Winnenden

Reger Ladenwechsel in der Innenstadt

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Sabine Mayers ehemaliger Schmuckladen an der Schlossstraße wird nun länger leer stehen. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Im Fachwerkhaus am Marktplatz ist nach fünf Jahren Leerstand nun ein Handy-Laden eingezogen. Wirtschaftsförderer Timm Hettich hätte sich eine andere Nutzung vorstellen können, wurde aber nicht mit ins Vermittlungsboot genommen. © Gabriel Habermann

Winnenden. Die Klebefolie mit der Haarlocke und dem verheißungsvollen Begriffspaar „Coming soon“ sind verschwunden, ein fünfjähriger Leerstand direkt am Marktplatz ist behoben: Ein Laden des Mobilfunkanbieters Vodafone hat im Fachwerkhaus von Kai Schäftlmeier eröffnet. „Man hätte sich in der 1-A-Lage auch eine andere Nutzung vorstellen können“, bleibt Wirtschaftsförderer Timm Hettich in seiner Wortwahl diplomatisch.

Eine kleine, besondere Gastronomie hätte er sich im Herzen der Stadt, am zentralen Platze gewünscht. Grundsätzlich sei er nun aber froh, dass die Ladenfläche wieder belebt worden und der Leerstand behoben ist. „Leider hatte ich nie die Möglichkeit, mit Herrn Schäftlmeier in Dialog zu kommen und für ihn attraktive Nutzungen zu finden.“ Dies bietet Timm Hettich aber allen Hausbesitzern an, die Geschäftsräume neu vermieten wollen. An Ideen mangelt es Timm Hettich nicht, Interessenten melden sich oft auch im Rathaus auf der Suche nach einem Lokal – und der Wirtschaftsförderer beobachtet den Markt und besondere Trends.

Hettich warnt vor überzogen hohen Mietvorstellungen

„Es steht uns ein radikaler Umbruch bevor, weil der Handel in fünf bis zehn Jahren nicht mehr die dominierende Rolle spielen wird“, ist Hettich sicher. „Leerstandsmanagement“ sieht er daher als eine seiner Hauptaufgaben an. „Die Herausforderung ist, dass wir in der Winnender Innenstadt viele kleine Flächen von 50 bis 120 Quadratmeter haben, die Nachfrage dafür aber sehr gering ist.“ Sie beginnt hingegen bei Flächen ab 500 Quadratmetern - in den Altbauten Mangelware. „Diese kleine Flächen nachbesetzen geht nur im Austausch zwischen Stadtverwaltung und Eigentümern.“ Freilich müssten diese mit der Pachthöhe den neuen Mietern insofern entgegenkommen, dass sie nicht zu hoch angesetzt wird. „Die Wohnungsmieten sind explodiert, die für Geschäfte nicht – und der Inhaber muss ja auch noch leben können.“

Timm Hettich weist darauf hin, dass ein Leerstand sich schlimmer auswirkt als eine vermeintlich niedrige Miete: „Er wertet das Umfeld ab und man kann immer weniger Miete verlangen.“

Für die Buchhandlung Halder bahnt sich etwas Neues an

Im Seitenbereich der Hauptachse Marktstraße, an der Torstraße, ist Timm Hettich zuversichtlich, dass sich die Lücke der Buchhandlung Halder bald schon schließen lässt - drei Monate sind seit ihrer Fusion mit Osiander und dem Umzug an die Marktstraße vergangen.

Etwas Gastronomisches könnte sich Hettich für die ehemalige Bäckerei Pflumm an der Schlossstraße vorstellen. „Das Gebäude ist vor drei Jahren verkauft worden, immer wieder werkelt im Erdgeschoss jemand rum“, hofft Hettich, dass er mit diesem Hausbesitzer nun in einen fruchtbaren Kontakt treten kann.

Neue Nutzung gegenüber vom Rathaus

„Schade, dass auch im Nebenhaus bisher nichts geht“, sagt Hettich. Die Vermieterin Sabine Mayer hatte Interessenten, die erst ein Lebensmittelgeschäft, dann ein Stehcafé machen wollten und es nicht hinbekamen. Bei weiteren zwei Mietern hatte Sabine Mayer dann noch richtig Pech, beide beantragten keine Baugenehmigung, der letzte riss alles raus und richtete auch noch Baupfusch im Keller an, „ich habe doppelte Verluste“ erlitten. Sie sagt, dass ihr Geschäft nun länger leer stehen wird. „Grund ist ein Erbstreit“, sie sei nicht die alleinige Besitzerin. Der Wirtschaftsförderer dazu: „Die Schlossstraße ist doch eine hochattraktive Seitenstraße mit tollen Geschäften. Das ist wirklich unbefriedigend“, so Hettich.

Gegenüber vom Rathaus, wo bisher das Systemhaus Feis war, wird es hingegen eine neue Nutzung geben, die Hettich freut: Hier wird sich Rena Müssle selbstständig machen und das „Weineck“ eröffnen. Darauf deuten auch schon die Weinsorten auf dem die Schaufenster verhüllenden Papier hin. „Mein Ziel ist, mit Beginn der Winnender Weintage zu öffnen. Wenn das nicht klappt, dann eben „Step by Step““, sagt Müssle.

Freude über den Verbleib der Post am bisherigen Standort

„Dass die Post am alten Standort bleiben kann, nur von der neuen Betreiberin Ute Richter geführt wird, das war mein dringlichstes Thema“, sagt Timm Hettich. Er findet die Lösung gut. Wie am 25. Mai berichtet, wird Ute Richter nach einer kurzen Umbauphase vom 22. Juli bis 11. August dort außerdem Tabakwaren, Zeitungen und Zeitschriften verkaufen.


Zwei Neuverträge kurz vor dem Abschluss

Die Backnanger Firma Optik Stroh hat die Filiale Winnenden nach zwölf Jahren an der unteren Marktstraße im sogenannten Giesser-Haus wegen Fachkräftemangels schließen müssen. „Wir sind traurig, es lief gut, der Laden war rentabel“, so Stroh. Die Ladenräume werden nicht lange leer stehen, denn nachdem Jochen Stroh das Schild für die Nachmietersuche aufgehängt hatte, dauerte es nur vier Stunden, bis sich „ein guter, ordentlicher Interessent“ meldete. Mehr darf er noch nicht sagen. Die Neueröffnung könnte im vierten Quartal 2019 sein.

Der Gewürzeladen „Pak Store“ neben dem alten Giesser-Haus ist ebenfalls, aber nach sehr viel kürzerer Verweildauer, ausgezogen. „Ein Makler hat ein bis zwei Interessenten vermittelt, aber der Laden liegt zurückversetzt, ist verwinkelt - da muss aus meiner Sicht nicht zwingend Handel hinein“, so Wirtschaftsförderer Timm Hettich.

Ebenfalls einen Makler beauftragt hat der Besitzer des Hauses neben dem Torturm, wo ein Inder eine Boutique geführt hatte. „Der Besitzer hatte den Mietvertrag nicht verlängert, sucht nun über einen Makler jemanden und hat genaue Vorstellungen“, sagt Hettich.

Der Mietvertrag von Aldo del Negro fürs ehemalige „La Piazza“ im Wielandhaus ist beendet, mit einer Sondergenehmigung der vermietenden Erbengemeinschaft darf das Gastroteam aber aus den alten Räumen heraus den Gästen beim Kunsttreff Getränke verkaufen. Was in dem Lokal und mit dem Gebäude passieren wird, ist „alles in Bearbeitung, in alle Richtungen offen“, wie eine der Besitzerinnen auf Nachfrage unserer Zeitung sagt.

Ende Mai hat das Bekleidungsgeschäft „Miller and Monroe“ nach nur wenigen Monaten in der „Vögele“-Nachfolge wegen Insolvenz schließen müssen. Es gibt einen Interessenten für die großen Räume an der Wallstraße, noch kann Thomas Rienth nichts Genaues sagen, bis ein Vertrag unterschrieben ist, wird es noch ein paar Wochen dauern.