Winnenden

Stararchitekt Jürgen Mayer und sein Entwurf für den Kronenplatz

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Blick auf die in die Bahnhofstraße verlängerte Fußgängerzone – und die Fassade des Entwurfs von Jürgen Mayer H – die Verstrebungen und die Materialien Stein und Holz sollen Fachwerk modern interpretieren. © Jürgen Mayer H
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Architekt Jürgen Mayer H.
Jürgen Mayer. © Tom Wagner
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Modell für die Kronenplatzneubebauung, entworfen vom gebürtigen Winnender Jürgen Mayer H.

Winnenden. Für die Neubebauung des Kronenplatzes haben sich bei der Stadt drei Investoren mit ganz unterschiedlichen Entwürfen um das Grundstück beworben. Am 15. Mai wählen Gemeinderäte und Oberbürgermeister einen aus. Wir wollten bis dahin von den Architekten wissen, was hinter ihren Plänen steckt. Den Anfang macht Jürgen Mayer, der vor 52 Jahren in Winnenden geboren wurde und längst international gefragter Stararchitekt mit großem Büro in Berlin ist.

Ein Blick aufs Modell und somit von oben auf den Entwurf lohnt, um die Ideen des global agierenden Mannes für seine Heimatstadt zu verstehen. Zunächst erschafft er mit Hilfe des bumerangartig gekrümmten „Hauses B“ den eigentlichen Kronenplatz neu.

Bisher besteht er aus einem provisorischen Parkplatz, einer Fußgängerunterführung und einem Betondach, unter dem sich ein Imbiss und ein Mini-Büro befinden, die ehemalige Taxizentrale. „Man muss den Platz einfassen, damit der Wind nicht durchpfeift. Nur so bekommt er Aufenthaltsqualität.“

Jürgen Mayer beschreibt die Form von „Haus B“ mit einem aufgestellten und aufgeschlagenen Buch. Er lässt dafür zwei Seiten des Gebäudes immer schmaler werden, von oben betrachtet ähnelt es einer Pfeilspitze. „Durch die schlanken Seiten wirkt das Gebäude für die Leute, die sich von der Ringstraße aus Waiblingen her nähern, elegant“, sagt der 52-Jährige. Einen großen Baum und ein Kunstwerk möchte der Architekt dort als markante Merkmale auf dem Kronenplatz sehen.

Untertunnelung? „Nicht nötig und finanziell nicht darstellbar“

Manche wunderten sich schon, warum das animierte Bild zum Entwurf so viele Fußgänger und gar kein Auto auf der Bahnhofstraße zeigt. Das ist Absicht: „Wir wollen die Marktstraßen-Fußgängerzone bis in die Bahnhofstraße hineinziehen, bis dahin, wo die Kastenschule aufhört.“

Jürgen Mayer hat sich für diese Idee eng mit dem Verkehrsplanungsbüro Karajan abgesprochen. „Bei unserem Entwurf sollen am Kronenplatz vorbei bis zur Friedrichstraße nur Busse und Taxis fahren, das bringt noch mehr Qualität.“

Die Tiefgaragenzufahrt liegt daher auf der anderen Seite an der Alfred-Kärcher-Straße, kurz nach der Einmündung in die Ringstraße. „Das gefällt manchen Nachbarn nicht, eine Tiefgaragenzufahrt stört immer jemanden, aber irgendwo müssen die Autos ja fahren.“

Zur Untertunnelungs-Idee, geäußert von mehreren Lesern dieser Zeitung in Leserbriefen, haben wir den Wahlberliner mit Winnender Wurzeln auch befragt. „Ein so großes Verkehrsbauwerk nimmt mehr Platz weg, als man sich vorstellt. Da müsste man bei der Jet-Tankstelle in den Tunnel rein und beim neuen Gerberviertel wieder rausfahren.“

Jürgen Mayer sieht so einen Tunnel erstens als „finanziell nicht darstellbar“ und zweitens als „nicht notwendig“ an, weil es seit 2009 die B-14-Umfahrung gibt: „Ich würde lieber das Tempo obenherum auf höchstens 30 km/h drosseln, dann suchen sich die Autofahrer einen anderen Weg“, sagt Mayer. Apropos Weg suchen: Garagennutzer und Fußgänger sollen auch zu den ansässigen Nachbargeschäften an der Alfred-Kärcher-Straße finden.

Referenz an die historischen Fachwerkgebäude der Innenstadt

Vom Kronenplatz aus gibt es einen immer offenen Durchgang, eine Passage zum gewohnten Fußweg Kornbeckstraße, vergleichbar mit der durch die Kreissparkasse zwischen Marktstraße und Adlerplatz. „Wir wollen ein lebendiges, offenes, transparentes Erdgeschoss.“ Für die entsprechende Magnetwirkung auf die Kundschaft soll ein potenter Mieter sorgen, der mit den Investoren eine Art Vorvertrag geschlossen hat: ein Drogeriemarkt. „Vorne am Kronenplatz ist aber noch Raum für zwei kleinere Gewerbeeinheiten“, sagt Jürgen Mayer.

Wer seinen Entwurf anschaut, kommt um Fragen zur Fassade nicht rum. Sie trägt Mayers Handschrift, die man im Internet (jmayerh.de, etwa bei den Gebäuden „Sonnenhof“, „Mensa Moltke“) nachvollziehen kann – und doch hat sie durch die kantigen, in die Senkrechte gehenden Verstrebungen etwas Eigenständig-Neues.

Der Architekt sagt dazu: „Es ist unsere Referenz an die historischen Fachwerkgebäude der Innenstadt, die Struktur wurde natürlich stark vergrößert umgesetzt.“ Modern interpretiertes Fachwerk kann man auch in der Wahl des Materials entdecken: Die hellen Verstrebungen sollen aus Kunst- oder Naturstein hergestellt werden, die waagrechten Verkleidungen der Balkone und Loggien aus Holz. Die Lamellen werden mit der Zeit dunkel und verwittern.

Noch eine Eigenheit des Stararchitekten-Entwurfs sind die Knicke an den schlanken Gebäudeseiten. „Dadurch wird Raum geschaffen, der Platz großzügiger und einladender“, meint Jürgen Mayer. „Mein Hauptziel mit diesem Entwurf ist, etwas für Winnenden zu entwickeln, das man wiedererkennt. Es soll keine beliebige Architektur sein, die schon überall in Deutschland steht, von Hamburg bis München.“


Stellplätze, Handelsfläche, Wohnungen

  • Die Gewerbefläche beträgt im durchgehenden Erdgeschoss rund 1340 Quadratmeter, im ersten Obergeschoss können etwa 1140 Quadratmeter dazukommen oder für Büros oder für Wohnungen ausgewiesen werden.
  • 60 Wohnungen halten die Investoren in dem fünf bis sieben Stockwerke hohen Komplex für machbar. Sie geben als Gesamtwohnfläche 3800 Quadratmeter an. Die Wohnungsgrößen werden sich an der momentanen Nachfrage orientieren.
  • In der Tiefgarage soll auf zwei Ebenen Platz für insgesamt 117 Pkw sein. „Es kann auf Wunsch auf 176 Stellplätze erhöht werden“, heißt es in der Bewerbung.
  • Den Entwurf von Jürgen Mayer eingereicht haben die Winnender Projektbau Pfleiderer, die Kreisbaugruppe und die BPD Immobilienentwicklung.
  • Der Investor darf 260 Quadratmeter Privatgrundstück neben dem Wettbewerbsareal mitbebauen, so dass er mehr Fläche zur Verfügung hat.