Winnenden

Soulsängerin Lara Vogel in der alten Kelter

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Eintracht und Lara
Bei den Gospels legte sich die Stimme von Lara Vogel elegant über das Timbre des Männerensembles. © Jamuna Siehler
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Bei den Gospels legte sich die Stimme von Lara Vogel elegant über das Timbre des Männerensembles. © Jamuna Siehler

Winnenden. „Soul meets Silcher“ könnte das reizvolle Motto für das Konzert in der alten Kelter lauten. Zwar handelt es sich nicht um den ersten gemeinsamen Auftritt der Sängerin Lara Vogel mit dem Männergesangverein Eintracht Hanweiler. Aber die ungewöhnliche Kombination weckt große Erwartungen.

Kein Wunder also, dass der Saal ordentlich gefüllt war, unter den Besuchern auch Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Davon zeugte nicht zuletzt der frenetische, von Begeisterungsrufen durchzogene Beifall, mit dem die Künstler belohnt wurden.

Den ersten Teil bestritt der Männergesangverein eher konventionell mit einem in drei Blöcke unterteilten Vortrag. „Vom Schwaben“ lautete die Überschrift des ersten. Fröhlich-beschwingt luden die Sänger mit Dirigent Martin Wittlinger und Pianist Gregor Wohak ein zu „Wir wandern heut’ ins Schwabenland“ von Wilhelm Müller und Kurt Brenner, um darauf gleich die Frage zu stellen: „Was isch der Schwab?“ und schließlich bei Friedrich Silchers „Am Neckar“ zu landen.

Geradezu zwangsläufig ging es im zweiten Block um den Wein: „Ich weiß ein Fass in einem tiefen Keller“ von Eduard May. Darauf folgten Robert Prachts Vertonung des St.-Carolus-Gedichts „Weinland“ und Kurt Lissmanns „Aus der Traube in die Tonne“. Und wie beim Wein so üblich - und jedem Zecher wohl vertraut - schlich sich in die Fröhlichkeit so nach und nach ein Hauch von Melancholie ein, der von dem wohl akzentuierten Liedvortrag ausging und aufs Publikum übersprang.

Wechselbad der Gefühle: Von Liebe und Untreue

Ein Wechselbad der Gefühle gab es im dritten Teil „Von Liebe und Untreue“. Wie im wirklichen Leben führte die Auswahl der Stücke von Friedrich Silchers „Wohin mit der Freud“ über das ebenfalls von Silcher vertonte Eichendorff-Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“: „Hör’ ich das Mühlrad gehen, ich weiß nicht, was ich will. Ich möcht’ am liebsten sterben, da wär’s auf einmal still!“ - Das, was, aus dem Herzen gesprochen, das Klagen einer verletzten Seele, Sänger und Publikum vereint durch eine Erfahrung, einen Schmerz, der wohl keinem in seiner Jugend erspart geblieben ist! Zum Glück führte Walther Schneiders „Ei du Mädchen vom Lande“ aus dieser Depression wieder heraus und leitete hoffnungs-fröhlich zur Pause über: Am Ende siegt eben doch die Liebe!

Den zweiten Teil eröffnete Lara Vogel. Begleitet von Gregor Wohak am Klavier und im Dialog mit Barbara Widmaier kredenzte sie die Eva-Cassidy-Version des Spirituals „Wade in the water“, Allen Stones „The bed I made“, Bill Withers Ohrwurm „Lean on me“, Marc Cohns „Walking in Memphis“ und Kurt Nilsens „Never Easy“; ein stimmungsmäßig hervorragend aufeinander abgestimmter Streifzug durch das 20. Jahrhundert, der Vogel Gelegenheit gab, ihre klare Stimme eindrucksvoll zur Geltung zu bringen, sie in den Saal hinauszuschicken und ihr Publikum zu begeistern. „I took a plane over the stars“ beginnt die erste Strophe von „The bed I made“. Lara Vogel nahm auf ihre Art das Winnender Publikum mit zu den Sternen.

Mit dem Programmpunkt „Lara trifft MGV“ erreichte der Abend seinen Höhepunkt. Nicht nur die Sänger und der Pianist, vor allem Dirigent Martin Wittlinger lief hier zur Höchstleistung auf. Mit sicherer Hand führte er den schwarz gewandeten Männerblock durch die vier vorgetragenen Gospels, damit sich die Stimme Vogels elegant darüberlegen konnte und beides zu einem filigranen harmonischen Ganzen verschmolz. Schon zu Beginn ließ das einfühlsam arrangierte „Nobody knows the trouble I’ve seen“ erahnen, dass hier ein außergewöhnlicher Kunstgenuss folgen würde. Das Publikum klatschte beim letzten Stück „Oh happy day“ rhythmisch mit.

Hannes Wader als Zugabe

Ein rundum gelungener Abend und ganz nebenbei auch der eindrucksvolle Beweis, dass Männerchöre allen Unkenrufen zum Trotz keinesfalls aus der Zeit gefallen sein müssen. Nachdem die Klänge von Hannes Waders „Gut wieder hier zu sein“ als Zugabe verklungen waren, blieb höchstens noch der Wunsch, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein möge.