Winnenden

Spielgruppe in Winnenden bietet ukrainischen Kindern unbeschwerte Stunden

Spielgruppe für ukrainische Kinder
Katharina Specht (links) und Vasilia Iskhakova (rechts hinter den drei Mädchen) betreuen seit August ukrainische Kinder auf dem Schlosspark-Spielplatz und im Club Paula der Paulinenpflege. © ALEXANDRA PALMIZI

Das ist eine nette kleine Geschichte, in der bemerkenswert viel Positives vorkommt: kaum Bürokratie, etwas mit anderen teilen, Dankbarkeit, menschliche Wärme und Völkerverständigung.

Eigentlich geht es nur um eine Spielgruppe für maximal zehn Kinder. Doch sie kommen aus der Ukraine, in der seit Ende Februar Krieg herrscht. Ihre geflohenen Eltern, oft konnten sich nur Mutter und Großeltern in Sicherheit bringen, sprechen meist kein Deutsch, viele nicht einmal Englisch. Daher hat die Paulinenpflege Betreuerinnen gesucht, die Ukrainisch oder Russisch sprechen. Katharina Specht hat sich beworben, sie lebt seit 30 Jahren in Deutschland, hat selbst drei Kinder und hat unter anderem als Fahrlehrerin gearbeitet. „Alle Kinder verstehen Russisch, einige sprechen es auch, bis auf die drei Geschwister“, sagt die Backnangerin lachend. „Sobald eins aus Versehen auf Russisch antwortet, kriegt es von seinen Geschwistern einen Rüffel.“

Lehrerin stammt aus St. Petersburg

Schon kurios - um in Deutschland weiterzukommen, muss man den Umweg über die Sprache des Aggressors gehen. Doch wie weit entfernt Putins Handeln und die wichtige und einende Sprache voneinander sind, zeigt sich auch in der Person von Vasilia Iskhakova, einer Russin, die gerade selbst Deutsch lernt. Sie ist erst im Dezember 2021 nach Deutschland gekommen, weil sie einen Deutschen geheiratet hat. Davor war sie 27 Jahre Englischlehrerin in St. Petersburg. Durch ihren Beruf ist Vasilia Iskhakova die Fachkraft, die es für solch eine Spielgruppe braucht. Mehr schreibt die Bürokratie nicht vor, solange auch der Zeitrahmen der Betreuung gering bleibt. Aber hätten nicht die Senioren der Paulinenpflege, die sich täglich ab dem späten Vormittag im Club Paula im Erdgeschoss des Friedrich-Jakob-Heim-Wohnzentrums an der Ecke Paulinen- und Ringstraße treffen und beschäftigen, zugestimmt, dass sie ihre Räume teilen, das Projekt hätte nicht so schnell und ideal starten können.

Paulinenpflege-Senioren treten Raum ab

Auf einen Raum verzichten die Senioren ganz, dort hat die Spielgruppe Kindermöbel, einen Spielteppich und altersgerechtes Spielzeug, und im Vorraum können sie an einem großen Tisch malen, basteln oder auch vespern. „Lego ist der absolute Hit“, sagt Katharina Specht, die großen Duplo-Steine nimmt der Jüngste, Natanel, am liebsten, Danil kommt dieses Jahr wahrscheinlich noch in die Schule und baut aus vielen kleinen Legosteinen komplizierte Hausgebilde, die er raumschiffartig durch den kleinen Kosmos der Spielgruppe steuert.

„Für die Ausstattung geben wir Ihnen Geld aus den vielen Ukraine-Spenden, die die Stadt bekommen hat“, sagt Bürgermeister Jürgen Haas zu Uwe Jansch von der Paulinenpflege, in dessen Zuständigkeit das neue Angebot fällt. Außerdem übernimmt die Stadt 3100 Euro monatlich für den gesamten Betrieb und das Personal. „Wir wollen mit der Vorstufe für den Kindergarten die Familien entlasten, und dass die Kinder auch mal rauskommen aus den teils engen Verhältnissen“, sagt der für Kinderbetreuung zuständige Amtsleiter Thomas Pfeifer. Wenig Platz in der Unterkunft, großer Bewegungsdrang, das erklärt auch, warum der Spielplatzbesuch für die ukrainischen Kinder Pflicht ist, ja, sie ihn regelrecht einfordern oder herbeisehnen. „Da können sie sich austoben, wach werden“, sagt Katharina Specht. So pilgert das Grüppchen montags, mittwochs und freitags nach dem morgendlichen Abschied von Mama oder Oma in den Schlosspark, zu Schaukeln, Rutsche, Wippe und Klettergerüst.

Rituale, Sprache und Gepflogenheiten

Die städtischen Kindergärten sind recht voll, dennoch werden auch diese Kinder beizeiten dort oder in der Schule integriert werden und Sprache und Gepflogenheiten lernen. Derweil haben sie in der Spielgruppe gelernt, dass man sich morgens begrüßt, zum Abschied auch, und (die Eltern) wie ein gutes Vesperbrot für die Kinder aussieht. Auch die Farben lernen sie und viele deutsche Wörter und Sätze.

Erstaunlich ist, wie lieb und ruhig die Kinder miteinander umgehen. „Ich habe es mir extremer vorgestellt, von den traumatischen Erlebnissen her“, sagt Katharina Specht. Sie weiß von einem Sechsjährigen, dessen Papa und Bruder in der Ukraine bleiben mussten, dass er sie sehr vermisst. Und sie weiß von zweien, dass sie Jahre in einem Kinderheim verbracht haben, bevor sie adoptiert wurden. Ein drittes Kind hat gehörlose Großeltern und Eltern und braucht für seine Sprachentwicklung besonders viel Förderung. Vasilia Iskhakova und Katharina Specht geben ihr Bestes - unbeschwertes miteinander Lachen, liebevolle Zuwendung, auch mal eine Umarmung oder ein Rückenstreicheln.

Das ist eine nette kleine Geschichte, in der bemerkenswert viel Positives vorkommt: kaum Bürokratie, etwas mit anderen teilen, Dankbarkeit, menschliche Wärme und Völkerverständigung.

Eigentlich geht es nur um eine Spielgruppe für maximal zehn Kinder. Doch sie kommen aus der Ukraine, in der seit Ende Februar Krieg herrscht. Ihre geflohenen Eltern, oft konnten sich nur Mutter und Großeltern in Sicherheit bringen, sprechen meist kein Deutsch, viele nicht einmal Englisch. Daher hat die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper