Winnenden

Schläge im Schelmenholz: Zwei junge Frauen wegen Körperverletzung vor Gericht

Polizei
Symbolfoto. © ZVW/Benjamin Büttner

Sie zogen an ihren Haaren, schlugen ihnen mit den Fäusten ins Gesicht, traten sie – zwei junge Frauen, damals 18 und 17 Jahre alt, haben im Mai 2021 eine 17-Jährige und ihre 16-jährige Freundin in einem Waldstück nahe dem Schelmenholz verprügelt. Anlass offenbar: ein Junge. In der Verhandlung am Amtsgericht Waiblingen ein Jahr danach zeigt sich insbesondere die Haupttäterin wenig beeindruckt von der Justiz.

Mit einer Viertelstunde Verspätung betritt sie den Gerichtssaal („Tut mir leid, hab bisschen verschlafen“), während der Staatsanwalt die Anklage verließt, rollt sie wahlweise mit den Augen oder grinst spöttisch, später fällt sie Zeuginnen und Jugendgerichtshelfern ins Wort und als Richter Blattner schließlich das Urteil verkündet, zieht sie Grimassen. Verteidiger, die in solchen Fällen oft mäßigend eingreifen, gibt es an diesem Nachmittag nicht, die beiden jungen Frauen haben auf Rechtsbeistand verzichtet.

Er habe, sagt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zu der mittlerweile 18-jährigen Arbeitslosen aus Backnang, „den Eindruck, dass Sie das hier nicht so furchtbar ernst nehmen“.

Keine Strafen, sondern „Hilfen“

Als echten Schuss vor den Bug lässt sich das, was die junge Frau und ihre Freundin am Ende im Rahmen des Jugendstrafrechts aufgebrummt bekommen, indes nicht bezeichnen: Die Haupttäterin muss wegen Körperverletzung, Nötigung und Unterschlagung sowie Drogenbesitzes (sie wurde mit 0,6 Gramm Marihuana erwischt) und Beleidigung (sie beschimpfte auf dem Revier in Winnenden die Polizisten als „Hurensöhne“) zum wiederholten Mal ein Sozialtraining besuchen. Pflicht sind außerdem drei Termine bei der Drogenberatung und ebenso viele beim Verein „Chancen nutzen“.

Dieselben Weisungen, abzüglich der Drogenberatung, erteilt das Gericht der Mitangeklagten aus Winnenden, heute 20 Jahre alt, für die Körperverletzung, die sie begangen hat.

Die 40 Stunden gemeinnützige Arbeit, die der Staatsanwalt in seinem Plädoyer darüber hinaus zumindest für die Hauptangeklagte gefordert hatte, fanden sich in Richter Blattners Urteil nicht wider.

Es droht Jugendarrest

Dessen wiederholter Hinweis auf den drohenden Jugendarrest („Das ist wie Gefängnis“), sollten die beiden die „Hilfen“, die ihnen auferlegt wurden, nicht in Anspruch nehmen, brachten dem Vorsitzenden dafür Augenrollen und zornige Grimassen der 18-jährigen Verurteilten ein.

Reue dafür, was Ende Mai 2021 im Schelmenholz passiert ist, zeigten die Angeklagten hingegen nicht. Dabei räumten sie Schläge und Tritte durchaus ein und die heute 18-Jährige bestätigte auch, dass sie das Smartphone des aus Winnenden stammenden Opfers nach der Prügelei für sich behalten hat. Einzige Abweichung zur Anklageschrift: „Die anderen haben angefangen.“ Diese Version der Geschehnisse überzeugte Staatsanwalt und Richter jedoch nicht.

Der Vorwurf: Sie gefährde eine Beziehung

Deutlich plausibler erscheint die Aussage des Opfers im Zeugenstand. Sie habe sich mit der Haupttäterin verabredet, um „etwas zu klären“, berichtet die heute 18-Jährige. Es sei dabei um einen Jungen gegangen, einen Kumpel der Gegenspielerin. Ihr sei vorgeworfen worden, sie „nerve“ den jungen Mann mit ihren Chatnachrichten und bringe dessen Beziehung in Gefahr. Begleitet wurden die jungen Frauen jeweils von ihren Freundinnen.

Im Wald habe die Angeklagte ihr Smartphone eingefordert, berichtet das Opfer, sie habe es mittels Fingerabdruck entsperrt und der anderen den entsprechenden Chat mit dem Jungen bei Instagram geöffnet. „Ich hab gedacht: Ich zeig ihr den Chat, dann ist die Sache erledigt“, sagt sie aus – während die Hauptangeklagte sie böse anfunkelt.

Unter Schlägen den PIN verraten

Doch dann, berichtet das Opfer weiter, habe die andere ihr das Smartphone einfach nicht mehr zurückgegeben und stattdessen den PIN verlangt. Als sie sich das Handy zurückholen wollte, begann eine Schubserei, schließlich flogen Fäuste. Alle vier Mädels prügelten sich, wobei sie, die Geschädigte, schließlich auf dem Boden gesessen habe, Schläge einsteckte und zur Herausgabe des Codes für ihr Smartphone genötigt worden sei. Das Gerät sah sie erst nach Monaten wieder, weil ein ehrlicher Finder es abgegeben hatte. Die Angeklagte hatte es nach dem Vorfall im Schelmenholz für sich behalten und selbst genutzt (sie gibt zu: Das habe sie im Wald spontan so entschieden), es dann aber in Stuttgart verloren.

Schürfwunden und ein blaues Auge

Von der Auseinandersetzung im Wald trug das Opfer unter anderem Schürfwunden und ein blaues Auge davon – Blessuren, die sie daraufhin im Krankenhaus untersuchen lassen hatte. Die Freundin, die ihr beigesprungen war, hatte keine dokumentierten Verletzungen.

Es bleibt abzuwarten, ob die beiden Angeklagten, jeweils nach abgebrochenen Ausbildungen arbeitslos und noch wohnhaft im Hotel Mama, dafür bereits mit Eintragungen im Zentralregister, die Chancen nutzen, die das Amtsgericht ihnen gibt – oder ob auf der Anklagebank in Waiblingen bald wieder mit den Augen gerollt wird. Bis Ende August haben die jungen Frauen Zeit.

Sie zogen an ihren Haaren, schlugen ihnen mit den Fäusten ins Gesicht, traten sie – zwei junge Frauen, damals 18 und 17 Jahre alt, haben im Mai 2021 eine 17-Jährige und ihre 16-jährige Freundin in einem Waldstück nahe dem Schelmenholz verprügelt. Anlass offenbar: ein Junge. In der Verhandlung am Amtsgericht Waiblingen ein Jahr danach zeigt sich insbesondere die Haupttäterin wenig beeindruckt von der Justiz.

Mit einer Viertelstunde Verspätung betritt sie den Gerichtssaal („Tut mir

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