Winnenden

Rückbau der alten B14 in Winnenden beginnt im Juli: Zwei Blitzersäulen kommen

Waiblinger Straße
Einen Teil des ersten Bauabschnitts zeigt unser Luftbild (Habermann): Die bolzgerade Bergabstrecke. Die Waiblinger Straße wird bis zur Weidenstraße halbseitig gesperrt. Um aus der Stadt hinauszufahren, nimmt man dann die Brückenstraße (bei Lidl) und die Max-Eyth-Straße, hier links im Bild. © Gabriel Habermann

Eine weitere spannende Großbaustelle soll im Juli 2022 in Winnenden beginnen, einen genaueren Termin kann das Stadtbauamt leider noch nicht nennen. Die ehemalige Bundesstraße 14, die jahrzehntelang und bis zum Sommer 2009 mitten durch die Stadt geführt hatte, wird abschnittsweise in eine normale Ortsdurchgangsstraße verwandelt. Wir haben mit Peter Bulling vom Stadtbauamt, seiner Kollegin Marlene Wirth und Pressesprecherin Franziska Götz die wichtigsten Fragen dazu besprochen.

Wie genau verändert sich die Straßenschneise durch den Rückbau? Wird sie schöner?

Schauen wir uns an, was ist, und die Antwort auf die zentrale Frage lautet zwangsläufig: Es kann nur besser werden. Ziel des Rückbaus war denn auch nicht nur Lärmschutz, sondern auch eine Verschönerung des Stadtbilds. Die ausrangierte Bundesstraße ist x-mal geflickt worden, die teils schmalen, asphaltierten Gehwege sind auch nicht mehr im besten Zustand, es gibt nur partiell einen Radschutzstreifen und kaum Bäume. Öffentliches Grün war bisher in Form von Blumen an den Brückengeländern über Zipfelbach und Buchenbach sowie in einzelnen Trögen zu sehen – das meiste konzentrierte sich im Bereich des Kronenplatzes.

Werden alte Bäume entfernt?

Nein. Auf dem gesamten innerörtlichen Abschnitt mit 1150 Metern Länge, von der Rewe-Kreuzung bis zur Einmündung in die Leutenbacher Straße (zwischen Kärcher und neuem Gerberviertel) 61 neue Bäume vorgesehen. „Alle bestehenden Bäume an der Ortsdurchfahrt können durch die Planung auch weiterhin erhalten bleiben“, teilt Pressesprecherin Franziska Götz mit.

Das bedeutet also, dass rein rechnerisch alle 19,6 Meter ein Baum gesetzt wird. Wo genau werden sie wachsen dürfen?

„Überall, wo keine Kreuzungen sind, werden Bäume außen, im Bereich der Gehwege, gepflanzt“, sagt Peter Bulling im Gespräch mit unserer Zeitung. Hier und da wird es Mittelinseln geben, auf denen ebenfalls Bäume gesetzt werden. Dass eine Art Allee entsteht oder alle Bäume auf der linken oder alle auf der rechten Seite platziert sind, so ein durchgängiges Konzept ließ sich zwar nicht umsetzen. Aber die Baumzahl verspricht doch einen satten Zugewinn an sauerstoffspendenden Gewächsen. Welche Baumart gesetzt wird, hierzu werden sich die Planer noch mit den Stadtgärtnern beraten; Peter Bulling vermutet, dass es auf schlank wachsende Laubbäume hinausläuft, Säulenahorn oder Säuleneiche.

Wie schafft der Entwurf der Verkehrsingenieure Karajan denn mehr Platz für Pflanzen und Passanten?

Die Fahrbahn für Autos und Lkw wird deutlich schmaler, nur noch 5,50 Meter breit. Das geht deshalb, weil provisorische Mittelinseln und weiß schraffierte Asphaltflächen verschwinden, die Autos also in der Mitte der Fläche zusammenrücken und links und rechts mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer (auf Rad-Schutzstreifen) entsteht. „Schutzstreifen“ bedeutet, dass sie nur mit gestrichelten Linien abgetrennt sind. Bei Bedarf und wenn darauf gerade kein Radler unterwegs ist, dürfen Autos und Lkw die Radlerzone befahren.

