Winnenden

Siebenmal in Läden gestohlen

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Winnenden. Siebenmal hat eine 53-jährige Winnenderin Geschäfte in der Marktstraße und am Adlerplatz aufgesucht. Jedes Mal hat sie etwas gestohlen. Meist geschmackvolle Dinge, Markenwaren, die ihren Preis haben. Damit ist nun Schluss. Diese Woche wurde sie vom Amtsgericht Waiblingen zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Im November 2015 in einem Modegeschäft am Adlerplatz: Die Frau entwendet eine blaue Handtasche der Marke Liebeskind. Wert: über 200 Euro. Zwei Tage später geht sie mit dieser gestohlenen Tasche in den Müller-Drogeriemarkt und steckt zwei Armani-Parfüms heimlich ein. Gesamtwert: knapp 200 Euro. Einen Gürtel und recht günstige Schuhe stiehlt sie im Dezember und Januar in einer Boutique und einem Filialgeschäft in der Marktstraße.

"Ich hoffe, dass sich keine sportliche Einstellung zum Stehlen entwickelt"

Wieder im Modegeschäft am Adlerplatz, diesmal im Januar: Die Winnenderin betritt mit zwei weiteren Frauen den Laden, die Kleinkinder in Kinderwagen vor sich her schieben. Zusammen lenken die beiden die Verkäuferin ab, während die Angeklagte ungestört eine teure Winterjacke im Kinderwagen verstaut. „Das ist ja auch der Wahnsinn. Die jungen Frauen und Sie in diesem Geschäft“, kommentiert Richterin Christel Dotzauer den raffiniert geplanten Versuch, die Verkäuferinnen auszutricksen. „Ich hoffe, dass sich bei Ihnen keine sportliche Einstellung zum Stehlen entwickelt.“

Im Rewe-Markt im Industriegebiet stopft sie ihre Handtasche mit Lebensmitteln voll, bezahlt nur einige wenige, um keinen Verdacht zu schöpfen. Das letzte Vergehen trägt sich im April dieses Jahres in einem Modegeschäft an der Wallstraße zu: Die Winnenderin zieht in einer Umkleide Kleidung aus dem Laden unter ihre eigene und verlässt anschließend das Geschäft.

"Ich weiß, dass das falsch war"

„Ich weiß, dass das falsch war, und es tut mir leid“, gesteht sie im Gerichtssaal mehrere Male. „Ich weiß nicht, warum ich das getan habe. Ich habe keine Ahnung“, sagt sie. „Vielleicht sollte ich auch mal zum Arzt gehen, um damit aufzuhören.“ Richterin Christel Dotzauer entgegnet ziemlich trocken: „Das schaffen Sie selbst, da bin ich sicher. Bei Leuten, die das aus krankhaften Neigungen machen, da geht’s anders zu.“ Solche Leute stehlen Dinge, ohne auf deren Nutzen, deren Wert und Schönheit zu achten.

Die Angeklagte hatte sehr wohl darauf geachtet, eine besonders schöne Tasche der Marke Liebeskind zu stehlen. Die 53-Jährige lebt seit 2001 in Deutschland und erhält seit kurzem Arbeitslosengeld. Früher arbeitete sie in einer Spielothek.

Die Richterin ordnet gemeinnützige Arbeit anstatt Geldauflage an

Für die sieben in Winnenden begangenen Taten plädiert der Staatsanwalt aufgrund der Vielzahl auf einen Freiheitsentzug von vier Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage über 750 Euro. Richterin Christel Dotzauer ist einverstanden, ordnet aber statt der Geldbuße 60 Stunden gemeinnützige Arbeit an. Den Einwand der Angeklagten, sie habe ab dem 15. November wieder Arbeit, winkt Christel Dotzauer ungerührt ab.

Das komme oft vor, dass den Angeklagten nach der Urteilsverkündung plötzlich einfällt, dass sie doch arbeiten müssen. „Ich meine, ich will mich selbstständig machen“, formuliert die Angeklagte dann ihre angeblichen Verpflichtungen neu. Wenn dem tatsächlich so sei, solle sie sich doch im Gericht melden, wenn es so weit ist, so Dotzauer.

"Es tut mir wirklich leid, und es kommt nie wieder vor"

Die gemeinnützige Arbeit könne dann in eine Geldauflage umgewandelt werden. Wenn sie mit ihrer Arbeit mehr als zehn Euro pro Stunde verdiene, könne es rentabel sein, die Geldauflage zu bezahlen.

Die Richterin kommt zum Schluss:„Sie haben das letzte Wort.“ „Es tut mir wirklich leid, und es kommt nie wieder vor“, sagt die Angeklagte. Eine Bewährungshelferin wird sie zwei Jahre lang begleiten und ihr helfen, nicht mehr zu stehlen.

Bronchitis im Verhandlungssaal

Im Gerichtssaal, noch vor dem Verhandlungsbeginn und bevor die Richterin den Saal betreten hatte, saßen sich Angeklagte und Staatsanwalt gegenüber.

Die Angeklagte musste heftig und rau husten, eine tiefe Bronchitis. Trotzdem war sie zur Verhandlung gekommen. „Ich habe eine schlimme Erkältung“, sagte sie, „entschuldigen Sie.“

„Das ist nicht schlimm“, sagte der Staatsanwalt, „das, was sie gemacht haben, das ist schlimm.“

Der Husten beruhigte sich. Die ganze Verhandlung verlief tatsächlich ohne weitere Hustenanfälle.