Winnenden

Quirliger Kehraus aus dem Elysium

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Ludwig van Beethoven. © Sarah Utz

Winnenden. Wieder war der Andachtssaal ausverkauft, wieder begeisterten die Konzerttage-Solisten ihr Publikum mit „Fürstlicher Kammermusik“.

Sie hatten für ihr „kleines Finale“, wie es OB Holzwarth in seiner Begrüßung formulierte, ein farbenfrohes Programm zusammengestellt, in der unterschiedlichste Aspekte der Kammermusik verhandelt wurden. Und dies – wie schon gewohnt – auf internationalem Spitzenniveau! Los ging es mit einer kompositorischen Kuriosität: den „Souvenirs de Bellini“ von Julius Goltermann (1825-1876), der nach einer Professur in Prag als Solocellist an die Stuttgarter Hofkapelle berufen wurde und bis zu seinem Lebensende in der Schwabenmetropole wohnte. Dieses eröffnende Werk in Form eines „Divertissements“, welches dem italienischen Belcanto huldigt, zauberte einigen Hörern ein Schmunzeln ins Gesicht, zu galant lassen die beiden tiefen Streicher (Claudio Bohórquez am Cello und der Kontrabassist mit dem Schalk im Nacken, Nabil Shehata) jegliche Gebundenheit an tieftönige Regionen vergessen und schrauben sich stattdessen in höchste virtuose Gefilde. Wunderschön als Shehata die Hauptmelodie übernimmt und Bohórquez mit wieselflinken Girlanden sekundiert. Ein echtes Schmankerl!

Feinste Gefühlsregungen

Das Nocturne op.40 von Antonín Dvorák (1841-1904) entführt in ganz andere Sphären. Hier herrscht großer Ernst, aber dennoch arbeitet das Streichquintett sehr gut feinste Gefühlsregungen heraus. Nach einer wunderbaren Einleitung der beiden vorigen Protagonisten, scheint die Musik - und mit ihr die Zeit - über einem Orgelpunkt im Cello stillzustehen, die anderen bieten ein gedämpft-verhaltenes Überlegato: dies alles ein farblich sehr reiches Panorama an Streicherklängen.

Von feuriger Leidenschaft bis zu leidgeplagten Seufzern

Mit Sergej Prokofjevs (1881-1953) „Ouvertüre über hebräische Themen“ op.34 bietet das um Klavier (Katia Skanavi) und Klarinette (Paul Meyer) erweiterte Streichquartett viel Temperament, feurige Leidenschaft und glänzenden Humor! Nun nahmen Katia Skanavi und Péter Nagy für die vierhändigen „Lebensstürme“ am Flügel Platz: Nach wuchtigen Schicksalsschlägen entwichen dem leidgeplagten Subjekt bedeutungsvolle Seufzer, doch wie immer bei Franz Schubert (1797-1828) ist Trost und Erlösung nahe.

Beethovens "Erzherzogtrio"

Das Hauptwerk erklang nach der Pause: das „Erzherzogtrio“ op.97 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Ein heiterer Beginn mit voluminös-pochenden Klavierbässen (Péter Nagy) bereitete einer wolkenlos-ungetrübten Atmosphäre den Boden, hymnische beethovensche Selbstvergewisserung inklusive. Eine äußerst kapriziöse Passage in der Durchführung des Kopfsatzes gestalteten Daishin Kashimoto (Violine) und Claudio Bohórquez mit unruhig-huschenden Pizzicato-Läufen und der Pianist mit Doppeltrillern sehr delikat. Ein unheimlich-dräuendes Fugato im Scherzo gelang den drei Solisten bedrohlich und packend. Im dritten Satz meint man in wohlgemessener Feierlichkeit durch das Elysium zu wandeln, dann entlassen die drei Musiker ihre Gäste mit einem quirligen Kehraus in die Realität.