Fürs Linksabbiegen wird die Fahrbahn ab und zu um Abbiegespuren erweitert. Für die Fußgänger werden die Querungen an Ampeln bestehen bleiben. Im Bereich Weidenstraße wird eine zusätzliche Fußgängerfurt eingerichtet.

Welchen Belag erhalten die Gehwege?

Hier hält sich die Stadt an einen Vorschlag des Verkehrsplaners Karajan-Ingenieure: neutral graue Betonsteine, die nicht in einer Reihe, sondern versetzt zueinander verlegt werden. Das klingt zweckmäßig, auf jeden Fall weder verspielt, noch luxuriös.

Wird es rund um den Kronenplatz anders aussehen?

Bereits am 22. Oktober 2019 stimmte der Gemeinderat bei einer Enthaltung dem Entwurfsplan für den Rückbau der Ortsdurchfahrt alte B14 zu. Schon damals war klar, dass der Bauabschnitt 3 rund um den verkehrsberuhigten Kronenplatz eine Besonderheit darstellen soll, auch optisch. Inzwischen ist durch den Bau des Holzmarktplatzes die Gestaltung festgelegt, wiederum durch den Gemeinderat: „Die hellen Betonsteine werden auf den Gehwegen fortgesetzt, und zwar von der Wallstraße bis zur Gerberstraße und vor der Kastenschule“, gibt Peter Bulling einen Ausblick.

Zudem bekommt der Straßenasphalt im Großbereich Kronenplatz eine farbige Beschichtung, so dass der Charakter einer Mischfläche, auf der weniger Fahrzeuge langsamer unterwegs sind, ins Auge springt. Franziska Götz beschreibt die Fußgängerflächen als „großzügig: Die Querung von der Markt- in die Bahnhofstraße ist barrierefrei geplant.“ Baumquartiere und 14 Längsparkplätze entstehenden beidseitig von der „Traube“ bis zum „Simba“ und von der Biobäckerei Weber bis zur „Steak- und Schnitzelmeisterei“. Die Bushaltestelle soll komplett in die Bahnhofstraße verlegt werden. Doch gemach, all das wird erst in gut einem Jahr angegangen.

Zu einer „schöneren“ Straße gehört auch weniger Lärm. Was wird hierzu gemacht?

Als die neue B-14-Ortsumfahrung eröffnet wurde, lautete die Prognose: 14.000 Fahrzeuge fahren künftig über die neue Brücke und durch den neuen Tunnel, mehr als 8000 Fahrzeuge am Tag müssen aber immer noch die alte Strecke benutzen. Weil ihre Fahrer in Winnenden wohnen, arbeiten oder einkaufen. Dazu kam in den Abend- und Nachtstunden, gerne auch am Wochenende, die Poserszene: Mit tiefergelegten und auspufffrisierten PS-Protzkarren lärmten und rasten sie die bolzgerade Bergabstrecke entlang.

Peter Bulling erwähnt daher einen Beschluss des Gemeinderats: „Zur Überwachung der Geschwindigkeit werden zwei Blitzersäulen installiert.“ Eine wird beim Lidl stehen, die andere weiter oben. Illegale Auspuffanlagen und Lärmtasten muss zwar nach wie vor die Polizei bei Kontrollen ahnden, aber allein die Verengung der Fahrbahn könnte dazu führen, dass langsamer gefahren wird, so die Hoffnung der Stadt. Außerdem wird eine lärmmindernde Asphaltdeckschicht eingebaut werden, die bei Geschwindigkeiten über 30 km/h wirkt. Eine gute Nachricht für die Anwohner.

Wie genau wird die Waiblinger Straße umgebaut? Wie wird umgeleitet?

Zuerst wird die rechte Seite stadteinwärts gemacht, also von Autohändler Lutz bis zur Einmündung Weidenstraße kurz hinter dem Fahrradhändler ‘s Bike Inn. Trotzdem kommt man von der Rewe-Kreuzung in die Innenstadt, der Verkehr wird stadteinwärts auf der Gegenspur geführt. Und wer raus möchte aus der Stadt, benutzt die Brücken- und die Max-Eyth-Straße, die über den Kreisel bei Obi- und McDonald’s zur Rewe-Kreuzung führt.

