Winnenden

Stausee im Zipfelbachtal? „Nicht realisierbar“

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Der einzige Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Winnenden: Hartmut Holzwarth. © Büttner/ZVW

Winnenden. Zeitungsleser fragen – der Kandidat antwortet: OB-Kandidat Hartmut Holzwarth hat sein Versprechen erfüllt und hat Fragen, die Zeitungsleser uns zugeschickt haben, und die nicht im ZVW-Wahlgespräch behandelt wurden, nun schriftlich beantwortet. Dabei kam auch heraus, dass Holzwarth Argumente gegen einen Stausee im Zipfelbachtal hat.

Werner Heincke: „Winnenden rühmt sich, die älteste Stadt im Rems-Murr-Kreis zu sein, feiert seine 800-Jahr-Feier aufwendig, hat aber kein städtisches Museum.“

„Ja, Winnenden ist tatsächlich die älteste Stadt im Kreis. Mit dem Feuerwehrmuseum haben wir eine einzigartige und sehr bekannte touristische Sehenswürdigkeit, die den Vergleich zu anderen Museen in der Region nicht zu scheuen braucht. Hier stecken viel Ehrenamt, Stiftungsgelder und Sponsoring, aber auch die Unterstützung durch die Stadt drin. Ein Stadtmuseum ist aus meiner Sicht für die Zukunft ein wirklich reizvolles weiteres Thema, aber erst, wenn vordringlichere Aufgaben an vielen anderen Stellen erledigt worden sind. Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass auch die Firma Kärcher ihr Firmenmuseum demnächst schon neu bauen will. Da dürfen wir meines Erachtens auch sehr gespannt sein.“

Hans Möhring: „Nachdem Winnenden keinerlei Attraktionen hat, stellt sich die Frage, ob zwischen Winnenden und Hanweiler beim Zipfelbach ein Erholungsgebiet mit Stausee angelegt werden kann.“

„Keine Attraktionen? Hier widerspreche ich entschieden. Attraktionen sind unsere schöne Landschaft, ob in Bürg oder bei Breuningsweiler, ob am Haselstein oder im oberen Zipfelbachtal; unsere Altstadt, die Schlosskirche und das Schloss mit Park, das Wunnebad, das Feuerwehrmuseum und auch die PMW-Modellbahn. Ein Stausee, direkt oberhalb des Wunnebads, mit meterhoher Staumauer mitten im Naturschutzgebiet ist unnötig und nicht genehmigungsfähig. Er würde auch die tieferliegenden Bereiche Wunnebad, Sportgelände, Kliniken, die „Toskana“ ... bei einem möglichen Dammbruch gefährden. Damit das dann nicht der Fall wäre, müsste zuvor der Zipfelbach in eine breite und tiefe Abflussrinne umgestaltet werden. Dieser Vorschlag ist auch aus ökologischen Gründen somit schlicht nicht realisierbar. Es spricht aber nichts dagegen, den Erholungswert des oberen Zipfelbachtals für unsere Bürgerinnen und Bürger zu erhalten. Ein Stausee wäre das Gegenteil davon.“

Brigitte Ilg: „Aktuelles Thema E-Mobilität: Plant Winnenden weitere Tankstellen für Elektroautos, eventuell sogar für E-Bikes?“

„Die E-Mobilität kommt mit größerer Geschwindigkeit, als viele glauben. Die Firma Mercedes sagt, im Jahr 2025 werden ihre in Deutschland neu verkauften Autos alle entweder elektrisch oder mit einem Hybrid-Antrieb ausgestattet sein. Dies stellt dann die Leitungsnetzbetreiber vor viel größere Herausforderungen als die Erstellung von Tank-Infrastruktur. Letztere wird sich sowieso vor allem in den Wohnhäusern oder beim Arbeitgeber am Parkplatz befinden, da man dort am längsten steht und so auch am besten lädt, womöglich mit kostengünstigem Eigenstrom. Für unterwegs werden natürlich auch noch ausreichende Möglichkeiten benötigt. Hier werden unsere Stadtwerke bedarfsgerecht Angebote entwickeln. Die viele Jahre bestehende öffentliche E-Bike-Tankstelle am Rathaus wird allerdings bisher kaum in Anspruch genommen, auch von E-Bike-Radlern, die im Rathaus arbeiten. Das hat mit der Tatsache zu tun, dass viele E-Bike-Nutzer ihren Akku mitnehmen. Auch bei der Markthalle wird die Strom-Tankstelle der Süwag häufig gar nicht zum Laden, sondern normalem Parken benutzt oder steht leer. Also: Es gibt eine langsamere Entwicklung bei der Ladeinfrastruktur unterwegs, im Gegensatz zu zu Hause, wo vor allem die Wohnungswirtschaft schnell reagieren wird. Außerdem planen die großen Autokonzerne in den nächsten Jahren ein bundesweites Netz. Tesla hat seine Lösung schon umgesetzt.

