Winnenden

Stadt regt Plastikverbot für den Markt an - und was ist mit der Maskenpflicht?

Wochenmarkt Winnenden Februar 2011
Sogenannte Hemdchentüten sind auf dem Markt bei Regen und für feuchte Lebensmittel wichtig, finden die Marktbeschicker. © Schneider

Kommt ein Plastikverbot auf dem Wochenmarkt? Die Stadtverwaltung möchte die Satzung für Wochen- und Krämermärkte sowie die Marktgebührenordnung nach vielen Jahren anpassen. Darüber wird der Gemeinderat in seiner Sitzung im November entscheiden. Zuvor hat nun ein gemeinsames Gespräch mit den Marktbeschickern, der Verwaltungsspitze und dem städtischen Ordnungsamt stattgefunden, über das die Pressesprecherin der Stadt, Emely Rehberger, berichtet.

Die Stadtverwaltung hat ein allgemeines Plastikverbot auf dem Wochenmarkt angeregt. Die neue Marktordnung sollte einen Absatz beinhalten, der vorschreibt, dass Geschirr, Besteck, Serviermaterial und Verpackungen von Lebensmitteln künftig nur als Mehrwertprodukte abgegeben werden können oder zu 100 Prozent biologisch abbaubar sein müssen. Auch das Abgeben von Plastiktüten an Kunden wäre damit verboten.

Die Marktbeschicker indes brachten gute Gründe vor, warum sie ein allgemeines Plastikverbot auf dem Wochenmarkt für nicht durchsetzbar halten: Papiertüten seien um einiges teurer als die sogenannten „Hemdchentüten“, was sich direkt auf das zu verkaufende Produkt auswirken würde. Zudem sind Papierverpackungen besonders bei Regen und feuchten Lebensmitteln wie Salat, Kresse oder Oliven unpraktisch, da die Tüten durchweichen. Die Marktbeschicker regten überdies an, dass der Verkaufsvorgang effektiv sein müsse, um einen Wochenmarkttag erfolgreich gestalten zu können. Es komme regelmäßig zu erheblichen Zeitverzögerungen und Warteschlangen, wenn Kunden ihre eigenen Tragetaschen und Transportboxen erst aus den Taschen kramen müssen. Wird die Ware dagegen von den Marktbeschickern zügig in Tüten gepackt, gewogen und über den Tresen gereicht, können in kürzerer Zeit mehr Kunden bedient werden. Die Anregungen der Marktbeschicker wurden aufgenommen, entscheiden wird der Gemeinderat, in welchem Umfang ein Plastikverbot möglich und umsetzbar ist.

Masken-Empfehlung gilt, so lange die Infektionszahlen nicht stark ansteigen

Gemäß Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg hat die Stadt Winnenden ein zweistufiges Hygienekonzept zur sicheren Durchführung des Winnender Wochenmarkts entwickelt. Derzeit gilt Stufe 1, die Marktbeschickern und Kunden empfiehlt, eine Mund-Nasen-Maske auf dem gesamten Wochenmarktgelände zu tragen. Dazu kommt die Empfehlung, die an den Marktständen ausliegenden Waren nicht zu berühren und beim Bezahlvorgang den Austausch des Geldes über einen extra Teller oder ein sonstiges geeignetes Gefäß vorzunehmen.

Für den Fall, dass die Coronazahlen im Rems-Murr-Kreis stark ansteigen, tritt die Stufe zwei des Hygienekonzepts in Kraft. Die in Stufe 1 genannten Empfehlungen werden dann überwiegend zur Pflicht. Obwohl die Zahlen inzwischen gestiegen sind, ist eine Pflicht für den heutigen Donnerstag (15.10.) und für den Samstag dieser Woche (17.10.) aber noch nicht zu erwarten, wie unsere Zeitung auf Nachfrage erfuhr.

Stadt erhöht erstmals seit 13 Jahren die Standgebühren

Die gültigen Marktgebühren decken die seit 2007 immer weiter gestiegenen Aufwendungen für die Wochen- und Krämermärkte nicht mehr. Die Stadtverwaltung wird dem Gemeinderat deswegen eine Erhöhung der Marktgebühren vorgeschlagen, nach 13 Jahren die erste.

Die Marktordnung der Stadt Winnenden wurde zuletzt im Jahr 1991 geändert. Seit geraumer Zeit ist die Stadtverwaltung nun dazu verpflichtet, diese an geltendes EU-Recht anzupassen. Ab 1. Januar 2021 wird deshalb eine neue Marktordnung in Kraft treten. Der Entwurf beinhaltet redaktionelle und kleinere inhaltliche Änderungen sowie einen zusätzlichen Absatz über Müll- und Plastikvermeidung. In den letzten knapp 30 Jahren haben sich einige Gesetzesgrundlagen und Begrifflichkeiten geändert. Hinzu kommen aber auch neue Regelungen, zum Beispiel bei der Zuweisung von Standplätzen. Diese erfolgt durch die Erteilung einer behördlichen Erlaubnis und ist zeitlich auf fünf Jahre begrenzt.

Das städtische Ordnungsamt entscheidet zukünftig anhand der Attraktivität des Angebots, des bereits vorhandenen Warenangebots auf dem Markt und des Grundsatzes „Erzeuger vor Händler“ über die Vergabe eines Marktstands auf dem Winnender Wochenmarkt. Langjährig bekannte und bewährte Marktbeschicker haben bei ansonsten gleicher Attraktivität des Angebots aber Vorrang vor neuen Bewerbern.