Die Anwohner werden von der Stadt noch informiert, auch durch Flugblätter. Sie sollen ihre Häuser immer fußläufig erreichen können. Mit dem Auto wird es an manchen Tagen aber nicht gehen, das räumt Peter Bulling im Gespräch ein. Spannend wird es auch, wie die Tankstellen anfahrbar sein werden. Gut hat es der Lidl-Discounter, er hat schon jetzt eine zweite Zufahrt von der Max-Eyth-Straße her.

Wie lange dauert der erste Bauabschnitt?

Pro Straßenseite zwischen Rewe und Lidl veranschlagen die ausführenden Firmen Klöpfer und Epple etwa 180 Werktage Bauzeit, das sind sechs bis sieben Monate. Dann geht dasselbe Spielchen auf der linken Straßenhälfte von vorne los, wieder werden 180 Tage veranschlagt. „Mit diesen ersten beiden Abschnitten sind wir dann hoffentlich nächstes Jahr am Ende der Sommerferien fertig“, sagt Peter Bulling.

Aber warum genau dauert es so lange?

Weil im Untergrund sehr viel gemacht werden muss: „Wir müssen stellenweise alte Leitungen auf die Seite verlegen“, so Bulling. Breitbandkabel kommen neu hinzu, Wasserleitungen und Abwasserkanäle werden auf der gesamten Länge komplett erneuert. Der Kanal zum Beispiel wird bei der Gelegenheit größer, „aufdimensioniert“, wie der Fachmann sagt, weil die alten Rohre kapazitätsmäßig an ihrer Grenze sind. Man denke nur an das große Arkadien-Wohngebiet, das nach 2009 am Rand entstanden ist.

Schließlich wird auch die Straßenbeleuchtung erneuert. Statt der zehn Meter hohen Masten für die Quecksilberdampflampen werden schlankere, acht Meter hohe Masten für LED-Lampenaufgestellt.

Was kostet der gesamte Umbau? Gibt es Fördergeld?

Die Bietergemeinschaft Klöpfer Winnenden und Gustav Epple Remseck hat das wirtschaftlichste Angebot von dreien in der europaweiten Ausschreibung abgegeben und am 17. Mai 2022 den Zuschlag erhalten: Für Gesamtkosten von 7,66 Millionen Euro wird sie bis Ende 2024 die gesamte Strecke (mit den Bauabschnitten 3 Kronenplatz und 4 bis Einmündung Ringstraße in die Leutenbacher Straße) umgestaltet haben. Das ist günstiger als von der Stadt angenommen, sie hatte zuletzt mit zehn Millionen Euro kalkuliert, angesichts der Baukostensteigerungen durchaus vernünftig.

Herausgerechnet werden 918.684 Euro, sie gehen aufs Konto der Stadtwerke Winnenden für den Wasserleitungsbau.

Vom Land Baden-Württemberg erhält die Stadt Winnenden außerdem einen Sanierungszuschuss in Höhe von 4,4 Millionen Euro, die Zusage erfolgte im Dezember 2021. Außerdem stellt die Stadt noch einen Förderantrag für die Schaffung von Radwegen. „Die Route wurde als neuer Landesradweg des Landes Baden-Württemberg in das Radverkehrskonzept aufgenommen“, so Pressesprecherin Götz.

Eine weitere spannende Großbaustelle soll im Juli 2022 in Winnenden beginnen, einen genaueren Termin kann das Stadtbauamt leider noch nicht nennen. Die ehemalige Bundesstraße 14, die jahrzehntelang und bis zum Sommer 2009 mitten durch die Stadt geführt hatte, wird abschnittsweise in eine normale Ortsdurchgangsstraße verwandelt. Wir haben mit Peter Bulling vom Stadtbauamt, seiner Kollegin Marlene Wirth und Pressesprecherin Franziska Götz die wichtigsten Fragen dazu

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