Winnenden

Situation an den Schulen: Keiner darf raus, keiner rein

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Mittwoch, 12 Uhr, vor dem Lessing-Gymnasium: Eltern warten auf ihre Kinder. © Schmitzer/ZVW
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Rettungswagen und Polizei stehen vor der Albertville-Realschule. © Ramona Adolf
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Die Zufahrt zum Schlosspark Winnenden, in dem sich das ZfP befindet, ist gesperrt. © Ramona Adolf
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Die Schulen rund um das ZfP sind vorbeugend evakuiert worden, die Schüler befinden sich zu Teil schon auf dem Heimweg.
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Martin Schmitzer, Redaktionsleiter der Winnender Zeitung, kommentiert den Einsatz der Polizei am Mittwochvormittag (10.10.) in Winnenden.

Winnenden. Großaufgebot der Polizei am Mittwochvormittag in Winnenden: Eine Patientin am Zentrum für Psychiatrie sagt, sie habe einen Mann mit Waffe gesehen. Stunden später stellte sich heraus: Ein Irrtum. Polizisten in Sicherheitsmontur, Sanitäter und ein Hubschrauberpilot waren ausgerückt. In und vor den umliegenden Schulen war die Lage während des Einsatzes angespannt, aber geordnet. Beide Bildungszentren hatten von der Polizei einen Alarm bekommen und via Zentralverriegelung ihre Türen geschlossen Kein Kind durfte raus. Keine Eltern rein.

Die Ereignisse des Vormittags können Sie in unserem Liveblog nocheinmal nachlesen.

So sammelten sich ab 11 Uhr besorgte Eltern vor Schulen. Aus dem Bildungszentrum II kam Konrektor Huy von der Ludwig-Uhland-Schule und informierte die Eltern. Die Kinder seien in Sicherheit. Aber niemand dürfe rein in die Schule und die Kinder dürften zu ihrer eigenen Sicherheit nicht raus. Alex Föll, Vater von drei Kindern im Lessing-Gymnasium hatte eine WhatsApp von seinem Sohn bekommen: „Komme nicht raus aus dem Klassenzimmer. Polizei ist da.“ Über Twitter hatte Föll vom Alarm erfahren. Weil er gerade in der Nähe war, ging er zu Schule und wartete auf seine 11-, 15- und 17-jährigen Kinder.

Andere Eltern haben gar keinen Handykontakt zu ihren Kindern und machen sich größere Sorgen, fragen nach, was überhaupt passiert ist und klagen ein wenig: „Wir wissen von nichts.“ So etwa zehn Eltern stehen vor dem Bildungszentrum II.

30 Eltern vor der Schule

Über 30 Eltern versammeln sich vor der Stöckach- und der Geschwister-Scholl-Realschule: „Uns hat der Lehrer gesagt, wir sollen nach Hause gehen und auf unsere Kinder warten. Aber das geht doch nicht. Wir können doch jetzt nicht ruhig zu Hause sitzen.“ Die Kinder sind noch klein und haben noch kein Handy, so dass kein Kontakt möglich ist, was eine Mutter jetzt in diesem Augenblick sehr bedauert.

„Meine Frau hat mich gleich hierher geschickt zur Schule, als sie von dem Alarm erfuhr“, sagt Ewald Wyckoff, der auf seine sechs- und achtjährigen Kinder wartet. „Ich wollte sie abholen. Aber es geht nicht.“ Er fügt sich in sein Schicksal und hofft, dass sich die Sache bald aufklärt und der Alarm beendet wird. „Auch zu mir hat man gesagt: Gehen Sie nach Hause. Wir informieren Sie über eine Telefonkette. Aber ich warte jetzt halt mal hier.“

Zwischen mehreren Müttern entfacht sich eine Diskussion über die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Fehlalarm sein könnte. „Komm, da ist doch nichts dran. Aber unsere Kinder sind jetzt in der Schule eingesperrt.“ „Aber was soll die Polizei sonst machen? Vielleicht ist doch wirklich einer unterwegs“ „auf jeden Fall sind unsere Kinder in der Schule sicherer als wir hier draußen.“

Sicherheitstechnik bewährt sich

Um 12.30 Uhr durften Kinder des Lessing-Gymnasiums und der Ludwig-Uhland-Schule in geordneten Gruppen und auf zugeteilten Wegen ihre Schulen verlassen. Um 12.55 Uhr berichtet Heike Hömseder, Rektorin der Ludwig-Uhland-Schule im Bildungszentrum II: „Bei uns ist das Haus geräumt. Die Schüler durften nach Hause gehen und wurden ein Stück weit von Lehrern begleitet.“

So angespannt die Lage in den geschlossenen Schulen auch war, ist Heike Hömseder doch sehr zufrieden mit dem Ablauf: „Es war alles sehr geordnet und ruhig unter den Schülern und unter den Lehrern. Ständig hat uns die Polizeidirektion Aalen informiert. Zwei Beamte waren direkt bei uns in der Schule.“ Und die nach dem Amoklauf in den Schulen eingebaute Sicherheitstechnik habe sich bewährt. „Alle Schultüren waren zentral gesteuert und geschlossen. Das war im Bildungszentrum so, und auch in der Containerschule.“ Für alle Beteiligten waren die geschlossenen Türen eine Beruhigung. „Selbst ich musste mich ausweisen, um ins Gebäude zu gelangen“, berichtet Hömseder, „es war alles gut gesichert.“

Ab 13 Uhr entspannt sich die Lage

Für alle Schulen in den Bildungszentren war der Tag extrem aufregend. Schulleiter geben der Presse teilweise noch kurze Auskünfte, müssen sich dann aber um Schüler, Polizei und Durchsagen kümmern. Um 13.01 Uhr wird der Polizeieinsatz eingestellt. Die meisten Schüler sind zu Hause. Die Lage entspannt sich auch in Lehrerzimmern und Schulleitungen.

Übrigens: Der Winnender Einsatz führte zu einem Missverständnis zwischen Eltern, durch den auch in Aldingen die Polizei zu einer Schule gerufen wurde.


Es war ein Fehlalarm, der den großen Polizeieinsatz vom Mittwochvormittag ausgelöst hat. Aber wer wusste das sicher um 10.20 Uhr? Wer war sich sicher, als die ersten Martinshörner zu hören waren und die Polizei in einem alarmierenden Tempo durch die Stadt raste?

Die Polizei hat diesen Alarm aus dem Zentrum für Psychiatrie absolut ernst genommen. Das ist angemessen. So einen Großeinsatz verlangt das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung. Es ist für die Bürger ungemein beruhigend zu erleben, wie schnell sehr viele bewaffnete Polizisten zu einem klug koordinierten Einsatz herbeifahren, wie zügig die Schulen informiert und gesichert werden und wie schnell und klar die Polizei über die Medien die Öffentlichkeit unterrichtet.

Und es ist auch beruhigend, dass der Einsatz umgehend beendet wird, wenn die Gefahr sicher ausgeschlossen ist.