Winnenden

Rathaussturm: Querköpf-Spiele im Konfetti-Schnee

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Wieder heftiger Schneefall in Winnenden – diesmal in Form von Papierkonfetti. © Schneider / ZVW
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Erheiterten das Marktpublikum beim kleinen Umzug durch die Stadt: Mistelhexe und Staffelhexe. © Schneider / ZVW
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Angie von den Querköpf, Andreas Hein, Norbert Sailer und Hartmut Holzwarth (von links) am Beginn der Qualifikation für die Olympischen Spiele. © Schneider / ZVW
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Publikum in der Borromäuskirche. © Schneider / ZVW
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Gundolf Zahn, Maria Lerke und Gerald Warmuth. © Schneider / ZVW

Winnenden. Konfetti in den Fugen zwischen den Pflastersteinen – das kratzt in Winnenden niemanden. Gut so, denn die Guggenmusiker Querköpf lassen es beim Rathaussturm eimerweise auf den Santo-Domingo-Platz schneien. Inspiriert von den Olympischen Winterspielen in Südkorea stellen die Narren drei Herren von der Rathausspitze spaßig-sportlich auf die Probe.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, Bürgermeister Norbert Sailer und der Kultur-, Sport- und Schulamtsleiter Andreas Hein lassen sich bereitwillig entmachten und stellen sich wieder dem nicht ernst gemeinten Wettbewerb – und dem Verkleidungsrausch. Fünf verschiedene Kostüme haben die Männer überzustreifen: Erst tragen sie in einer Toga das olympische Feuer nach Winnenden und durch die Menge, dann staksen sie im Skianzug und mit nur notdürftig angeleinten Skiern über den Platz. Als Bobfahrer werden sie vermummt mit Regenklamotten und Wollmütze, für den Eiskunstlauf verwandelt sich Holzwarth mit blonder Perücke und rotem Lippenstift in Hartmunde und die beiden anderen mühen sich damit ab, Dunjas Forderung nach einer Pirouette und zwei Hebefiguren irgendwie zu stemmen. „Der eine packt an den Armen, der andere an den Beinen, das ist mein Tipp an euch“, so die freche Querköpf-Moderatorin. Holzwarths Grimassen wechseln dabei zwischen Hoffen und Bangen, aber es geht für alle drei gut aus.

Chapeau: Sailers Kniefall endet beinahe im Spagat

Auch die letzte Disziplin fordert den dreien viel Bewegung ab: In Glitzerbodys machen sie mit Bändern rhythmische Sportgymnastik zum Lied „YMCA“ – man muss schließlich auch an die nächste Turn-WM denken. Eine Hästrägerin im Publikum, wohlgemerkt nicht von den Nellmersbacher Gees, sagt angesichts des leidenschaftlich umgesetzten Schabernacks bewundernd: „Des würd’ unser Bürgermeister, der Herr Kiesl, nie mitmacha!“ Helau nach Leutenbach.

Die Zuschauer, die etwas sehen können (der Domingo-Platz hat nun wirklich äußerst bescheidene Bühnenqualitäten). haben viel Spaß, aber nicht aus Schadenfreude, sondern weil sie bewundern, wie sich die Herren ohne Gesichtsverlust zum Affen machen. „Hier in der Gegend stecken einem Fasnet und Karneval ja nicht gerade im Blut. Herrn Sailer wohl noch am ehesten“, vermutet ein Besucher, der von dessen Heimat Balingen weiß. Der Bürgermeister sticht denn auch mit einer besonderen akrobatischen Übung hervor, vielleicht auch begünstigt durch seine katholische Konfession: Sein Kniefall als „Gymnastin“ endete fast in einem Spagat! Kein Wunder beschlägt ihm bei der Siegerehrung die Brille.

"Schnee"-Walzer auf dem Konfetti 

Nach einer Stunde Programm und Stimmungsmusik, im Wechsel vom Band (zu den Disziplinen), von den Elefantis, der inklusiven Guggenband aus Winnenden, und den Großheppacher Blooggoischdern tanzt ein Paar auf dem Konfetti einen „Schnee“-Walzer und eine Hexe tauscht mit einer Besucherin Tipps gegen die kleinen runden Papier-Souvenirs aus: „Mir findet se des ganze Johr über in der Hos’. Aber am besten zieht mer sich im Bad aus, da kannsch schö zammekehra.“

Drei Kirchenleute als Pinguine und die kürzeste Predigt aller Zeiten

Das Winnender Treiben beginnt in der katholischen Kirche St. Borromäus mit einer „Narrenmesse“. Hier spielen 30 Querköpf in ihren rot-blauen Papageienkostümen Schlager und Pop-Evergreens zum Mitschunkeln und ihrer Leiterin Dunja zum Geburtstag „Happy Birthday“. Die Kirchenleute sind als Pinguine verkleidet, spielen auf den weltlichen Necknamen für Nonnen an. Maria Lerke begrüßt im Gottesdienst-Stil singend die vier Kindergartengruppen und alle Narrenzünfte mit ihren klingenden Namen (schon mal was von den Spüllompaschlonzern gehört?). Die Gäste, die alle Kirchenbänke füllen, antworten ebenfalls singend: „Wir bitten euch und standet auf!“ Gerald Warmuth hält die kürzeste Predigt aller Zeiten, in geschätzt einer Minute philosophiert er darüber, dass Fasching eine Gelegenheit sei, die Alltags-Maske abzulegen und eine andere Identität anzunehmen – vielleicht sogar die wahre. Auch Warmuths Segenswunsch ist wohlgesetzt, aus aktuellen Anlässen bei Narrentreiben anderswo: „Wir erbitten deinen Segen für die Sicherheit, dass wir niemanden verletzen und dass wir nicht verletzt werden.“ Auf der Marktstraße benehmen sich die Gasthexen freundlich-frech, wie immer. Sie jagen höchstens ahnungslosen, draußen rauchenden Café-Gästen einen Schrecken ein: Sie kommen von hinten und gucken ihnen über die Schulter.


Der Mann, der nicht verlieren kann

Dunja, das Musiküsschen (musikalische Leiterin) der Querköpf, das ist schon ein Showtalent allererster Güte. In der Kirche spielt sie klasse die „erste“ Trompete, und auf dem Platz nimmt sie die Männer nach allen Regeln der Kunst auf den Arm, rügt, lobt, treibt an, übertreibt, lästert, spöttelt – und landet sogar zwei politische „Treffer“: „Kann man die Wahl wiederholen?“, fragt sie, als Holzwarth ihr gesteht, kein Querköpfle als Maskottchen angefertigt zu haben. Und am Ende, als sie (wie jedes Jahr) Holzwarth aufs Siegerpodest hievt, neckt sie: „Mir hat ein Mäusle geflüstert, dass du nicht verlieren kannst.“ Das war schön doppeldeutig, denn bei der OB-Wahl mit nur einem Kandidaten konnte Holzwarth wirklich nicht verlieren ...

Aus gut informierten Kreisen haben wir noch erfahren: Werner, der bisherige Vorsitzende des Vereins, hat die Guggen verlassen und ist zu einer Blaskapelle abgewandert, die mit Fasching nichts zu tun hat.