Winnenden

Schwarzfahrerin aus Winnenden vor Gericht: Die Strafe wird hart

SymbolfotoSBahn
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Schwarzfahren kostet 60 Euro, wenn man erwischt wird. Denkt man. Es kann aber auch anders kommen. Zwei Monate Freiheitsentzug, dazu die Übernahme der Verfahrenskosten. So lautete das Urteil, mit dem Richterin Isabel Thümmel „im Namen des Volkes“ die Schwarzfahrt einer jungen Frau mit der S-Bahn von Waiblingen nach Winnenden sanktionierte.

Den „erhöhten Fahrpreis“ hatte sie ziemlich früh bezahlt

Die Angeklagte war am 25. September des vergangenen Jahres gegen 11 Uhr vormittags mit der S 3 unterwegs, als sie in eine Fahrkartenkontrolle geriet. Als sie aufgefordert wurde, ihre Fahrkarte vorzuzeigen, präsentierte sie dem Kontrolleur ihr iPhone mit der PolygoCard, also der elektronischen Fahrkarte. Als der Kontrolleur die Karte kontrollierte, stellte er fest, dass diese gesperrt war, weil die Raten dafür nicht bezahlt waren. Konkret an den Vorfall erinnern könne er sich nicht mehr, erklärte der Kontrolleur im Zeugenstand, aber da er seine Meldung gemäß dem gewohnten Prozedere verfasst habe, müsse die Kontrolle wohl „ganz normal“ verlaufen sein. Die Schwarzfahrerin jedenfalls hat den erhöhten Fahrpreis von 60 Euro mittlerweile in zwei Raten bezahlt, womit die Angelegenheit hätte erledigt sein können.

War sie aber nicht! Als die Sünderin der Fahrkartenkontrolle ins Netz ging, stand sie unter zweifacher Bewährung, verurteilt wegen Diebstahls, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen wiederholten Schwarzfahrens. Auch sonst ist sie für das Gericht kein unbeschriebenes Blatt: Seit ihrem 16. Lebensjahr habe sie Amphetamine konsumiert, angefangen mit Crystal Meth, erst vor neun Monaten habe sie damit aufgehört, berichtete sie der Richterin. Alkohol konsumiere sie ebenfalls keinen, höchstens ab und zu beim Feiern und dann nur in Maßen. Sie habe jetzt endlich einen Platz für eine ambulante Therapie erhalten, es fehle nur noch die Zusage zur Kostenübernahme. Auch habe sie sich dazu entschlossen, sich um einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege zu bemühen, um ihrem Leben Orientierung zu geben.

Täuschungsversuch mit Fahrkarte auf dem Smartphone scheitert

Als die Angeklagte ihr Handy mit der gesperrten PolygoCard vorzeigte, so die Richterin in ihrer mündlichen Urteilsbegründung, sei dies nicht im Reflex geschehen, wie die Angeklagte und ihr Rechtsanwalt behaupteten, sondern in der Absicht, einen Betrug zu begehen, also durch das Vorspiegeln falscher Tatsachen einen Irrtum zu erregen, um sich selbst einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, wie es in der Rechtssprache in Paragraf 263 des Strafgesetzbuches heißt. Da sie dabei erwischt wurde, blieb es beim Versuch, doch auch der ist bereits strafbar. Und dafür wurde die Angeklagte verurteilt. Sie habe schließlich gewusst, dass die PolygoCard gesperrt war und sie auch nicht über das nötige Geld verfügte, um sie wieder aufzuladen, hielt ihr die Richterin vor.

Zugunsten der Angeklagten spreche, dass sie sich geständig gezeigt habe und der Betrag, um den es eigentlich ging - laut Auskunft des Fahrkartenkontrolleurs 2,50 Euro - relativ gering war. Erschwerend müsse sie sich dagegen ihre vielen Vorstrafen anrechnen lassen, dass es sich bei ihr um eine Wiederholungstäterin handle und dass der Abstand zwischen den einzelnen Straftaten immer geringer werde.

„Man hat das Möglichste getan, damit Sie nicht in Haft mussten, Sie hatten viele Chancen“, so die Richterin, somit sei es unerlässlich, dieses Mal den Freiheitsentzug zu vollstrecken - „zur Verteidigung der Rechtsordnung“ hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer erklärt. Dass die Haft ihr Probleme bringt, ist klar.

Eigentlich wollte sie eine Altenpflegeausbildung beginnen

Aber der ihr in Aussicht gestellte Therapieplatz sei kein Grund, dass sie nicht ins Gefängnis müsse, so Richterin Thümmel, denn die Therapie könne sie noch nach der Haft antreten. Die Absicht, eine Altenpflegeausbildung zu beginnen, habe sie bereits geäußert, als sie das letzte Mal vor Gericht stand, ohne dass sie bisher allerdings konkrete Schritte in dieser Richtung unternommen hätte. Und ihr 13-jähriger Sohn, der bei ihr lebt, könne die zwei Monate der Haftzeit auch anderweitig versorgt werden, schließlich habe er regelmäßig Kontakt mit seinem Vater.

Schwarzfahren kostet 60 Euro, wenn man erwischt wird. Denkt man. Es kann aber auch anders kommen. Zwei Monate Freiheitsentzug, dazu die Übernahme der Verfahrenskosten. So lautete das Urteil, mit dem Richterin Isabel Thümmel „im Namen des Volkes“ die Schwarzfahrt einer jungen Frau mit der S-Bahn von Waiblingen nach Winnenden sanktionierte.

Den „erhöhten Fahrpreis“ hatte sie ziemlich früh bezahlt

Die Angeklagte war am 25. September des vergangenen Jahres gegen 11 Uhr vormittags

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