Winnenden

Radfahrer in der Fußgängerzone - klappt das?

1/2
Fußgängerzone Radfahrer Winnenden Reportage_0
Zwei Frauen unterhalten sich in der Fußgängerzone genau an der Durchfahrtstelle für Radler: Kein Problem. © ZVW/Schmitzer
2/2
_1
Mika läuft gerne mit seinem großen Bruder Moritz durch die Fußgängerzone und hat keine Angst vor Fahrradfahrern.

Winnenden. Sonnige Ruhe über der Fußgängerzone am Montag, mittags um zwölf. Geschirr klappert im Straßencafé. Gemächlich surrt der Freilauf eines Fahrrads, das geschoben wird. Der Marktplatz ist so gemütlich, wie es sich gehört für die gute Stube Winnendens. Bleibt es so, wenn die Radlerpulks kommen?

„Warten Sie mal bis zehn vor eins. Dann schwirren die rein wie die Heuschrecken“, sagt mir ein Bekannter und lacht nachsichtig. Genau dort, wo die radelnden Schüler durchfahren dürfen und wo sie auch fahren werden, hockt jetzt ein kleiner Junge auf dem Straßenpflaster und schiebt seinen Spielzeugbagger Richtung Schlossstraße. Er genießt die Ruhe, vertieft sich ins Spiel, und seine Mama genießt ihren Kaffee. Nichts kann die beiden stören. Die Marktstraße ist Fußgängerzone, auch wenn von der Schlossstraße her eine Durchfahrtschneise für Radler gilt, haben Fußgänger Vorfahrt, auch der Kleine, der am Boden sitzt. Radler müssen in der Fußgängerzone eben mit allem rechnen. Aber denken sie auch daran, dass einer seinen Spielzeugbagger kriechend übers Pflaster schiebt?

Um den baggerspielenden Jungen machen Radlerinnen einen Bogen

Drei Mädchen mit Fahrradhelmen strampeln als Erste die Schlossstraße herauf. Langsam. Fast Schrittgeschwindigkeit. Den kleinen Baggermann sehen sie auf sieben Meter Abstand. Sie klingeln nicht, sie schimpfen nicht. Mit ruhigen Gesichtern und ganz langsam fahren sie einen Bogen um das Kind und ziehen friedlich ihres Wegs Richtung Mühltorstraße.

So langsam wie diese drei fahren nicht alle 50 Radler, die in dieser Mittagsstunde durch die Gasse kommen. Aber umsichtig fahren alle. Die größeren Jungs im Siebener-Pulk mit schwarzen Helmen fahren deutlich schneller als Schrittgeschwindigkeit, aber sie reagieren wendig, sehen Fußgänger, rechnen mit deren Bewegungen und weichen ihnen flink aus. Der kleine Baggermann und seine Mama sind schon weg, als die sportlichen Jungs durchpreschen. Es haben sich andere in aller Ruhe in die Radlerfurt gestellt, um mal ausführlich mit einander zu reden und die Sonne zu genießen – kein Problem. Radler kurven um sie herum, ohne zu schimpfen, und die beiden Frauen unterhalten sich ungestört genau an dieser Stelle weiter. Es ist Fußgängerzone. Sie haben Vorfahrt. Wobei die beiden Fußgängerinnen eher den Eindruck machen, dass sie gar nicht in solchen Kategorien denken. Sie stehen eben da. Und die Erfahrung zeigt: Radler weichen aus. Man kommt klar miteinander. Vielleicht hat man sich in dem Jahr, in dem das Radeln erlaubt ist, aneinander gewöhnt.

Keine Probleme mit Radlern hat eine Mutter mit zwei kleinen Kindern

Den Eindruck hat man zum Beispiel bei Mika aus Hanweiler, einem kleinen lustigen Jungen, der das Laufen lernt: Er fühlt sich pudelwohl in der Fußgängerzone vor der Volksbank. Übers Pflaster krabbelt er einige Meter, bis sein großer Bruder Moritz ihn hochzieht und mit ihm läuft. Macht noch mehr Spaß. „Ich habe keine Probleme mit Radlern“, sagt ihre Mutter Nicole Fenger, „der Große passt auf den Kleinen auf, und bisher haben die Radler immer Rücksicht genommen. Ich bin jede Woche hier mit den Kindern.“

Da schau her, denkt sich der Journalist, es geht doch. Er spaziert durch die obere Marktstraße, wo sich herrlich viele Fußgänger tummeln, Richtung Holzmarktplatz Hinter sich hört er das nervöse Surren eines Fahrradfreilaufs und dann schleifende Reifen. Nix passiert. Ein Radler steht auf Ellbogenlänge hinter dem Journalisten. Er war nicht zu schnell und konnte noch rechtzeitig bremsen und dann ausweichen. Vieles geht gut mit den Radlern in der Fußgängerzone.


Tagsüber ist es den Radlern verboten, der Länge nach durch die Fußgängerzone zu fahren.

In Wirklichkeit fahren sie dennoch. Etwa 15 Radlerinnen und Radler haben wir innerhalb einer Stunde am Montagmittag beobachtet, die längs radelten. Aber: Fast alle fuhren so langsam und umsichtig, dass kein Fußgänger behelligt wurde.