Winnenden

Schwächen beim Großeinsatz am ZfP

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Polizist im Schlosspark: Als die Gefahr noch nicht ausgeschlossen war, war das Gelände gesichert. © Büttner / ZVW

Winnenden. Es wäre ein Wunder, wenn so ein Großeinsatz wie am Mittwoch in Winnenden zu 100 Prozent reibungslos verliefe. Zeitungsleser haben uns auf kleinere Kommunikationspannen aufmerksam gemacht.

„Ungeschickt“ fanden es einzelne Eltern von betroffenen Kindern, dass offenbar Schulleiter zunächst eine Übung verkündet hatten. Ein Vater berichtet von seinem Sohn, dass der einer Lehrerin anmerkte, dass es ernst sein muss, weil sie viel angespannter war, als es bei einer Übung zu erwarten wäre.

Unter Eltern keine lange Diskussion über das Wort „Übung“

Bei Elternversammlungen des Georg-Büchner-Gymnasiums – zufällig direkt am Mittwochabend – wurde die Direktorin gefragt, ob sie aufgrund einer Vorgabe von einer „Übung“ gesprochen habe. Das bestätigte sie, und damit sei das Thema erledigt gewesen, erzählt Schulleiterin Ilse Bulling auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Geschichte von der „Übung“ war vom Führungs- und Lagezentrum der Polizei um 10.38 Uhr an alle Schulen im Großraum Winnenden geschickt worden. Die Absicht war, Panik zu vermeiden, so Polizeisprecher Ronald Krötz. In dieser Mail heißt es wörtlich: „Auf und um das Gelände des ZfP Winnenden findet derzeit eine polizeiliche Übung mit starken Polizeikräften statt.“

Schulleiter von Schulen weiter außerhalb fühlten sich getäuscht von dieser Mail. Schulleiter in den beiden Bildungszentren griffen sie entweder auf und verkündeten zunächst die „Übung“, stellten sie aber später richtig. Andere, wie zum Beispiel Sven Kubik von der Albertvilleschule und Jörg Steinl vom Lessing-Gymnasium schenkten der Mail gar keine große Beachtung, sondern informierten sich sofort direkt bei Polizeibeamten, die schon zur Schule geeilt waren. „Wir sprachen Klartext zu unseren Schülern, und der lautete: Es besteht eine Gefahrenlage“, berichtet Sven Kubik von der Albertvilleschule.

Polizei hat fünf Schulen via Telefon über Gefahrenlage informiert

Die fünf Schulen im Gefahrenbereich wurden per Telefon informiert. Die Schultüren wurden sofort geschlossen. An der Albertville-Schule wurden die Schüler in die oberen Stockwerke geschickt, damit keiner unten direkt an den großen Fenstern steht. Eltern von Albertville-Schülern erzählten unserer Redaktion, dass es doch Tränen gegeben habe, dass Kinder mit zitternden Händen nach Hause gekommen seien.

„Natürlich gibt es verweinte Gesichter in so einer Situation“, sagt Sven Kubik, „aber das waren wirklich nur vereinzelte, vielleicht sieben bis acht von insgesamt 800 Schülern.“ Insgesamt hätten sich die Schüler ruhig und geordnet verhalten. „Es ist sehr gut gelaufen bei uns“, sagt Kubik. Früher als die meisten anderen Winnender Schüler durften die Albertvilleschüler schon nach Hause. Es war eben so, dass Rektor Kubik früh von Polizeibeamten erfuhr, dass die Kinder gehen könnten, wenn sie einen großen Bogen ums Gefahrengebiet machten.

Lob und Verständnis von Eltern für Lehrer und Polizei

In anderen Schulen gab es Diskussionen, ob die Schüler nicht früher heim dürften, es entstand aber keine kollektive Aufregung. Direktorin Ilse Bulling, die am Mittwochabend mit allen anwesenden Eltern sprach, registrierte viel Verständnis bei den Eltern. Alle bis auf eine Ausnahme hätten verstanden, dass ihre Kinder in der abgeschlossenen Schule sicher waren. „Wir haben viel Lob und Bestätigung erfahren.“ Kein Verständnis hätten die meisten Eltern für jene, die mit Autos zur Schule gefahren seien und dort auf ihre Kinder gewartet hätten: „Die blockieren doch bloß Rettungswege.“

Bei aller Aufregung und Kritik gibt es auch die coolen und schnoddrigen Schüler: „Heute Nachmittag kriegen wir frei“, freute sich mindestens einer, als er noch in der Schule eingeschlossen war.


Online-Information hilft weiter

Wohl aus Versehen wurden weder die Stadtverwaltung noch der Oberbürgermeister von der Polizei über den Großeinsatz informiert. Hinweise bekamen sie von einem Hausmeister, einer Schulleiterin und www.zvw.de, wo die Gefahrenlage frühzeitig dargestellt wurde.

Schüler hatten wenig Online-Information. In der Albertvilleschule wurden die Schüler gebeten, keine Handys zu nutzen, damit die Funkverbindungen freibleiben. An anderen Schulen merkten Eltern, die vor den Türen warteten, dass sie keinen Smartphonekontakt bekamen.

Schwieriger war es für die Albertville-Schule, die Festnetz-Telefonleitungen frei zu bekommen, weil viele Eltern von außen anriefen, um sich nach ihren Kindern zu erkundigen, wie Rektor Sven Kubik erzählte.

Irgendwann geisterte das Wort „Evakuierung“ durch die Berichte. Polizeisprecher Ronald Krötz stellt auf Nachfrage fest: „Evakuierungen gab es gar keine.“ Die Polizei empfahl nur, die Kinder nach Hause gehen zu lassen.