Brigitte Ilg: „Schnelles Internet: Gibt es in Winnenden Planungen für den Ausbau mit Glasfaserkabel?“

„Wir haben seit 2016 den Glasfaser-Ausbau der Telekom mit fast überall rund 50 Mbit/s, die dann bei den meisten Haushalten überwiegend ankommen. Allerdings mit Kupferkabel auf der letzten Meile, was die Sache leider deckelt. Hier sollte bei steigendem Bedarf entweder die Telekom vollends bis zu den Häusern investieren oder es wird dann alternative Konzepte geben müssen. Mit einem 100%-Zuschuss des Bundes erstellen wir seitens der Stadt gerade so ein Konzept, um handlungsfähig bzw. verhandlungsfähig mit der Telekom zu werden. Der Landkreis plant darüber hinaus auch ein Backbone-Netz, damit jeder Ort im Kreis schnell angefahren werden kann. Unsere Stadtwerke verlegen bereits bei Baumaßnahmen Leerrohre mit. Und in Neubaugebieten verlegt auch die Telekom bereits das Glasfaser ans Haus, beispielsweise im Adelsbach.“

H. und F. Ellwanger: „Warum müssen in Winnenden an allen Ampelkreuzungen die Ampeln die ganze Nacht in Betrieb sein?“

„Nach einer Untersuchung der TU Dresden provozieren abgeschaltete Ampeln sogar mehr Unfälle. Nachts sind die Umlaufzeiten jedoch kürzer, so dass die Wartezeiten, sollte man an einer roten Ampel stehen, nicht so lange sind.

Stromersparnis ist auch kein Argument, da die meisten Ampeln mittlerweile auf LED umgerüstet sind.

Fußgängerampeln könnten theoretisch am ehesten nachts abgeschaltet, „schlafend“ gestellt werden. Dies hätte aber zur Folge, dass die Anlage mit der Anforderung erst mal „geweckt“ wird und dann erst der Umlauf beginnt. Dann stellt sich die Frage, ob die Anlage noch benutzt wird oder der Fußgänger doch eher versucht, die Straße so, ohne „Absicherung“, zu queren. Ampelanlagen sollen aber für mehr Sicherheit sorgen. Deswegen sollten sie auch durchgehend betrieben werden.

Bei insgesamt ausgeschalteten Ampeln haben wir nachts in unserer Stadt ein sehr schnelles Durchkommen mit voraussichtlich auch zu hohen Geschwindigkeiten aufgrund langer Geraden, insbesondere an der alten B 14. Das führt dann sogar zu mehr Verkehr ... Das können wir nicht wollen ... An einigen Kreuzungen queren auch häufiger Sehbehinderte (Kronenplatz) mit akustischer Ampel. Oder Hörbehinderte und Rettungsfahrzeuge bei den Langen Weiden. Das wäre also zusätzlich für diesen Personen sehr riskant, hier nachts abzuschalten ... Und schließlich funktioniert die Rewe-Kreuzung mit ihren vielen Fahrbeziehungen ganz sicher nicht gut ohne eine Ampel.“

H. und F. Ellwanger: „Es fehlen Abfallbehälter an manchen Fußgängerwegen, zum Beispiel vom Körnle zur Stadt entlang des Zipfelbachs. Entsprechend sieht es manchmal aus.“

„Hier sind wir momentan bereits an der Grenze des Machbaren. Wir haben in Winnenden eine öffentliche Mülleimerdichte, die sonst vermutlich keine andere Stadt vergleichbar aufweisen kann. Wir haben schon jetzt 25 öffentliche Abfalleimer alleine im Schelmenholz, rund 250 in der ganzen Stadt. Es sind überall Abfalleimer vorhanden, an jedem Fußweg aus dem Schelmenholz und aus der Stadt heraus.

Nicht jeder nutzt sie zudem tatsächlich, sondern manch einer wirft seinen Müll sogar noch exakt neben den Abfalleimer. Mehr Abfalleimer müssen auch mehrfach wöchentlich geleert, oft auch repariert und ersetzt werden und bedeuten meist noch mehr öffentlichen Müll, der gar nicht dort entsteht, sondern von anderen Bereichen einfach dorthin gebracht wird, weil es halt ein weiteres Gefäß gibt. Unsere Stadtreinigung sammelt auch ab, was in der Umgebung der Abfalleimer liegt. Einmal im Jahr werden der Bach und die Böschungen bei der Flurputzete auch von Ehrenamtlichen gesäubert.“

Pflaster in Seitenstraßen bleibt noch länger

„Wann kommt der gehfreundlichere Belag auch in den Seitenstraßen zur Marktstraße?“, fragte Angelika Bochnig direkt im Wahlgespräch. „Da gibt es eine Denkpause, weil viele andere, wichtige Projekte anstehen“, erwähnte Hartmut Holzwarth den B-14-Rückbau, die Heimattage, den Kronenplatz und den Holzmarkt.

Ein Bürger kritisierte, dass der Parkplatz vor dem Hertmannsweiler Friedhof als solcher nicht erkennbar sei und zunehmend als Lager und Privat-Abstellplatz missbraucht werde. Holzwarth will dem Gemeindevollzugsdienst dessen Kontrolle aber „ungern aufbrummen, das ist ganz schwierig“. Wenn Anwohner dort abends stehen, vielleicht sogar Lieferwagen abstellen, sei dies für sie natürlich geschickt. „Würden wir einen Höhenbegrenzer wie am Stadionparkplatz anbringen, steht der Lieferwagen dann halt irgendwo im Wohngebiet.“

„Besteht eine Chance auf barrierefreie städtische Räume im Neubau am Kronenplatz?“, fragte Monika Medinger-Vees. „Nur, wenn der Investor, der den Zuschlag bekommt, uns so etwas zum Anmieten anbietet“, sagte Holzwarth. Die Stadt habe dies nicht zur Bedingung gemacht bei der Suche nach Interessenten. „Anders ging es nicht, sonst hätten wir einen EU-Vergabe-Vorgang ausgelöst.“