Winnenden

Stadt will Plakatständer verbieten

Kundenstopper Plakat Plakatständer Winnenden Händler Innenstadt_0
An den Plakataufstellern, an der unteren Marktstraße sind sogar drei mit aufgesetztem Schild zu sehen, scheiden sich die Geister. © Habermann/ZVW

Winnenden. Für Entrüstung bei vielen Einzelhändlern hat die Stadt mit einem Entwurf für ein neues Werbekonzept in der Innenstadt gesorgt. Der Plan ist, den Geschäften die Aufsteller oder auch Kundenstopper genannten Plakatständer zu verbieten und nur Gastrobetrieben eine ästhetisch gestaltete, nicht zu große Menütafel zu gestatten.

Beim Treffen mit Mitgliedern des Vereins Attraktives Winnenden (VAW) am Montagabend sowie in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend betonte Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht, dass erst im Frühjahr 2019 endgültig die Satzung und der Leitfaden beschlossen werden sollen, die Art und Größe der Werbeanlagen, Tische und Stühle, Warenkörbe und Kleiderständer regeln sollen.

Bis dahin möchte das Stadtentwicklungsamt weiter Meinungen von Händlern und Bürgern zu den Schildern sammeln. Dies begann bereits am Montag, wo VAW-Geschäftsführer Timm Hettich die kritischen Stimmen und Punkte notierte. Dieses Vorgehen segnete der Gemeinderat nun mit großer Mehrheit bei drei Nein-Stimmen ab.

Bürger haben sich in Workshops klar gegen Ständerflut geäußert

Vor allem Stadträtin Petra Schäftlmeier (CDU) legte sich für die Klappständer ins Zeug. Schäftlmeier betonte, schon im Technischen Ausschuss habe Schlecht den Auftrag erhalten, dass pro Geschäft ein schöner, nicht zu großer Aufsteller erlaubt sein solle. Er erwiderte jedoch, dass dies dazu führen könne, dass sogar mehr Plakatständer in der Innenstadt auftauchen als bisher. Schlecht verwies zudem auf Stadtspaziergang und Bürgerwerkstatt im April, wo der Wunsch, die Innenstadt zu entrümpeln und die Ständerflut einzudämmen, ebenso deutlich geäußert wurde.

„Für viele Behinderte sind sie regelrechte Stolperfallen.“ Auch diese Meinungen wolle er fair behandeln und nicht unter den Tisch fallenlassen. Zwar äußerten etliche Räte Verständnis für Schäftlmeiers Anliegen, unterstützten ihren Antrag, die Kundenstopperfrage ganz aus dem Entwurf auszuklammern, aber nicht. „Ich bin gespannt auf die Meinungen dazu. Das war uns doch klar, dass das für ähnliche Diskussionen sorgt wie das Radfahren in der Fußgängerzone“, sagte Stadtrat Andreas Herfurth (SPD).


Diese Regeln sollen Wohlfühlatmosphäre herstellen

Der öffentliche Raum soll nicht dem Wildwuchs überlassen bleiben, damit sich Kunden beim Bummeln wohlfühlen. „Das kann das Internet den Menschen nicht bieten“, verwies Antje Schnacke-Fürst vom Büro Acocella auf die Konkurrenz Online-Handel. Hier einige Punkte aus dem Regelwerk, das nun als Entwurf vorliegt:
 

  • Schaufenster dürfen maximal zur Hälfte beklebt werden.
  • Neonlichter, blinkende und durchlaufende Schriften, neongrelle Farben sind nicht erlaubt. In die Farbgestaltung von Markenlogos wird aber nicht eingegriffen.
  • Das Aufstellen von Pylonen, Fahnen und sich drehenden Schildern ist verboten.
  • Die Größe eines Werbe- oder Ladenschilds soll ein bestimmtes Verhältnis zur Fassadengröße wahren. Positivbeispiele: „Hardy“ und Drogeriemarkt „Müller“.
  • Gastronomiemöbel: Billige Plastikstühle, lange Biergarnituren, Kunstrasen, Windschutz, Gasbrenner sind verboten.
  • Private Radständer sind verboten, es sei denn, sie enstprechen den neuen Abstellbügeln, die die Stadt hat aufstellen lassen.
  • Blumentröge sollen einheitlich dezent aussehen und bepflanzt werden und haltbar sein. „Sie sehen, auch die Stadt muss ihre Themen abarbeiten“, so Stadtplaner Markus Schlecht zu den Händlern.
  • Manche Händler wünschen mehr und größere öffentliche Mülleimer.

