Winnenden

Schwerer Unfall am Klinikum: Wie gefährlich sind SUVs?

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Noch ist nicht im Detail geklärt, wie sich der Unfall genau abgespielt hat. © Alexander Roth

Winnenden. Ein zweijähriger Junge hat bei einem Unfall auf dem Parkplatz des Winnender Krankenhauses laut Polizei schwerste Verletzungen erlitten. Das Kleinkind war zum Auto seiner Mutter gerannt. Ein VW-SUV mit einer 46-Jährigen am Steuer erfasste das Kind.

Die Frau hatte am Montagabend gegen 20 Uhr auf den Parkplatz des Krankenhauses fahren wollen, als der Unfall geschah. Der Junge schwebt nicht in Lebensgefahr. Er hat schwere Verletzungen, ihm geht es den Umständen entsprechend aber gut

>> Zweijähriger nicht in Lebensgefahr

Noch wird ermittelt, wie sich der Unfall genau abgespielt hat. Ob die Autofahrerin eine Schuld trifft oder nicht, darauf gibt es im Moment noch keine Antwort. Laut Polizei-Pressesprecher Ronald Krötz gilt grundsätzlich: Sind Kinder oder alte Menschen betroffen, darf sich ein Autofahrer nicht darauf verlassen, dass diese sich korrekt verhalten. Deshalb gilt in diesen Fällen immer: mehr als vorsichtig fahren, im Zweifel anhalten.

Beim Zusammenstoß mit SUVs stärker gefährdet?

SUV – in diesem Fall ein VW Touareg – erfasst Kind: Bei solch einer Nachricht schrillen alle Alarmglocken. Diese vergleichsweise großen und schweren Fahrzeuge bieten zwar dem Fahrer mehr Sicherheit. Andere Verkehrsteilnehmer sind aber stärker gefährdet, wenn sie im Fall eines Unfalls auf einen SUV treffen – stimmt das?

Diese Sicht der Dinge „trifft überwiegend zu“, bestätigt Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Ein schwereres Fahrzeug bietet in der Tendenz mehr Sicherheit. Den Preis dafür zahlt der Kontrahent beim Unfall: Prallt beispielsweise ein SUV bei einem Unfall in die Seite eines kleineren, niedrigeren Autos, könnte der Fahrer im schwächeren Fahrzeug schlimmere Verletzungen davontragen, als es beim Zusammenstoß mit einem kleineren Auto der Fall gewesen wäre, bestätigt Siegfried Brockmann.

Anderes Sichtfeld im SUV

Bei geringen Geschwindigkeiten, wie sie beim Einfahren auf einen Parkplatz üblich sind, spielt das Gewicht eines Fahrzeugs beim Unfall keine so große Rolle, so Brockmann weiter. Doch „möglicherweise“ ist die Gefahr, dass ein SUV-Fahrer ein Kleinkind übersieht, größer als in einem anderen Fahrzeug: Durch die höhere Sitzposition im SUV könnte das Sichtfeld nach unten hin eingeschränkt sein, gibt der Unfallforscher zu bedenken. Es kommt drauf an, um welche Art SUV es sich handelt; „die Range ist riesig“, sagt Siegfried Brockmann. Beispielsweise zwischen einem VW Tiguan und einem Porsche Cayenne liegen Welten.

Eines gilt laut dem Unfallforscher aber für alle SUVs: Man sitzt höher, was Einfluss auf das Sichtfeld hat, und in Autos dieser Art sind vergleichsweise größere C-Säulen verbaut. Deshalb könne in solch einem Fahrzeug „ein Kind eher mal hinter einem Bauteil verschwinden“. Als C-Säulen werden jene Bauteile an einem Auto bezeichnet, die vom Dach bis zu den hinteren Kotflügeln verlaufen.

Wie schützt man sein Kind am besten?

Selbst bei größter Vorsicht kann ein Unfall mit einem Kind passieren. Eltern haben Aufsichtspflicht – grundsätzlich. Doch rennt ein Kind plötzlich auf die Straße, einem Ball hinterher oder zwischen zwei geparkten Autos hindurch: keine Chance. Für Eltern ist die Frage, wie sie ihr Kind am besten schützen, auch nicht ganz leicht zu beantworten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ warnt davor, Kinder zu sehr behüten zu wollen, um sie – vermeintlich – vor Gefahren zu schützen.

Dürfen Kinder aus Sicherheitsgründen bevorzugt nur im Haus spielen und chauffiert das Eltern-Taxi sie überall hin – dann kann’s erst recht gefährlich werden. Denn so haben Kinder keine Chance zu lernen, wie sie sich im öffentlichen Raum sicher bewegen können, und „sie können Situationen weniger gut einschätzen“, wie es in einem Ratgeber der Bundesarbeitsgemeinschaft heißt: „Sorgen Sie daher dafür, dass Ihr Kind seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben kann, um seine körperliche Beweglichkeit und Geschicklichkeit zu trainieren. Kinder sollen sich im Straßenverkehr üben, und zwar alters- und entwicklungsgemäß. Je kleiner sie sind, desto mehr brauchen sie Schutz, aber auch schon Erklärungen.“


Weniger Unfälle mit Kindern

Die Zahl der Unfälle mit Kindern ist zuletzt im gesamten Gebiet, für welches das Polizeipräsidium Aalen zuständig ist, zurückgegangen. In den Landkreisen Rems-Murr, Schwäbisch Hall und Ostalb hat die Polizei im vergangenen Jahr 156 Unfälle registriert, bei denen Kinder beteiligt waren. Das entspricht laut Statistik einem Rückgang von fast zehn Prozent.

Im vergangenen Jahr sind im Rems-Murr-Kreis elf Kinder schwer und 92 Kinder bei Unfällen leicht verletzt worden. Im Jahr davor erlitten neun Kinder schwere und 106 Kinder leichte Verletzungen.