Winnenden

Prozess um folgenschwere City-Treff-Schlägerei in Winnenden endet ohne Urteil

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Symbolfoto. © ZVW/Joachim Mogck

Fotos in den Gerichtsakten zeigen Blutspritzer auf dem Kronenplatz: Beim Citytreff 2018 ist es spätnachts zu einem heftigen Gewaltausbruch gekommen. Ein junger Mann erlitt dabei einen Knochenbruch im Gesicht. Er musste operiert werden, verbrachte mehrere Tage im Krankenhaus. Dreieinhalb Jahre später findet in Waiblingen ein Prozess gegen drei junge Männer und eine Frau wegen gefährlicher Körperverletzung statt. Das Ergebnis: Verurteilt wird für die Tat niemand mehr.

Die Schläge sind ihnen nicht nachzuweisen

Nach circa zwei Stunden Verhandlung im Bürgerzentrum schlägt der Staatsanwalt vor, das Verfahren gegen die Beschuldigten, vier Deutsche, die damals noch Schüler und Azubis waren und mittlerweile alle im Berufsleben stehen, einzustellen. Zwar waren die drei Männer offenbar an der Auseinandersetzung in irgendeiner Form beteiligt, nachzuweisen ist ihnen die Tat aber nicht – und der jungen Frau noch nicht einmal eine Beteiligung am Geschehen.

Das liegt unter anderem daran, dass seither so viel Zeit vergangen ist. Richter Blattner nennt die schwierigen Ermittlungen und die Corona-Krise als Gründe für die Verzögerung. Zeugen wie Angeklagte können sich jedenfalls kaum noch an das erinnern, was damals in Winnenden passiert ist, geschweige denn, wer genau dafür zur Verantwortung zu ziehen wäre. Einer der wichtigsten Zeugen, der Bruder des bei der Schlägerei schwer verletzten Opfers, der offenbar selbst als Erster angegriffen worden war, kann nicht einmal mehr das Jahr der Tat zweifelsfrei nennen.

Das Opfer kann sich nicht erinnern

Was die Beweisaufnahme auch nicht einfacher macht: Eine weitere Zeugin befindet sich in Quarantäne, die nächste hat sich krankgemeldet, und dem Opfer, das eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, war schon zum Tatzeitpunkt schwarz vor Augen. Er kann seine Täter nicht benennen.

Außerdem flogen die Fäuste auf dem Kronenplatz in der Nacht vom Samstag auf Sonntag um 0.45 Uhr – nicht nur die Dunkelheit, auch der Alkoholpegel trübten die Wahrnehmung. Wer wen geschlagen haben soll, das machte unter Jugendlichen zwar die Runde. Die meisten Zeugen berichten aber nur vom Hörensagen, erkennen die Täter nur teilweise wieder oder sind sich unsicher. Das ist bei der Verhandlung in Waiblingen ebenso der Fall wie schon vor vier Jahren auf der Polizeiwache, als dort die Namen derer genannt wurden, die heute auf der Anklagebank saßen.

Fest steht: Der Bruder des späteren Schwerverletzten war auf dem Citytreff von einem der drei Männer angesprochen worden. Das berichten auch die Angeklagten. Es ging wohl um den Bierpreis. Er habe, sagt der 23-jährige Zeuge, auf die Frage des Fremden wohl „etwas respektlos geantwortet“. Daraufhin sei er von mehreren Männern angegriffen worden. Als sein Bruder dazwischenging, wurde dieser derart mit Fäusten traktiert, dass ihm der Augenhöhlenboden brach – ein Krankenwagen holte ihn ab, er wurde einige Wochen später am Auge operiert. Rund eine Woche verbrachte er im Sommer 2018 im Krankenhaus, heute geht es ihm wieder gut.

Die Angeklagten wollen mit den verhängnisvollen Schlägen nichts zu tun gehabt haben. Einer gibt lediglich zu, den Bruder des Schwerverletzten geschubst zu haben, woraufhin dieser unglücklich gestolpert und gefallen sei. Daraufhin sei ein Tumult entstanden, eine Art Massenschlägerei, aus der sich alle früher oder später zurückgezogen hätten. Lediglich eine Ohrfeige gegen einen ihm Unbekannten, der wiederum im Begriff gewesen sei, einen der Freunde zu schlagen, gesteht einer der Angeklagten noch ein.

Zwei der Angeklagten wurden straffällig

Bei ihm, einem 27-Jährigen aus Winnenden und einem Mitangeklagten, 24 Jahre alt aus Weinstadt, wird das Verfahren ohne Auflagen nach Paragraf 154 Strafprozessordnung („Teileinstellung bei mehreren Taten“) eingestellt: Sie sind mittlerweile wegen ähnlicher Taten verurteilt worden, es wäre die Bildung einer Gesamtstrafe möglich gewesen.

Beim dritten Angeklagten, einem 24-jährigen Winnender, der den Schubser gegen den Bruder des Opfers zugegeben hat, aber bislang nicht straffällig geworden ist, wird das Verfahren nach Paragraf 153 Strafprozessordnung eingestellt („Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit“). Parallel dazu erfolgt die Einstellung auch bei der jungen Frau, einer 22-Jährigen aus Leutenbach, nach Paragraf 47 Jugendgerichtsgesetz.

Richter Blattner zum Abschied: „Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und dass wir uns hier nicht wieder sehen.“

Fotos in den Gerichtsakten zeigen Blutspritzer auf dem Kronenplatz: Beim Citytreff 2018 ist es spätnachts zu einem heftigen Gewaltausbruch gekommen. Ein junger Mann erlitt dabei einen Knochenbruch im Gesicht. Er musste operiert werden, verbrachte mehrere Tage im Krankenhaus. Dreieinhalb Jahre später findet in Waiblingen ein Prozess gegen drei junge Männer und eine Frau wegen gefährlicher Körperverletzung statt. Das Ergebnis: Verurteilt wird für die Tat niemand mehr.

Die Schläge sind

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