Winnenden

Rauschgift auf dem Schulhof?

Drogen-Schulhof
Schulhöfe gelten nicht als Hauptumschlagsplätze. Der Drogenhandel spielt sich an dunklen Ecken ab, wenn keiner hinschaut. © Polizei-Beratung

Winnenden. Eltern fürchten sich vor Drogenhandel auf Schulhöfen. Unbedarfte Kinder könnten angefixt werden. Aktuell geht in Winnenden die Angst um; die Rede ist gar von der hochgefährlichen Droge Crystal Meth. Laut Polizei gibt es im Moment „keine belastbaren Hinweise“ auf Rauschgifthandel an Winnender Schulen. Wer was Konkretes weiß, sollte die Polizei informieren.

Ob es sich um ein Gerücht handelt oder tatsächlich etwas vorgefallen ist: Darüber wird spekuliert. Fakt ist: Eltern sorgen sich. Es wird kolportiert, ältere Schüler hätten Jüngeren bunte Tütchen angeboten, deren Inhalt wie Brausepulver aussehe. Darin befinde sich Crystal Meth, eine Substanz, die zunächst stimuliert, schnell abhängig macht – und dann mit hoher Zerstörungskraft auf Körper und Psyche des Konsumenten einwirkt.

Etwas in dieser Richtung sei von Schülern behauptet worden, bestätigt Sven Kubick, der Rektor der Albertville-Realschule in Winnenden. „Das ist aber alles ungesichert. Wir wissen auch nicht, wo das gewesen sein soll“, sagt der Schulleiter. Man habe die Polizei eingeschaltet.

„Wir werden dem nachgehen“, versichert Polizeisprecher Holger Bienert. Bisherigen Erkenntnissen zufolge gebe es „keine belastbaren Hinweise“ darauf, dass an Winnender Schulen Rauschgifthandel stattfindet. Wer konkrete Hinweise geben kann, sollte sich in jedem Fall an die Polizei wenden, Telefon 0 71 51/950-0.

„Keine größeren Probleme“ in der Stadt Winnenden

Der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth verweist auf die Ermittlungen der Polizei. Auch ihm ist nichts von einem konkreten Vorfall bekannt. Was Drogen angeht, „haben wir als Stadt in den letzten Jahren keine größeren Probleme gehabt“.

Die Nähe zur Asylunterkunft in der Albertviller Straße macht manchen Eltern Sorgen. Was, wenn Bewohner der Unterkunft Drogen verkaufen? Mag sein, dass ein Bericht von März dieses Jahres Eltern aufgeschreckt hat. Damals traf die Polizei im Zimmer eines 19-jährigen Asylbewerbers zwei 15 und 17 Jahre alte Schüler an, wo sie offenbar zu dritt gekifft hatten. Der mutmaßliche Drogenhändler kam in Haft.

Wer wirklich wolle, komme auch an andere Drogen

Was das Asylheim angeht, weiß Hartmut Holzwarth nicht von größeren Problemen zu berichten. „Vereinzelt“ seien Gambier mit Drogen, die sie zum Eigengebrauch besessen hätten, erwischt worden. Speziell auf Crystal Meth angesprochen, sagt der Oberbürgermeister: „Davon hab’ ich in Winnenden in keinerlei Zusammenhang gehört.“

Natürlich will jeder saubere Schulhöfe haben. Doch die gibt’s wohl eher nicht. Wobei nicht die Schulhöfe die Hauptumschlagplätze sind, wie eine 17-jährige Waiblinger Schülerin sagt: „Das funktioniert komplett über Mundpropaganda. Jeder weiß, wer was hat.“ Vor allem geht’s um Cannabis – um „Gras“, wie die 17-Jährige sagt. Auf jeder Party werde gekifft. „Alles andere wird nicht so akzeptiert“, erzählt die Schülerin. Wer wirklich wolle, komme auch an andere Drogen ran – man müsse nur fragen.

Sie selbst hat es allerdings noch nie erlebt oder davon gehört, dass härtere Drogen aktiv auf dem Schulhof angeboten würden. Was allerdings gang und gäbe sei: Mädchen nehmen ihr Getränk auf Partys, beim Wasen oder sonstigen Events grundsätzlich mit aufs Klo. Die Gefahr, dass einer heimlich was reinschüttet, sei viel zu groß. Die 17-Jährige wundert sich, weshalb Erwachsene so sehr die harten Drogen fürchten oder Angst haben, ihr Kind könnte kiffen. „Alkohol ist ein viel größeres Problem. An den kommt man ganz leicht ran, und beim Alkohol sind alle dabei.“

Ziel: Kinder stärken, damit sie keine Drogen brauchen

Suchtprävention spielt in den neuen Bildungsplänen eine zentrale Rolle. Ziel ist, dass Kinder „so stark sind, dass sie keine Drogen zur Kompensation benötigen“, wie eine Sprecherin des Kultusministeriums erläutert. Landesweit laufen zusammen mit der Polizei Präventionsprojekte; Polizisten kommen an die Schulen und klären über Drogen auf. „Da passiert ziemlich viel. Das ist auf jeden Fall ein Thema, das ernst genommen wird“, so die Sprecherin.

In der Prävention geht es nicht allein um Information und Aufklärung über Risiken. Kinder und Jugendliche sollen zudem lernen, sich in der Gruppe zu behaupten und Mut zur eigenen Meinung zu haben im Sinne von: „Ich möchte das nicht. Ich brauche das nicht.“

Crystal Meth

Im Internet kursieren furchtbare Bilder von Menschen, die sich mit Crystal Meth zugrunde gerichtet haben.

Die Droge ist billiger als Kokain und wirkt heftiger. In weiten Teilen Deutschlands ist die Droge verbreitet. Sie unterdrückt Müdigikeit, Hunger und Schmerz. Konsumenten fühlen sich stark, voller Tatendrang und Selbstvertrauen. Der Absturz folgt bald, wenn die Sucht einsetzt, sich alles nur noch um den Konsum dreht, Psychosen entstehen oder Paranoia als Folge langen Schlafentzugs.