Winnenden

Seelsorgerinnen aus Winnenden zum Leiden der Menschen in der Corona-Zeit

Seelsorgerin
Maria Lerke (links) und Brigitte David im Hof vor der Borromäus-Kirche. © Gabriel Habermann

Maria Lerke und Brigitte David sind unter anderem als Seelsorgerinnen in der katholischen Kirchengemeinde rund um Winnenden aktiv. Sie dienen als Ansprechpartner für Sorgen und Nöte aller Art. Besonders gefragt sind sie in den schwersten Stunden: wenn Menschen sterben. Dann helfen sie Angehörigen und teilweise auch den Sterbenden selbst, mit der Trauer und den Ängsten umzugehen.

Brigitte David spricht von „professioneller Nähe“ statt von Distanz

Besonders schwierig ist das, wenn junge Menschen ganz plötzlich und unerwartet sterben. Brigitte David ist auch für das Rems-Murr-Klinikum im Einsatz. Sie erinnert sich an schlimme Unfälle von Menschen, gerade 20 Jahre alt, die eigentlich noch ihr ganzes Leben vor sich gehabt hätten. Doch von einer auf die andere Sekunde sind sie tot. Wenn Brigitte David Dienst hat, wird sie in solchen Situationen als Seelsorgerin gerufen. „An solchen Fällen habe ich zu knabbern. Man nimmt sie mit nach Hause“, erzählt sie. David spricht ungern von „professioneller Distanz“, wie es oft heißt. „Für mich muss es eigentlich professionelle Nähe heißen“, beschreibt sie ihre Arbeit. Nah dran sein an jenen Menschen, die es gerade nötig haben. Das ist ihr und Maria Lerke wichtig.

Trauerfeiern wurden oft lange Zeit aufgeschoben

Doch in der Corona-Pandemie war das nicht immer einfach. „Wir waren oft als ganz praktische Helfer gefragt. Als im Krankenhaus strenge Besucherregeln gegolten haben, hatten die Angehörigen oft gar keinen Kontakt. Da habe ich mich dann auch darum gekümmert, dass das Gepäck bei den Patienten ankommt“, erinnert sich David.

Schlimmer noch, als der fehlende Kontakt zu kranken Angehörigen, hat für viele die Tatsache gewogen, dass Trauerfeiern entweder lange aufgeschoben wurden oder nur mit ganz wenig Teilnehmern stattfinden durften. „Wen lad ich ein? Wer darf nicht zur Beisetzung kommen? Diese Frage war für viele ganz schlimm“, weiß Lerke. Selbst Umarmungen waren teilweise nicht möglich, Verwandte haben sich nicht getraut, sich nebeneinanderzusetzen.

Lerke: „Abschied nehmen ist wichtig. Es ist eine Katastrophe, wenn das fehlt“

Diejenigen, die sich für eine Urnenbeisetzung der Verstorbenen entschieden haben, seien nach endloser Warterei fast wahnsinnig geworden. „Abschied nehmen ist unwahrscheinlich wichtig. Es ist eine Katastrophe, wenn das fehlt“, weiß Lerke. Brigitte David erinnert sich an eine Frau, die nach der Beerdigung ihres Mannes mit ihrem Leid ganz für sich war, alleine nach Hause gegangen ist. „Das geht mir bis heute nach“, sagt sie. Ebenfalls hart für die Angehörigen: Wer an oder mit Corona verstirbt, kommt aus Gründen des Infektionsschutzes in einen luftdichten Leichensack. Abschied nehmen am offenen Sarg ist damit nicht möglich.

Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten, fühlen sich ausgegrenzt

Aber auch für Maria Lerke und Brigitte David war es nicht immer leicht. David erinnert sich an Situationen, als sie Trauernde besucht hat, diese allerdings keine Maske getragen haben. „Teilweise, obwohl bekannt war, dass das Virus in der Familie rumgeht, bereits jemand daran verstorben ist.“ Einmal habe sie sich gar Sprüche anhören müssen, als sie auf die Maske bestanden hat. Gestiegen in der Pandemie ist das Bedürfnis der Menschen, über ihre Nöte und Sorgen zu sprechen. Da sind sich Brigitte David und Maria Lerke einig.

Thema ist immer wieder auch das Impfen. „Ich habe regelmäßig Gespräche mit Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, sich dadurch ausgegrenzt fühlen“, erzählt Lerke. Auch das sei eine Not, obwohl sie sich relativ leicht beheben lasse.

Lerke und David hatten Kontakt zu Menschen, die Angehörige durch das Virus verloren haben. „Ich habe Corona-Positive im Krankenhaus teilweise beim Sterben begleitet“, erzählt David. Sie hat das Leid, das die Pandemie mit sich gebracht hat, also hautnah erlebt.

Entsprechend wenig Verständnis hat sie, ebenso wie Maria Lerke, für diejenigen, die durch Städte ziehend gegen Corona-Maßnahmen protestieren. In Trauergesprächen sei es trotzdem wichtig, Verständnis für die Menschen zu zeigen. „Wir müssen verstehen, nicht polarisieren. Im Trauergespräch lasse ich mich nicht auf Konflikte ein“, sagt Maria Lerke.

Maria Lerke und Brigitte David sind unter anderem als Seelsorgerinnen in der katholischen Kirchengemeinde rund um Winnenden aktiv. Sie dienen als Ansprechpartner für Sorgen und Nöte aller Art. Besonders gefragt sind sie in den schwersten Stunden: wenn Menschen sterben. Dann helfen sie Angehörigen und teilweise auch den Sterbenden selbst, mit der Trauer und den Ängsten umzugehen.

Brigitte David spricht von „professioneller Nähe“ statt von Distanz

Besonders schwierig ist das,

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