Winnenden

Rathaus mit Glockenturm: „Juwel“ in Winnenden-Hanweiler steht zum Verkauf

Alte Rathaus
Ralf Köder vor dem Rathaus in Hanweiler. In seinen Händen hält er eine alte Karte vom Ort. Ein Fundstück im Gebäude. © ALEXANDRA PALMIZI

Wer schon immer einmal in einem echten, ehemaligen Rathaus wohnen wollte, der hat nun die Chance dazu. Die Stadt Winnenden verkauft ein Gebäude in Hanweiler, das nicht nur wegen seines Glockenturmes einiges an Charme versprüht. Amtsleiter Ralf Köder spricht von einem „Juwel“, das ob seines Zustandes im Inneren vergleichsweise günstig zu haben ist.

An der Silvanerstraße liegt das Rathaus, das das Ortsbild in Hanweiler prägt. Wer Fotos vom Haus mit dem Glockenturm und seiner großen, bunten Uhr sieht, weiß sofort, dass es um Hanweiler geht. Warum aber verkauft die Stadt das Schmuckstück? „Es steht schon länger auf der Verkaufsliste, die einst im Gemeinderat beschlossen wurde“, erklärt Ralf Köder, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr bei der Stadt. Im vergangenen Frühjahr nun ist der Mieter gestorben, der dort lange Jahre mit seinem Vater gelebt hatte. Dadurch hat die Stadtverwaltung nun die Chance gesehen, das Gebäude abzugeben, weitere Kosten für Instandhaltung und Co einzusparen.

Vereine haben keinen Bedarf gesehen

„Zuerst haben wir bei Vereinen im Ort nachgefragt, ob es Bedarf gibt“, erzählt Köder. Dem war nicht so und so hat die Stadt eine Pressemitteilung verschickt, die auch im Blickpunkt veröffentlicht wurde. „Das Grundstück hat eine Größe von rund 195 Quadratmetern. Das Mindestgebot beträgt 120.000 Euro“, heißt es darin unter anderem. Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht, hat eine Fläche von 159 Quadratmetern. Zusätzlich wird eine Fläche von circa 36 Quadratmetern vor dem Eingang verkauft. „Man kann sagen, dass man nur für den Grund und Boden bezahlt. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den Preis nicht hoch anzusetzen, weil im Inneren natürlich viel gemacht werden muss“, erklärt Ralf Köder.

Was wird aus dem markanten Turm, der Glocke und der Uhr?

Und was wird eigentlich aus dem Turm und der Glocke, die nach wie vor regelmäßig schlägt? „Das Türmchen ist ortsbildprägend und muss erhalten bleiben. Das fixieren wir auch im Kaufvertrag“, antwortet Köder. Uhr und Glocke hingegen können abmontiert oder stillgelegt werden. „Momentan kümmert sich ein Anwohner um die Uhr. Zusätzlich muss sie einmal im Jahr von einem Uhrmacher gewartet werden, was kostenintensiv ist“, sagt Köder. Er könne also durchaus verstehen, wenn dies nicht jedermanns Sache ist. Zudem komme ja noch dazu, dass die Glocke rund um die Uhr schlägt. Zwar ist das nicht extrem laut, aber doch deutlich wahrnehmbar. „Das Gebäude ist etwas für Liebhaber“, sagt Köder unter anderem deshalb.

Vielleicht wäre es ja auch etwas für jemanden, der beispielsweise Räume für ein Restaurant namens „Türmle“ sucht? Markant wäre es allemal und der Name liegt auf der Hand. Doch Ralf Köder schüttelt den Kopf. „Sie haben hier keine Parkplätze und müssten eine Nutzungsänderung beantragen“, antwortet er.

Amtsleiter empfiehlt: Leitungen sollten getauscht werden

Ganz egal wer das Rathaus kauft und was die- oder derjenige vorhat: Es muss Geld und Arbeit in das Gebäude gesteckt werden. Die Fußböden sind alt, in manchen Räumen blickt der Besucher auf das blanke Gemäuer. Stromverbindungen, Kabel und Steckdosen kommen aus längst vergessenen Tagen, dürfen heutzutage so vermutlich nicht mehr genehmigt werden. „Sämtliche Leitungen, Strom und Wasser, sollten im Zuge der Renovierung getauscht werden“, empfiehlt der Amtsleiter. Im Gewölbekeller ist es feucht. „Wenn man hier etwas Belüftung reinbekommt, dann reicht das vermutlich zum Trocknen schon aus“, vermutet Köder.

Ralf Köder denkt an ein Atelier für Künstler

Denkbar wäre es auch, aus den Bereichen im Ober- und Untergeschoss jeweils eine Wohnung zu machen. Die zweite Wohnung müsste jedoch zunächst genehmigt werden.

Auch eine Familie mit Nachwuchs könnte einziehen, für Kinderzimmer und Co wäre mehr als genug Platz. Warum nicht schlafen, wo früher das Büro des Bürgermeisters war? Oder doch lieber im Sitzungssaal, in dem die acht Gemeinderäte von Hanweiler einst zusammengekommen sind? All das steht dem Käufer offen. Ralf Köder denkt auch an Künstler, die zum Beispiel ihr Atelier vor Ort einrichten könnten. Anschlüsse für Toiletten, Waschbecken und Co finden sich im Rathaus ebenfalls, auch Duschkabinen und Toilettenschüsseln sind vorhanden. Alles jedoch in die Jahre gekommen und eher ein Fall für ein Sanitärmuseum.

Jeder Interessent hat ein Gebot, Wasserstandsmeldungen gibt es nicht

120.000 Euro also sind das Mindestgebot. „Jeder hat einen Schuss. Am Schluss stellen wir den Gemeinderäten eine Liste mit den Geboten zusammen und geben eine Empfehlung ab. In der Regel bekommt derjenige mit dem Höchstgebot auch den Zuschlag“, erklärt Köder. In der vergangenen Woche haben bereits erste Führungen durch das Gebäude stattgefunden. Ein paar Anfragen hat es zudem hinsichtlich weiterer Informationen zum Rathaus gegeben. Da sich das Gebäude auf einer archäologischen Verdachtsfläche befindet, benötigen Bodeneingriffe eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung. Das Gebäude selbst steht jedoch nicht unter Denkmalschutz.

Weitere Informationen 

Informationen sowie Verkaufsunterlagen gibt es beim Amt für Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr: Tel: 0 71 95/13-2 31.

Wer schon immer einmal in einem echten, ehemaligen Rathaus wohnen wollte, der hat nun die Chance dazu. Die Stadt Winnenden verkauft ein Gebäude in Hanweiler, das nicht nur wegen seines Glockenturmes einiges an Charme versprüht. Amtsleiter Ralf Köder spricht von einem „Juwel“, das ob seines Zustandes im Inneren vergleichsweise günstig zu haben ist.

An der Silvanerstraße liegt das Rathaus, das das Ortsbild in Hanweiler prägt. Wer Fotos vom Haus mit dem Glockenturm und seiner großen,

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