Winnenden

Start des Abiturs am Lessing-Gymnasium

ABILGW
Karl Rommel (rechts) vom Lessing-Gymnasium hat seine Deutschprüfung in der Aula hinter sich. © Schneider / ZVW

Winnenden. Nach gut fünf Stunden verlässt Karl Rommel die Aula des Lessing-Gymnasiums, geschafft, aber nicht unzufrieden. Im großenRaum im Untergeschoss saß er zusammen mit 105 Mitschülern und hat die Deutschprüfung fürs Abitur geschrieben. Jetzt wartet der 17-Jährige auf seine Freunde, dann wird er ausruhen. Anschließend lernt er für die nächste Prüfung.

Sofort werden im Freundeskreis die Handys gezückt und im Internet gegoogelt, was andere schlaue Menschen über die Kurzgeschichte geschrieben haben, die sie sich als Prüfungsaufgabe ausgesucht haben. Ein bisschen Nervosität flackert auf, weil im Netz jemand Bezüge zur Nazizeit hergestellt hatte ... Karl Rommel nicht.

Er versucht, die Info gelassen zu nehmen, und freut sich fast auf die Prüfungen in Physik (Mittwoch) und Mathe (3. Mai), das liege ihm mehr als Deutsch und Englisch (Freitag). Außerdem hat er seit einem Jahr schon seinen Studienplatz als Wirtschaftsingenieur sicher, und so geht er doch tatsächlich entspannt in seine Prüfungen.

Passend zum Wetter: Interpretation von Herbstgedichten

Weil der Abiturjahrgang ungewöhnlich groß ist im Lessing-Gymnasium, musste die Schulleitung die Aula im Untergeschoss sperren. „Im zweiten Stock hätte der Platz nicht gereicht“, sagt Schulleiter Jörg Steinl. Toiletten sind da, Lüften ist dank eines Lichthofs gut möglich und für wenig Lärmbelästigung die Brandschutztüren, Absperrungen im Hof und Appelle an die Mitschüler.

Dem 17-jährigen Bastian Krug aus Nellmersbach hat die Atmosphäre in dem Saal zugesagt. „Man hat zwar gehört, wenn Pause war, aber es war nicht störend.“ Schokolade, Obst und etwas zu trinken hat er sich mitgebracht, als Aufgabe wählte er die Gedichtinterpretation. Passend zum momentanen Wetter waren’s – Herbstgedichte. Er googelt sie nicht im Internet.

„Das Abi ist klein und du bist groß“

Das erste weibliche Wesen verlässt das Sperrgebiet Aula: Ronja Philipp. Gleich rechts neben der Tür, unter vielen anderen, hängt das grün-glitzernde Mutmachplakat ihrer Familie. „Das Abi ist klein und du bist groß“, steht darauf. Die 17-Jährige trägt schon selbstbewusst den Pulli des Abschlussjahrgangs: „Circus Abigalli“ in Anlehnung an eine Show im Fernsehen.

Schulleiter Jörg Steinl ist froh, wie die Premiere des neuen Prüfungsorts gelaufen ist. „Wir können auch künftig nicht in den zweiten Stock in mehreren Zimmern schreiben lassen, weil wir sonst so viele Aufsichtspersonen brauchen.“ Weil bundesweit einheitliche Abituraufgaben gestellt werden und daher auch die Prüfungstermine gleichzeitig stattfinden müssen, ballt sich zeitlich alles stark und relativ spät im Schuljahr. „Aber irgendwie muss ja unser Betrieb trotzdem weitergehen“, sagt Steinl. Aula sei Dank.