Winnenden

Stadtwerke Winnenden: Woher kommt das Gas? Wie zuverlässig ist die Lieferung?

Jahresendbeilage: Winnenden Stadtwerke
Stefan Schwarz, Geschäftsführer der Stadtwerke Winnenden. © Alexandra Palmizi

Wladimir Putin will seine Gaslieferung in Rubel statt in Dollar bezahlt haben. Schon damals fragten sich die Gasverbraucher, was wohl sein wird, wenn die Bezieher russischen Gases der Forderung nicht nachkommen. Denn damit würden sie ja mindestens ihre eigenen Sanktionen gegen Russland unterlaufen. Der Winnender Gaskunde, der es in diesen Tagen gern wieder wohlig warm in seinem Wohnzimmer oder seinem Betrieb hätte, fragt sich spätestens seit Mittwoch (30.3.) aber auch: Was ist, wenn der russische Präsident seine Drohung wahr macht und den Gashahn abdreht?

Preisvorteil: Das Winnender Gas ist schon 2019 und 2020 eingekauft worden

Vor wenigen Tagen hat unsere Redaktion mit Stadtwerkegeschäftsführer Stefan Schwarz gesprochen. Das Bezahlen mit Rubel war da eher ein Witz am Rande, denn die (kleinen) Stadtwerke Winnenden haben sich einer Art Einkaufsgemeinschaft angeschlossen, der Südweststrom GmbH, die einen Börsenzugang hat und für ganz viele kleine Stadtwerke einkauft. Und zwar nicht Tag für Tag, auch nicht von Woche zu Woche: „Wir bestellen mindestens alle zwei Monate eine Tranche für das kommende Lieferjahr plus kleine Teiltranchen fürs Folgejahr, um das Risiko zu streuen“, erläutert Schwarz. Daher haben die Winnender Gaskunden trotz „Riesenpreissprung“ von 5,6 auf 8,4 Cent pro Kilowattstunden derzeit einen absoluten „Vorzugspreis, den wir fürs ganze Jahr garantieren“. Weil die Energie schon 2019 und hauptsächlich 2020 eingekauft worden ist. Die vorausschauende Einkaufspolitik war ein kleines Ruhekissen, nur Neukunden konnten die Stadtwerke keine mehr aufnehmen: Die Kontingente sind längst bezahlt, die neu zugekauften wären nun überhaupt nicht wettbewerbsfähig mit den Preisen der Grundversorger. Allerdings, sagt Stefan Schwarz, kann er „nicht prognostizieren“, welche Preise er 2023 aufrufen muss.

Wie zuverlässig sind die Lieferanten? Etwa die Hälfte des Gases ist aus Russland ...

Doch was ist mit der Zuverlässigkeit? Bekommen die Stadtwerke auch das bestellte Gas? „Ich muss mich auf die Lieferanten verlassen, die in Katar und Algerien, Großbritannien und Niederlande, aber natürlich auch in Russland sitzen.“ Winnenden bezieht einen sich je nach Tranche ändernden Länder-Gas-Mix, die für den Moment zu ermitteln ist Stefan Schwarz zu viel Aufwand. „Der Knackpunkt ist doch: Die Drohung ‘Rubel, oder Gashahn zu’ trifft hauptsächlich Deutschland und Österreich, die Hälfte unseres Gases ist russisch.“ Als Stefan Schwarz vergangene Woche davon hörte, „dass Putin zurücksanktioniert, wurde mir etwas schwül“, gibt er zu.

Druckabfall blockiert die Systeme, sie müssen entstört werden

Denn der Vorteil von Gas – es fließt über Tausende Kilometer durch Pipelines, ob von Russland oder vom Flüssiggasterminal in den Niederlanden, man muss es unterwegs nicht speichern – ist jetzt auch ein Nachteil. Vor Ort wird es kaum gespeichert. „Es gibt ein Riesenheckmeck, wenn das Gasnetz drucklos wird. Sinkt der Wert unter Minimaldruck, müssen die Systeme jeweils einzeln geprüft, entstört, wiederbelebt werden“, sagt Stefan Schwarz. Vorausgesetzt natürlich, Gas ist wieder vorhanden.

Habeck ruft erste Stufe des Notfallplans Gas aus und bittet Bürger um Sparsamkeit

Für Krisenfälle wie den vielleicht bevorstehenden hat Deutschland einen „Notfallplan Gas“, auf den sich auch Winnenden verlassen muss. Am Mittwoch (30.3.) hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nun die Frühwarnstufe dieses Notfallplans ausgerufen, das Krisenteam zusammengerufen – und die Bevölkerung zur sparsamen Verwendung von Gas aufgefordert. Es ist die erste von drei Stufen. Die Bundesregierung teilt im gleichen Zuge mit, dass die Versorgung noch immer gewährleistet sei. Immer noch besteht die kleine Hoffnung, dass aus der Drohung nicht ernst gemacht wird. Aber vorbereiten auf den Ernstfall muss man sich.

Die Frühwarnstufe bedeutet, dass schon jetzt alle Händler, Lieferanten, Fernleitungs- und Verteilnetzbetreiber aufgerufen sind, Maßnahmen zu ergreifen, um die Gasversorgung aufrechtzuerhalten. „Man muss Reserven flüssig machen“, fasst Stefan Schwarz das kurz und knapp zusammen. Er will keine Panik schüren, warnt aber doch vor einem wochen- oder gar monatelangen Wegfall russischen Gases. Laut Bundesregierung sind in der dritten, in der Notfallstufe noch immer die Haushalte der Bürger, soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Gaskraftwerke „geschützte Verbraucher“, die weiter versorgt werden sollen.

Wladimir Putin will seine Gaslieferung in Rubel statt in Dollar bezahlt haben. Schon damals fragten sich die Gasverbraucher, was wohl sein wird, wenn die Bezieher russischen Gases der Forderung nicht nachkommen. Denn damit würden sie ja mindestens ihre eigenen Sanktionen gegen Russland unterlaufen. Der Winnender Gaskunde, der es in diesen Tagen gern wieder wohlig warm in seinem Wohnzimmer oder seinem Betrieb hätte, fragt sich spätestens seit Mittwoch (30.3.) aber auch: Was ist, wenn der

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