Winnenden

Senior aus Winnenden geht Abzockern auf den Leim: Telefonbetrug mit Happy End

Telefonbetrug
Ein Winnender Senior hatte Abzocker am Telefon. © Benjamin Büttner

Momentan treiben Telefonbetrüger ihr Unwesen in Winnenden und dem gesamten Rems-Murr-Kreis. Darüber hat unsere Zeitung berichtet. Auf den Artikel hin hat sich ein 81 Jahre alter Winnender an unsere Redaktion gewandt. „Ich hatte die Betrüger auch am Telefon“, erinnert er sich an den Anruf vor ein paar Wochen. Bestimmt eine halbe Stunde habe er mit den Männern telefoniert.

„Sie haben sich als eine Tochtergesellschaft der Syna ausgegeben und wollten mit mir über meinen Stromvertrag sprechen. Sogar meine Kundennummer haben sie gekannt. Für mich hat das alles zunächst plausibel geklungen“, berichtet der Senior von dem Anruf. 30 Minuten sei es hin- und hergegangen, zwischendrin brach sogar die Telefonleitung kurz ab. „Die haben mir gesagt, dass sie Probleme haben. Für mich klang alles so plausibel, dass ich sie auf ihren Wunsch sogar zurückgerufen habe“, seufzt er.

14 Tage lang kann der Vertrag widerrufen werden

Das Angebot der Firma für einen Stromtarif war extrem günstig. „Dann haben die mit ihrem Berliner Gelaber allerdings davon angefangen, dass es sich wirklich nur um einen Stromtarif handelt. Versicherungen oder andere Dinge seien nicht dabei. Da bin ich schon etwas stutzig geworden“, erzählt der Winnender. Trotzdem ist er noch am Telefon geblieben. Die Abzocker wollten derweil die Zustimmung des Seniors zum neuen Tarif auf Band aufzeichnen. Mehrmals sollte er diese mit einem „Ja“ ausdrücken. „Da waren dann Dinge dabei, denen ich nicht zustimmen wollte. Ich habe gesagt: Freunde, so geht es nicht. Dann habe ich aufgelegt“, erinnert er sich.

Für den Senior war das Thema damit allerdings nicht erledigt. Tage später erhält er ein Schreiben eines Energieanbieters aus Berlin. „Wir haben Ihren kürzlich erteilten Auftrag entgegengenommen und freuen uns, Ihnen die Einrichtung Ihres Tarifs (...) zu bestätigen“, heißt es darin. Der Senior ist einigermaßen geschockt. Mit seinen Unterlagen geht er zu den Stadtwerken Winnenden, dort bekommt er Unterstützung. Denn: Die Frist zum Widerruf eines solchen Vertrages beträgt mindestens 14 Tage. „Die Frist beginnt mit Vertragsschluss, aber nicht bevor Sie die Ware erhalten haben und der Unternehmer Sie über das Widerrufsrecht informiert hat“, heißt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale.

Die Anrufer hatten gute Kenntnisse über die hiesigen Anbieter

Gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Winnender Stadtwerke setzt der Senior ein Schreiben auf. „Hiermit trete ich von dem genannten Vertrag mit sofortiger Wirkung gemäß des Fernabsatzgesetzes zurück. Bitte unterlassen Sie auch künftig jegliche Anrufe, da ich mich ansonsten gezwungen sehe, die Bundesnetzagentur sowie die Verbraucherschutzbehörde auf den Vorgang aufmerksam zu machen“, heißt es darin. Seither hat er von den Stromanbietern nichts mehr gehört.

Trotzdem besorgen den Mann die Geschehnisse. „Durch meinen früheren Job bin ich rechtlich auf der Höhe. Das klang allerdings alles so echt, dass ich es geglaubt habe. Hätten die sich gleich als Stromanbieter aus Berlin gemeldet, dann hätte ich sofort aufgelegt“, ärgert sich der Winnender. Der Anrufer habe sich „überfallartig“ verhalten, zudem gute Kenntnisse über hiesige Stromanbieter gezeigt. „Sie wirken glaubhaft, schaffen somit eine Gutgläubigkeit bei ihren Opfern“, meint der Senior.

Hinzu kommt, dass die Infos zum Widerruf auf dem Schreiben, das er Tage später erhalten hat, auf einer der hinteren Seiten im Kleingedruckten steht. „Vor allem ältere Menschen lesen das meist nicht. Im Schriftsatz ist die Kundennummer schon eingetragen, so dass man eigentlich nur noch unterschreiben muss“, erzählt der 81-Jährige. Froh ist er über die Hilfe der Stadtwerke und hofft, dass andere nicht auf die Abzocker hereinfallen. „Und wenn sie es doch tun, dann sollten sie unverzüglich vom Vertrag zurücktreten“, gibt er einen Tipp.

Die Stadtwerke raten dazu, niemals die Zählernummer preiszugeben

Die Stadtwerke Winnenden raten dringend dazu, niemals die Zählernummern am Telefon preiszugeben. Um sicherzugehen, dass es sich um keine Abzocker handelt, sollte lieber aufgelegt werden, um dann vor Ort bei den Anbietern direkt nachzufragen. Niemals sollte man außerdem seine Zustimmung zu einem neuen Tarif oder ähnlichen Fragen erteilen.

Die Verbraucherzentrale gibt weitere Tipps, rät bei unerwünschten Anrufen dazu, folgende Fragen zu stellen:

  • „Mit wem spreche ich? Wie ist Ihr Name?“
  • „Für welches Unternehmen rufen Sie an?“ - und am besten auch nach einer Rückrufnummer und der Geschäftsadresse fragen.
  • „Was ist der Grund Ihres Anrufes?“
  • Zudem sollte man den Anrufer darauf hinweisen, sämtliche Daten zu löschen und dass man künftig nicht mehr angerufen werden möchte.

Außerdem rät die Verbraucherzentrale dazu, die Telefonnummer und Antworten des Anrufers mitzuschreiben. Werden diese der Verbraucherzentrale mitgeteilt, prüft diese, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden. Auf der Internetseite der Bundesnetzagentur (https://www.bundesnetzagentur.de/) steht außerdem ein Formular zur Verfügung, mit Hilfe dessen unerlaubte Telefonwerbung gemeldet werden kann.

Momentan treiben Telefonbetrüger ihr Unwesen in Winnenden und dem gesamten Rems-Murr-Kreis. Darüber hat unsere Zeitung berichtet. Auf den Artikel hin hat sich ein 81 Jahre alter Winnender an unsere Redaktion gewandt. „Ich hatte die Betrüger auch am Telefon“, erinnert er sich an den Anruf vor ein paar Wochen. Bestimmt eine halbe Stunde habe er mit den Männern telefoniert.

„Sie haben sich als eine Tochtergesellschaft der Syna ausgegeben und wollten mit mir über meinen

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