Winnenden

Schulleiterin Ilse Bulling verlässt das Georg-Büchner-Gymnasium Winnenden

Rektorin Ilse Bulling
Schulleiterin Ilse Bulling hat am 31. Januar ihren letzten Arbeitstag am Georg-Büchner-Gymnasium. © Alexandra Palmizi

„So eine Lage hatten wir noch nie“, sagt Ilse Bulling, die Schulleiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums: In vier von acht Jahrgängen sind Schüler positiv, so dass sich ihre Klassen täglich testen müssen. Und: Es gibt keine falsch-positiven Tests mehr, wie früher, als der PCR-Test für die Hälfte der Kinder Entwarnung signalisierte. „Jetzt sind die positiven Tests auch alles Corona-Fälle.“ Aus der viruslastigen Berichterstattung sticht nun allerdings eine ganz andere Nachricht heraus: Am Montag, 31. Januar, wird Ilse Bullings letzter Schultag sein.

Wie bitte? Mitten im Schuljahr? Noch nicht einmal bis zum Ende des Schulhalbjahrs (25. Februar) will die Kapitänin warten, um von Bord zu gehen? Warum lässt sie ihre Mannschaft und die exakt 555 Schülerinnen und Schüler den Kampf mit Omikron allein weiterführen?

Sie lacht entspannt, ja, auch ein bisschen befreit: „Es ist lange geplant, dass ich gehen werde. Wir haben das gut vorbereitet. Die Arbeiten, die jetzt zusätzlich für die Abteilungsleiter anfallen, haben wir schon vor den Sommerferien verteilt, die Kolleginnen und Kollegen sind eingearbeitet.“ Ihr Stellvertreter Pascal Märkl hat schon viele Jahre Erfahrung, zudem seien die Eltern und auch die Schüler sehr engagiert, das behält sie in bester Erinnerung an ihre Zeit am Büchner. Der Laden sollte auch ohne sie laufen.

Das klingt komisch, muss aber so sein: „Eine Nachfolge hat sich beworben“

Und wer kommt nach? „Eine Nachfolge hat sich beworben“, das muss man so geschlechterneutral sagen, weil ein Name erst bekanntgegeben wird, wenn das Kultusministerium das ganze Verfahren abgeschlossen hat. „Es wird nicht mehr allzu lange dauern“, glaubt Ilse Bulling.

Und was ist mit dem Unterricht? Gemach. Die Stundenpläne bekommen keine Löcher – weil Ilse Bulling in diesem Schuljahr gar nicht mehr unterrichtet hat. „Ich habe meine Überstunden abgebaut.“ Okay, uns schwant, da ist was anders als bei anderen Lehrern. „Ich bin nicht verbeamtet. Deswegen gehe ich erst jetzt, mit 66 Jahren, in Ruhestand. Deswegen kann ich aber auch mittendrin gehen“, erklärt sie.

Sie freut sich aufs Ausschlafen, aufs Lesen und Radfahren

Sie freut sich auf den schulinternen Abschied am heutigen Freitag (28.1.), und dann wird sie es genießen, dass sie „endlich ausschlafen“ kann. Das sagt sie mit Ausrufezeichen. Und Zeit haben wird „in Ruhe ein Buch zu lesen“, und dass sie vom Frühjahr an aufs Fahrrad steigen und mit ihrem Mann die nähere wunderschöne Umgebung von ihrem Wohnort Backnang her erkunden kann. Natürlich wird sie sich auch ums Enkele kümmern, die Tochter hier und da entlasten, zwei Jahre ist das Kind alt.

Sie kommt aus Essingen und lebt in Backnang

Aufgewachsen ist Ilse Bulling in einer ebenfalls reizvollen Landschaft, in Essingen auf der Ostalb, wo man als sportlicher Naturfan alles geboten bekommt, Radeln, Wandern, Skilanglauf. Sie hat in Stuttgart studiert (Erdkunde, Deutsch, Psychologie) und war 1984 mit dem Referendariat fertig. „Damals ist aber kein Mensch eingestellt worden“, sagt sie, denn es gab viel zu viele Lehrer. „Also habe ich mich durchgeschlagen, war Krankheitsvertretung an vielen verschiedenen nicht staatlichen Schulen.“ Zwei Töchter kamen zwischendrin auch zur Welt. Im Jahr 2000 wechselte Ilse Bulling erstmals an ein staatliches Gymnasium. 2005 begann ein Zwischenspiel im Schulamt des Regierungspräsidiums. Die Aufgaben wechselten, zuletzt war sie zuständig für die Qualitätsentwicklung und Schulpsychologen.

„Aber von Anfang an war mir klar, ich will wieder zurück in die Schule.“ Als 2010 die Stelle in Winnenden frei wurde, beantragte sie ihre Versetzung, dadurch gab es gar kein Bewerbungsverfahren. „Das würde so heute nicht mehr gehen“, räumt sie ein.

Zwölf Jahre lang gab es immer irgendwo am Büchner Bauarbeiten

Was hat sich alles getan in den 11,5 Jahren, was waren die Höhepunkte? „Spontan würde ich sagen die drei Schüleraustausche mit China. Für uns war es eindrücklich und spannend, vor allem aber fand ich wichtig, dass die Chinesen unseren Alltag erleben, welche Freiheiten wir haben, was wir tun können, ohne Angst zu haben.“ Prägend waren auch die Bauarbeiten. „Irgendwo im Schulhaus war immer etwas“, zurzeit ist es der Schulhof, demnächst muss die Decke für Elektroarbeiten aufgemacht werden.

Manches ging schneller, weil die Schüler im Fernunterricht waren. „Ein Pluspunkt von Corona“, sagt Ilse Bulling etwas bitter. Denn die Pandemie förderte bei einigen Schülern Ängste, andere finden sich schwieriger in Gruppen ein, wieder andere haben Probleme mit dem Schulrhythmus. Schließlich gibt es Jugendliche, die Inhalte nachholen und die freiwilligen Angebote nutzen sollten. „Es ist eine große Herausforderung für die Schüler, sechs Stunden allein vor dem Rechner zu sitzen und Aufgaben zu machen“, gibt Ilse Bulling zu. Doch die meisten Jugendlichen, das muss man auch sagen, haben die Pandemie gut weggesteckt. Und sogar Luft und Lust, sich freiwillig zu engagieren: in der Schülerfirma, in der 3-D-Druck-AG, in der Garten-AG und in der Nachhaltigkeits-AG. So eine Lage hatte das Büchner schon lange nicht mehr. Um die Zukunft der Schule ist Ilse Bulling nicht bang.

„So eine Lage hatten wir noch nie“, sagt Ilse Bulling, die Schulleiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums: In vier von acht Jahrgängen sind Schüler positiv, so dass sich ihre Klassen täglich testen müssen. Und: Es gibt keine falsch-positiven Tests mehr, wie früher, als der PCR-Test für die Hälfte der Kinder Entwarnung signalisierte. „Jetzt sind die positiven Tests auch alles Corona-Fälle.“ Aus der viruslastigen Berichterstattung sticht nun allerdings eine ganz andere Nachricht heraus: Am Montag,

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