Winnenden

Schonungslose Analyse des Handelsexperten: Was kann die Winnender Innenstadt?

Handel Marktstraße
Ann Kristin Fischer und Timm Hettich (links) führen City-Manager und den Handelsexperten Frank Rehme (rechts) durch die Stadt. © Gabriel Habermann

Ein Stadtrundgang mit dem Handelsexperten und Coach Frank Rehme legt schonungslos offen, was in der Innenstadt zu verbessern wäre und welche Rolle dem Handel künftig zukommt. Der Besuch des Düsseldorfers, dessen Rat auch schon Wirtschaftsminister Peter Altmaier gesucht hat, war Teil einer zweitägigen Fortbildungs- und Vernetzungsveranstaltung der Wirtschaftsförderer und Citymanager von Winnenden, Weinstadt, Waiblingen und Fellbach.

„Da darf man nicht jammern, dass einem Amazon die Kunden wegnimmt“

Mittwochnachmittag in Winnenden. „Der Tütenfaktor ist niedrig“, stellt Frank Rehme fest. Will heißen, er sieht wenig Leute, die ihre Einkäufe nach Hause tragen. Dafür entdeckt er mindestens vier Geschäfte an der Marktstraße, die geschlossen sind. „Da darf man nicht jammern, dass einem Amazon die Kunden wegnimmt.“

Zwei Seltenheiten für deutsche Innenstädte entdeckt Frank Rehme aber auch, und sie sind offen: das Spielwarengeschäft am Marktplatz und der Herrenausstatter im neuen Holzmarkt-Carré. „Gut, dass er bald weitere Geschäfte als Nachbarn bekommt“, sagt Frank Rehme, der Andy Kalb „Schöner Laden!“ zuruft, als sich die Schiebetür öffnet. Von Wirtschaftsförderer Timm Hettich erfährt Rehme zudem, dass das neue Geschäftshaus über die Hirschgasse fußläufig an die Marktstraße angebunden ist.

Amis und Brändle-Bar: „Coole Gastro-Formate wirken belebend“

Dort befindet sich mit dem „Amis“ eine neue Bar, die bislang abends geöffnet ist, und auch im neuen Mehrgenerationenhaus hat Friseurin Jutta Brändle in ihrer neuen Barber-Bar nicht nur Haare, sondern auch Bier und Cocktails im Sinn. „Solche coolen Formate sorgen absolut für eine Belebung der Innenstadt“, sagt Rehme. „Eher abends, aber wenn sie Mittagstische anbieten können, als erweiterte Kantine von Rathaus, Schulen und Betrieben, eben auch schon früher.“

Die große Terrasse für die Weinstube zur Traube auf dem neu gestalteten Holzmarktplatz passt dazu und zeigt, wo und wie eine Stadt Gastronomie stärken und unterstützen kann. Bedauerlich hingegen ist, dass der Platz selbst wenig Bäume und gar kein Wasserspiel bekommen wird. „Ich sage es immer wieder: Wasser funktioniert super“, so Rehme, der mit solchen Sätzen bei Timm Hettich Kopfnicken auslöst. Der weiß das längst, aber er kann nur bitten und bohren und Vorschläge machen. Wenn aber der Gemeinderat zum Beispiel den Santo-Domingo-Platz beim Rathaus nicht in eine Aufenthaltsfläche verwandeln will (mit Blick auf die Stadtfinanzen oder die wegfallenden Parkplätze), sind Hettich die Hände gebunden. Frank Rehme vertieft das Thema gleichwohl: „Die Stadt muss den Leuten Dinge bieten, für die sie auch am Sonntag kommen würden, wenn die Läden zu sind.“ Er lobt die üppige Blumenpracht. „Wenn man solche richtig guten Gärtner hat, müssen sie Platz kriegen, um sich auszutoben.“ Und ermuntert die Entscheidungsträger, an Spielplätze, Erlebnisse, Bequemlichkeit zu denken. Denn die bittere Wahrheit sei: „Der Handel allein wird nicht mehr der Magnet sein.“

Daher auch die Botschaften an die Einzelhändler, die diese am Donnerstagabend noch direkt von Rehme bei einer Veranstaltung in Fellbach gehört haben. „Der Handel hat seine Versorgeraufgabe verloren, denn wir haben von allem schon alles. Er muss vielmehr Inspirator werden für die Leute. Er muss eine Story liefern, damit ich mir ein neues T-Shirt kaufe.“ Rehme empfiehlt den Händlern dringend, sich untereinander zu vernetzen, persönlich wie digital. „Wer heiraten oder einen Mädelsabend machen will, soll auf diese Weise alles in Winnenden finden.“ Das kann man weiterdrehen: Welche Produkte der einzelnen Händler passen zu einem bestimmten Rahmen, zum Beispiel zu Achtsamkeit. „Denken Sie nachfrage-, nicht händlerzentriert“, so der Rat des Coaches. Und, bitte, bitte: „Ihr Schaufenster muss zum Wow-Fenster werden. Das ist wie die Internetseite eines Online-Shops und kostet nicht viel.“

Ein Stadtrundgang mit dem Handelsexperten und Coach Frank Rehme legt schonungslos offen, was in der Innenstadt zu verbessern wäre und welche Rolle dem Handel künftig zukommt. Der Besuch des Düsseldorfers, dessen Rat auch schon Wirtschaftsminister Peter Altmaier gesucht hat, war Teil einer zweitägigen Fortbildungs- und Vernetzungsveranstaltung der Wirtschaftsförderer und Citymanager von Winnenden, Weinstadt, Waiblingen und Fellbach.

„Da darf man nicht jammern, dass einem Amazon die

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