Warum Gastronomen eine Tafel zugestanden wird, leuchtet nicht ein

Stadträtin Ingrid Hecht-Hatzis (FWV) wehrte sich gegen das geplante Kundenstopperverbot und den Hinweis, stattdessen wieder stärker das schön gestaltete Schaufenster als Kundenmagnet zu nutzen: „Die Plakate mit den Sonderangeboten will ich da nicht reinhängen. Aktionen meiner Apotheke werden auf dem Ständer viel besser wahrgenommen.“ Das Konzept insgesamt unterstütze sie aber.

Dies war auch der Tenor beim Austausch der Einzelhändler. Es müsse etwas für ein gepflegtes, ruhiges Innenstadtbild getan werden. Doch das Detail mit den Plakatständern, das geht gar nicht. „Es wäre gut, wenn man entscheiden dürfte, ob man einen Stopper aufstellt oder einen Warenkorb“, sagte Isolde Wöhrle-Nachtrieb. Bei ihr würden Parfüms aus dem Korb gestohlen, leere Packungen darin wirken aber nicht. „Einen Optiker kann ich auch verstehen, der seine Brillen nicht rausstellt. Die werden verkratzt.“

Ausnahmen sind zwar vorgesehen, zum Beispiel bei einem Geschäftsjubiläum oder um im Vorfeld auf Besonderheiten beim verkaufsoffenen Sonntag hinzuweisen. Viele stören sich an der Idee, dass das Konzept Gastrobetrieben eine Tafel erlaubt. „Ist das rechtlich zulässig?“, fragte Petra Schäftlmeier. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth sagte: „Wichtig ist für die Vorgabe ein vernünftiger Rahmen, und das wäre einer. Man kann einen anderen finden als die Erlaubnis für Gastronomie. Aber Willkür dürfen wir nicht einführen.“


Genehmigte Schilder haben Bestandsschutz

Das Stadtentwicklungsamt erarbeitet seit knapp einem Jahr mit dem Stadtplanungsinstitut Dr. Acocella ein Konzept für die Gestaltung der Werbeanlagen.

Bürger und Betroffene wurden und werden dazu gehört. Im Frühjahr 2019 soll das Konzept final beschlossen werden.

Danach wendet das Amt für öffentliche Ordnung die Regeln auf die Genehmigung von Sondernutzungen des öffentlichen Raums an, also wenn jemand Kleiderständer und Möbel für die Außenbewirtung, Schilder und private Mülleimer aufstellen möchte.

Das Stadtentwicklungsamt wird dann alle Geschäfte überprüfen. Ist ihr Werbeschild am Gebäude laut Bauakten genehmigt worden, hat es Bestandsschutz, auch wenn es den neuen Regeln nicht entspricht. Ist die Werbeanlage noch nicht genehmigt oder wird sie wegen eines Inhaberwechsels erneuert, muss ein Bauantrag gestellt werden. „Für die Anbringung einer regelkonformen Werbeanlage räumen wir eine Übergangsfrist von ein bis zwei Jahren ein“, so Amtsleiter Schlecht.

Die Schutzzone I mit den strengen Gestaltungsregeln gilt vom Kronenplatz ab Höhe Elektro-Heymann bis zum Ende des Viehmarktplatzes, die Paulinenstraße hinab bis zur Ringstraße und entlang der Wallstraße bis zum Holzmarkt.

Die Schutzzone II mit lockereren Regeln erstreckt sich vom Bahnhof bis zur Backnanger Straße, von der Wiesenstraße bis zur Bach- und Palmerstraße.