Fall verhandelt. © Benjamin Büttner

Er wisse wohl, so der 58-jährige Angeklagte treuherzig zum Richter, sein Verhängnis sei der Schnaps. Seine Sache sei das Bier. Als „Bieralkoholiker“ genieße er sein tägliches Feierabendbier in Gesellschaft, da könnten es „problemlos auch mehr“ werden, auch mal fünf oder sechs. Aber wenn er anfange, Wodka und Ouzo zu trinken, das breche ihm jedes Mal das Genick.

So war es auch im November vergangenen Jahres, als eine ausgedehnte abendliche Zechtour in der Ausnüchterungszelle des Winnender Polizeireviers endete. Er selbst könne sich an nichts mehr erinnern, erklärte der Angeklagte dem Amtsgericht, er sei „hackedicht“ gewesen, habe einen „totalen Filmriss“ erlitten. Nur so viel wisse er noch, dass er nach der Arbeit mit Bekannten in trauter Runde zusammen gesessen habe. Als Alleinstehender könne er ja doch nicht in der leeren Wohnung sitzen und die Wände anstarren. Da ziehe er es vor, sich mit anderen Menschen zu treffen, sich mit diesen zu unterhalten, deren Gesellschaft zu genießen.

So sei es auch an diesem Abend gewesen, nur dass er den ganzen Tag über nichts gegessen hatte. Und dass irgendjemand mit der Schnapstrinkerei angefangen habe. Das Nächste, woran er sich erinnere, war am nächsten Morgen, als er in der Zelle aufwachte und die diensthabenden Beamten um eine Zigarette bat.

Sein Saufbruder machte keine Probleme

Um ihn dorthin zu bringen, war am Ende die gemeinsame Kraftanstrengung von vier Polizeibeamten erforderlich gewesen. Zwei von ihnen, so deren identische Aussage in der Gerichtsverhandlung, waren an jenem Abend gegen 21 Uhr zum Winnender Bahnhof gerufen worden. Zwei Betrunkene, so ein Anrufer, würden auf dem mittleren Bahnsteig herumtorkeln, könnten sich kaum auf den Beinen halten. Es bestehe die Gefahr, dass sie auf die Gleise stürzten.

Nachdem die Beamten eingetroffen waren, trafen sie den später Angeklagten und einen Begleiter an. Als sie die beiden „augenscheinlich alkoholisierten“ Männer aufforderten, sich auszuweisen, zeigte einer von ihnen seinen Personalausweis.

Der andere habe sich geweigert, stattdessen lautstark protestiert. Daraufhin führten ihn die Beamten zunächst an die Wand des Aufzugs, lehnten ihn dort an und erklärten, dass sie ihn durchsuchen müssten. Dagegen wehrte er sich nicht nur verbal, sondern auch, indem er sich immer wieder wegdrehte und die Hände vor dem Körper verschränkte. Woraufhin die Beamten ihn mit dem Kopf voraus bäuchlings auf den Boden drückten und ihm die Arme auf dem Rücken mit Handschellen fesselten. Daraufhin drehten sie ihn herum, und während einer von ihnen die Personalien der herumstehenden möglichen Zeugen aufnahm, durchsuchte der andere den Gefesselten. Der wiederum versuchte, nach dem Oberschenkel des über ihm stehenden Beamten zu treten. Gleichzeitig überschüttete er die Ordnungshüter mit einem ganzen Schwall an Beschimpfungen, wobei „Penner“, „Schwuchtel“ und „Arschficker“ noch die harmloseren Ausdrücke waren.

Da der Mann ganz offensichtlich „nicht verkehrsfähig“ war, so die Polizisten, nahmen sie ihn in Gewahrsam, riefe eine weitere Streife zu Hilfe, und der renitente Zeitgenosse wurde mit vereinten Kräften zunächst zum Polizeiauto gebracht und dann zum Revier transportiert. Die Flut von Beleidigungen hielt auch an, als die Beamten in der Zelle gemeinsam den Inhaftierten durchsuchten, entkleideten und zu seiner eigenen Sicherheit ihm einen Ohrring abnahmen.

„Der Tag ist scheiße gelaufen“, fasste der Angeklagte in seinem Schlusswort die Ereignisse wortkarg zusammen und bat das Gericht, in seinem Urteil Menschlichkeit walten zu lassen. Der Richter hielt ihm zugute, dass er in seinem Zustand nur vermindert schuldfähig, durch den Alkoholkonsum enthemmt war, dass er sich entschuldigte und Reue zeigte, dass es sich bei ihm um einen Ersttäter handelte und dass niemand verletzt worden war.

Er verurteilte den Angeklagten denn auch nicht zu den von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft geforderten vier Monaten Freiheitsentzug, sondern ließ es bei einer Geldstrafe von 6000 Euro wegen Widerstands und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung und Beleidigung bewenden.

Er wisse wohl, so der 58-jährige Angeklagte treuherzig zum Richter, sein Verhängnis sei der Schnaps. Seine Sache sei das Bier. Als „Bieralkoholiker“ genieße er sein tägliches Feierabendbier in Gesellschaft, da könnten es „problemlos auch mehr“ werden, auch mal fünf oder sechs. Aber wenn er anfange, Wodka und Ouzo zu trinken, das breche ihm jedes Mal das Genick.

So war es auch im November vergangenen Jahres, als eine ausgedehnte abendliche Zechtour in der Ausnüchterungszelle des

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper