Winnenden

Raub in Spielothek: Drei Jahre Haft

Waiblingen im Amtsgericht 3
Die Kontrahenten hätten keine Gerichtsverhandlung gebraucht – aber bei schwerer Körperverletzung schreibt das Gesetz eine Strafe vor. Und die setzt das Amtsgericht fest. © Habermann / ZVW

Winnenden/Waiblingen. Ein 21-Jähriger war drei Monate aus dem Gefängnis entlassen, als er wieder straffällig wurde. Am 15. September schlug er den Aufseher einer Spielhalle auf den Kopf, so dass jener stürzte, und zog ihm 240 Euro Bargeld aus der Hosentasche. Das Amtsgericht Waiblingen verurteilte ihn zu drei Jahren Haft wegen Körperverletzung und Raub.

Der junge, friedlich blickende Mann wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, und genau so verließ er das Gericht. Richter, Staatsanwalt und auch der Verteidiger des Angeklagten sehen den Tathergang so: Der Angeklagte war an diesem Septemberabend in der Winnender Spielothek und verspielte 200, vielleicht sogar 400 Euro. Das frustrierte ihn. Er schlug den 58-jährigen Spielhallenaufseher auf den Kopf, so dass jener unglücklich zu Boden fiel und seinen Ellbogen mit einem komplizierten Splitterbruch brach. In einem Gerangel zog der 21-Jährige dem Aufseher 240 Euro aus der Hosentasche und rannte davon.

Der Angeklagte erzählte eine Story vom abgetricksten Gewinn

Der Angeklagte schob die Schuld von sich. Kurz vor Mitternacht sei der Aufseher hinter ihm gestanden. Er habe gerade einen großen Gewinn gemacht, die Gewinnmusik habe schon gespielt, dann habe der Aufseher den Stecker des Spielgeräts gezogen, und der ganze Gewinn sei verflogen gewesen. Der Anwalt des Angeklagten wollte dieser Version Glauben schenken und bat deshalb im Plädoyer um ein milderes Urteil.

Weder Staatsanwalt noch Richter Kärcher folgten dieser Empfehlung. Beide schätzen die Zeugen als glaubhaft ein. Der Spielhallenaufseher konnte den Stecker gar nicht ziehen, weil dort vorne keiner ist. Er hat auch kein Interesse, unter Lebensgefahr den Gewinn eines Spielers zu verhindern. Er wollte nur, dass um 24 Uhr die Spielhalle geschlossen wird.

Ein Zeuge findet in der Spielothek den Aufseher am Boden liegend

Der andere Zeuge, ein Spieler, der kurz mal in dieser Spielothek war, hatte an diesem Abend einen größeren Gewinn gemacht. Der Spielhallenaufseher zahlte ihm den Gewinn in bar aus, zog das Geld aus seiner Hosentasche, und dabei kann der Angeklagte gesehen haben, wo das Geld steckt. Der Spieler ging bald wieder raus und holte in der Nachbar-Spielothek seine Frau ab, ging auf die Straße und sah, wie der Gambier davonrannte. „Besser wir schauen noch mal nach“, sagte er, und fand in der Spielothek den Aufseher am Boden liegend, rief Polizei und Rettungsdienst.

Die Kripo Waiblingen suchte anhand von weiteren Zeugenaussagen und Täterbeschreibungen den Tatverdächtigen und fand ihn im Asylbewerberheim an der Albertviller Straße in Winnenden. Durch DNA-Spuren am T-Shirt des Opfers wurde der Täter eindeutig zugeordnet. Eine Treffsicherheit von 99,9997 Prozent attestierte im Gericht der Biologe Dr. Jörg Schaaf, der die DNA-Muster von T-Shirt und Hose des Opfers untersucht hatte.

"Es zeigt sich, dass er sich schwertut, sich an Gesetze zu halten"

Im Urteil übernahm Richter Kärcher in die Argumentation und das Strafmaß des Staatsanwalts. Der Gambier war schon 2015 verurteilt worden wegen Drogenhandels und Gewalt gegen Polizeibeamte. Zehn Monate war er im Gefängnis gesessen. Er wäre frei gewesen, wenn er nicht in der Spielhalle zugeschlagen hätte. „Der Angeklagte ist bereit, zur Durchsetzung seiner Interessen Gewalt anzuwenden“, sagte der Richter, „es zeigt sich, dass er sich schwertut, sich an Gesetze zu halten.“ Kärcher dachte auch an den geschädigten Spielhallenaufseher: „Er wird ein Leben lang an die Tat erinnert, weil er den Ellbogen nicht mehr ganz strecken kann.“ Bei dieser Sachlage seien drei Jahre Freiheitsentzug als Schuldausgleich schon angemessen.

Ausreisepflichtig

Der Angeklagte im Spielhallenraub war mit zwei unterschiedlichen Identitäten im Raum Stuttgart unterwegs: Einmal hieß er Kemear M. und war 23 Jahre alt, einmal heißt er Alfa D. und war 21 Jahre alt. Geburtsland war in beiden Fällen Gambia. Vor Gericht erklärte er auf Nachfrage, dass Kemear M. ein Fantasiename, Alfa D. dagegen der echte Name sei. Dieser Trick erschwerte die Ermittlungen der Kripo.

In Gambia ist der Angeklagte aufgewachsen und nach eigenen Angaben zwölf Jahre zur Schule gegangen. Er habe dann eine Ausbildung machen wollen. Das klappte nicht, deshalb sei er nach Deutschland gereist und habe dort einen Asylantrag gestellt.

Der Asylantrag wurde abgelehnt. Der Angeklagte wäre eigentlich seit Ende Dezember 2015 ausreisepflichtig, aber im Juli 2015 war er in Stuttgart zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Er saß im Gefängnis.

Ab Mitte 2016, als er seine Strafe verbüßt hatte, wohnte der Gambier in Winnenden.