Winnenden

Prozessbeginn: Mord in der Asien-Perle vor Gericht

Tote Frau
Spurensicherung nach der Tatnacht am 5. März 2016 im Restaurant Asien-Perle. © Büttner / ZVW / Archiv

Backnang/Stuttgart. Wie genau der Prozess gegen die beiden Männer aus Rumänien, 42 und 46 Jahre alt, verlaufen wird, weiß niemand so genau. Bisher haben die Angeklagten die ihnen vorgeworfene Tat nicht gestanden. Eine Chronologie des Falls finden Sie hier.

Video: Die Gerichtsverhandlung zum Mordfall im Asienrestaurant in Backnang 2016 beginnt. Eine Zusammenfassung der Berichte über die Ermittlungsarbeiten.

Sie sollen in der Nacht vom 3. auf den 4. März 2016 die 53-jährige Geschäftsführerin des chinesisch-mongolischen Restaurants Asien-Perle in der Stuttgarter Straße in Backnang niedergeschlagen und derart mit Gewalt auf sie eingewirkt haben, dass sie an ihren Verletzungen verstorben ist. Die Anklage lautet auf Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge, so ein Pressesprecher des Landgerichts Stuttgart.

War die Beute das Mordmotiv?

Die Männer sollen mit einer Uhr im Wert von etwa 8000 Euro und Bargeld in Höhe von mindestens 20 000 Euro geflüchtet sein, so steht es in der Anklageschrift. Ob diese Beute das Mordmotiv war, ist jedoch noch unklar. Die Verhandlung wird vor der Ersten Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts stattfinden.

Tat nur anhand von Ermittlungen rekonstruierbar

Die Richter des Landgerichts Stuttgart können die Tat nur anhand von Ermittlungen rekonstruieren und gehen davon aus, dass die mutmaßlichen Täter am Abend des 3. März vergangenen Jahres abgewartet haben, bis die Geschäftsführerin alleine war, sie dann derart massakriert haben, bis sie starb, und dann das Restaurant nach Wertgegenständen und Geld durchsucht haben.

Keine Zeugen am Donnerstag

Über die genaue Todesursache war damals in der Presse wild spekuliert worden. Mal soll ein Messer zum Einsatz gekommen sein, in einem anderen Bericht hieß es, die 53-Jährige sei erschlagen worden. Gesagt wird dazu offiziell bisher immer noch nichts – bis die Anklageschrift verlesen ist. Am ersten Prozesstag wird im Übrigen nicht viel mehr passieren als genau das: Zeugen sind am Donnerstag keine geladen.

Keine Spur vom Diebesgut

Auf die Spur der beiden kamen die Ermittler nur dank eines DNA-Abgleichs. Acht Monate nach dem Raubmord konnten die aus dem Raum Backnang stammenden Männer von der Polizei gefasst werden. Von dem gestohlenen Geld fehlt bislang jede Spur, heißt es aus dem Stuttgarter Landgericht. Dort beginnt morgen der Prozess gegen die beiden Männer. Auch wo die Uhr abgeblieben ist, stehe noch nicht fest, allerdings hätten die Angeklagten innerhalb dieser acht Monate genügend Zeit gehabt, die Uhr zu veräußern und das Geld zu verstecken.

„DNA-Treffer und -spuren eine eindeutige Sprache“

Auch wenn die Angeklagten die Tat bisher noch nicht eingeräumt haben, so „sprechen die DNA-Treffer und -Spuren eine eindeutige Sprache“, heißt es von den Ermittlern. Zudem seien die Männer in Rumänien kein unbeschriebenes Blatt. Dort lägen „gewichtige Straftaten“ gegen die beiden vor. Da ist nicht nur von Raub oder Diebstahl die Rede. Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, wird sich am Donnerstag herausstellen.


Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

Chronologie

Am Mittag des 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des chinesisch-mongolischen Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden. In jener Nacht, vom 3. auf den 4. März, soll es nach Polizeiangaben gegen 23 Uhr das letzte Lebenszeichen der Geschäftsinhaberin gegeben haben.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Man spekulierte über organisiertes Verbrechen.

Die Sprachbarriere war ein gewaltiges Problem, auch bei den Auslandsermittlungen, kulturelle Probleme, völlig andere Mentalitäten und Verhältnisse zu staatlichen Organisationen machten die Ermittlungen kompliziert. Aus der Bevölkerung gingen nur sehr wenige Hinweise ein.

Ende Juni hatten Angehörige der Toten zusammen mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. Eine heiße Spur hatte sich nicht ergeben. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: internationalen DNA-Abgleich. Eine Übereinstimmung mit einer rumänischen DNA-Datenbank führte auf die Fährte des 42-Jährigen. Er war schon wegen Diebstahls und Einbruchsdiebstahls bereits vor Gericht und saß zum Zeitpunkt des DNA-Abgleichs bereits in Untersuchungshaft. Der 46-jährige Komplize wurde durch weitere Nachforschungen ermittelt.

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben.