Winnenden

Stadt ist bei Sanierung auf Zuschüsse angewiesen

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Das Lessing-Gymnasium heute: Sachlich, flächig, sichtbar schlecht gedämmt und sanierungsbedürftig. © Habermann / ZVW

Winnenden. Der härteste Brocken dieser Jahre wird für die Stadt das Gebäude des Lessing-Gymnasiums. Mindestens 18,2 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Daran führt keine Diskussion mehr vorbei. Trotzdem hat der Gemeinderat vor zwei Wochen diese Sanierung einstimmig beschlossen – in der Hoffnung, dass doch ein Zuschuss des Landes kommt.

An der Sanierung kommt die Stadt nicht mehr vorbei. Jahrzehntelang war der Bau zusammen mit der Albertville-Realschule das Bildungszentrum II, wurde das Gebäude von Robert-Boehringer-Schule und Lessing-Gymnasium genutzt. Die Boehringer-Schule heißt jetzt Ludwig-Uhland-Gemeinschaftsschule und hat ihren Sitz in Schwaikheim, in Winnenden hat sie nur noch einige Klassenzimmer, und die sollen im Sommer 2019 auch geräumt werden.

Das Gebäude passt nicht mehr auf ein Gymnasium der 2020er Jahre

Dann hätte das Lessing-Gymnasium eigentlich Platz genug in dem Betonbau. Aber der passt dann nicht mehr auf ein vierzügiges Gymnasium der 2020er Jahre. Der Bau ist abgenutzt, technisch und energetisch veraltet. Jetzt ist der Zeitpunkt, zu dem die ganze Schule auf einen Schlag sinnvoll umgestaltet werden kann. Nur die Kostenentwicklungen und die fehlenden Fördergelder sind äußerst ungünstig. Daraus versucht jetzt die Stadt, das Beste zu machen.

Das Förderprogramm ist sinnvoll, aber nicht ausreichend

Schulleiter Jörg Steinl ist sich bewusst, dass seine Schule der Stadt eine hohe Investition aufbürdet, und er möchte auf keinen Fall, dass durch die Ausgaben von 18,2 Millionen Euro alle anderen Projekte von Winnenden erdrückt werden. „Jetzt vertraue ich auf die Aussagen der Fachleute der Stadtverwaltung, dass sie diese Baukosten im Gesamtplan der Stadt unterbringen können und hoffe darauf, dass Fördergelder vom Land fließen“, sagt Steinl im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mehr als drei Jahre Bauzeit darf die Stadt nicht brauchen

Auf Fördergelder von 3 Millionen Euro hatte die Stadt einmal gehofft, doch im letzten Jahr, als die Zuschüsse für Schulsanierungen aus einem Programm von Bund und Land vergeben wurden, ging Winnenden leer aus. Und mit Winnenden sitzen etliche andere Städte, die auch sanierungsbedürftige Schulen aus den 70er Jahren haben, genauso auf dem Trockenen.

Das Förderprogramm war im Kern vernünftig. Politiker in Bund und Land hatten erkannt, dass die Städte Sanierungsbedarf haben und dass die 40 Jahre alten Schulen Wärmedämmungen brauchen und eine aktuelle Informationstechnik, und hatten Zuschüsse öffentlich verkündet. Doch das Programm war viel zu dünn geraten. Sie schafften es gerade mal, eine Reihe von kleineren Sanierungen zu fördern, dafür ließen sie die größeren Projekte einfach hängen.

Viele Container-Klassenzimmer zum Ausweichen

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und Finanzdezernent Jürgen Haas wissen mittlerweile, dass der Winnender Zuschussantrag noch gilt, wenn im nächsten Jahr wieder Gelder vergeben werden sollten. Sie wissen aber auch, dass die Förderrichtlinien weiter gelten. Und die bringen die Stadt unter Zeitdruck. Denn in letzter Konsequenz heißt das: Bis 2022 muss die Schule saniert sein, sonst gibt’s ganz gewiss kein Geld aus dem Fördertopf. Wenn’s die Stadt so schnell schafft, dann gibt’s vielleicht Geld, vielleicht die erhofften drei Millionen Euro.

Das bedeutet: Drei Jahre Bauzeit. Damit sind höchstens zwei Bauabschnitte möglich, und damit braucht das Lessing-Gymnasium viele Container-Klassenzimmer zum Ausweichen. Die sind teuer und für die Schule ungeschickt. Aber da muss sie durch.

Einzige andere Möglichkeit wäre: Das Land könnte seine Förderrichtlinien an das Machbare anpassen.


Kostenentwicklung

Dass die Sanierung des Lessing-Gymnasiums teuer würde, war klar, seitdem über den Neubau der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule diskutiert wurde. Damals wurde schon von neun oder zehn Millionen Euro gesprochen und gesagt, dass die Stadt die Sanierung stemmen müsse und deshalb keine neue Boehringer-Schule bauen könne.

Als Architekten und Ingenieure die Schule genauer angeschaut hatten, erhöhten sich die Sanierungskosten auf über 15 Millionen Euro im Frühjahr 2018.

Nun liegen die Planer bei 18,2 Millionen Euro. Teuer sind alle Neuerungen im Gebäude: die Wärmedämmung, die neuen Fenster, die Lüftung, der Sonnenschutz, der Brandschutz, die Beseitigung von eingeschlossenen und bislang unschädlichen Schadstoffen.

Bei der genaueren Berechnung in diesem Jahre sind an viele Stellen Kostensteigerungen hinzugekommen. Zum Beispiel muss ein Physiksaal gründlich umgebaut werden. Teuer sind auch die vielen Ausweichklassenzimmer in Containern.

Hätte man nicht besser gleich eine neue Schule gebaut? Nein, sagt Architekt Vogel, der die Sanierung federführend plant. Die wäre noch deutlich teurer gekommen.