Winnenden

Schülerinnen geben Computer-Kurs für Senioren

Senioren-AG
Sarah (15) und ihre Computer-Schüler Erika (77) und Axel (80) im Anfängerkurs der Senioren-AG. © Palmizi / ZVW

Winnenden. Die Computer summen, darüber erhebt sich das gedämpfte Wispern der Senioren, die sich gegenseitig beim Recherchieren im Internet helfen. „Wie war das noch mal? Sarah, komm bitte mal“, sagt eine Dame, bevor sie verzweifelt. Die 15-jährige Büchner-Gymnasiastin gibt mit leiser Stimme Tipps. Die Dame seufzt erleichtert.

Video: Lena Bauder (16) und Sarah Mahler (15), Schülerinnen des Georg-Büchner-Gymnasiums Winnenden, zeigen den Senioren den Umgang mit dem Computer.
 

Im Computer-Kurs für Anfänger haben zwölf Rentnerinnen und Rentner an den Schulrechnern Platz genommen und an einem Quiz weitergetüftelt, das ihnen die Schülerinnen vorgegeben haben. „Ich muss drei deutsche Bands im Internet finden. Ich kenne keine einzige“, meint Axel (80), der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Beim letzten Mal hat er aber schon Tokio Hotel notiert auf seinem Worddokument.

Umgang mit der Maus ziemlich fremd 

Bedächtig tippt Axel einzelne Buchstaben und die Leertaste mit den Mittelfingern der linken und der rechten Hand, vorsichtig greift er zur Maus, als wäre sie zerbrechlich. Der Umgang mit dem Zusatzgerät scheint ihm noch fremder zu sein als die Tastatur mit den vielen Zeichen und den Tasten, die Absätze erzeugen oder das Geschriebene ratzfatz wieder löschen, wenn man nicht aufpasst.

Lena und Sarah erklären mit Geduld

„Zu Hause brauche ich unser Laptop nicht. Meine Briefe sind kurz, ich schreibe sie schneller von Hand.“ Trotzdem lässt er sich von den Schülerinnen und seiner Frau Erika (77) zeigen, wie die Symbole aussehen, auf die man zum Recherchieren klicken muss, und wo man die Suchbegriffe eingibt. Wenn das Ehepaar zu zweit nicht mehr weiterkommt, rufen sie eine ihrer Kursleiterinnen zu sich. Lena (16) und Sarah huschen durch den Raum, beugen sich zu ihren Schülern, die im hohen Alter die Herausforderung, etwas Neues zu lernen, angenommen haben, und erklären mit leiser Stimme und Geduld.

Distanz zwischen Schülerinnen und Teilnehmern förderlich fürs Lernklima

„Was komplexer ist, müssen wir öfter erklären“, stellt Lena fest. Es ist der erste Kurs für Senioren, den die Zehntklässlerin gibt, und es ist der am besten besuchte von den elf Senioren-AGs, die derzeit im Angebot sind. Vermutlich ist die Distanz zwischen den Schülerinnen und den freiwilligen Teilnehmern förderlich fürs Lernklima. Es ist einfacher, als wenn man Zeit und Geduld seiner eigenen Kinder oder Enkel strapazieren müsste – sofern überhaupt vorhanden oder in greifbarer Nähe.

Schülerinnen unterrichten in der Mittagspause

Lena und Sarah unterrichten die Computer-Einsteiger mittwochs zwischen 12.40 und 13.40 Uhr im Schulcomputerraum in ihrer eigenen Mittagspause. „Ich hätte auch Französisch gegeben, aber da waren schon genug, jetzt bringe ich ihnen eben etwas über den Computer bei.“

Lediglich eine Spende wird verlangt 

Eine Teilnehmerin ist 57 Jahre alt, aber schon länger Frührentnerin. „So etwas Technisches lernt man von jungen Leuten gut, und ich komme gut mit ihnen aus“, freut sie sich über das Angebot. Lediglich eine Spende wird verlangt, wer während des Schuljahrs ein- oder aussteigt, muss sich nicht rechtfertigen. „Ich erinnere mich, dass wir als Junge immer lachten, wenn unsere Oma sich nicht getraut hat, das Fernsehprogramm umzuschalten“, erzählt die 57-Jährige.“ Jetzt bin ich selber so und froh, wenn mir die Schülerinnen helfen.“

Lena und Sarah sind die Ruhe selbst 

Mit Sicherheit werden Lena und Sarah nicht lachen, wenn ihre Klienten steckenbleiben. Sie sind als Kursleiterinnen die Ruhe selbst und nehmen sich als Personen stark zurück. Elke, eine Dame mit rot lackierten Fingernägeln, merkt sich schon komplizierte Tastenkombinationen, um eine Rechenaufgabe in Word einzutippen. Im Internet mit dem dort aufgerufenen Taschenrechner funktioniert diese Tastenkombination aber nicht. „Ich komme mir hilflos vor“, sagt sie, ist aber auch erst zum dritten Mal im Kurs. „Ich hatte immer eine Abneigung gegen den PC und dachte, ich komme so durchs Leben. Aber es gibt ja immer mehr Computer, und wenn du nichts machst, verlierst du irgendwann“, sagt die 69-Jährige.