Winnenden

Strafarbeit für Influencerin: Bild von Polizeikontrolle landet bei Instagram, 21-Jährige vor Gericht

Instagram
Der Storymodus auf Instagram (Symbolbild). © Klecker

Bei einer Polizeikontrolle hat eine Influencerin aus Winnenden einen Beamten fotografiert und das Foto samt dem Schriftzug „Bullenkontrolle“ bei Instagram hochgeladen. Der Beamte bekam Wind davon und erstattete Anzeige. Die Frau musste vor das Waiblinger Amtsgericht.

Dort war die 21 Jahre junge Winnenderin für Richter Armin Blatter und Sabine Gerner von der Jugendgerichtshilfe keine Unbekannte. Nicht, weil sie als erfolgreiche Bloggerin mit über 10.000 Followern auf Instagram ein öffentliches Leben führt, sondern weil es das Leben mit der jungen Frau, die sich im Gerichtssaal selbst als „eigentlich schlaues Mädchen“ und „nicht schlechte Schülerin“ beurteilte, nicht immer gut gemeint hat.

Bereits in frühen Jahren mit häuslicher Gewalt und Krankheit konfrontiert, führte sie ihr Lebensweg aus dem Elternhaus heraus in eine Pflegefamilie und immer wieder ins Krankenhaus. Vor dem Richter musste sie sich nun für ihren Instagramauftritt rechtfertigen.

Auf dem Weg zu einer Party gerät die Gruppe in das Visier von Zivilbeamten

Im Januar saß sie mit vier weiteren Personen in einem weißen Mercedes, der auf der A 8 unterwegs in die Schweiz zu einer feucht-fröhlichen Party war. Auf dem Gelände der Tankstelle und Raststätte Sindelfinger Wald erregte die Reisegesellschaft die Aufmerksamkeit einer Zivilstreife der Polizei.

Als die Beamten die Fahrzeuginsassen kontrollierten, fertigte die junge Frau davon heimlich Aufnahmen. Die Kontrolle selbst erbrachte kein in irgendeiner Weise strafrechtlich oder kriminaltechnisch relevantes Ergebnis, die Gruppe durfte ihre Fahrt fortsetzen.

Kollegin berichtet dem 32-Jährigen von der Instagramstory

Als der Streifenführer, ein 32-jähriger Polizeihauptmeister, allerdings am nächsten Tag seinen Dienst antrat, begrüßte ihn eine Kollegin bereits mit der Nachricht, dass er nun auf Instagram zu bewundern sei.

Unter der Überschrift „Bullenkontrolle“ hatte die junge Bloggerin ein Foto veröffentlicht, auf dem er eindeutig zu erkennen und zu identifizieren war. In ihrem Begleittext erwähnte sie, dass man sich beeilen musste, um die Zeit wieder einzuholen, die durch die „Bullen“ gestohlen worden war. Dies nahmen der Polizeihauptmeister und seine an der Kontrolle beteiligte Kollegin zum Anlass, die Bloggerin wegen Beleidigung anzuzeigen, er zusätzlich wegen Verstoßes gegen das Kunsturheberrecht.

Er arbeite in Zivil, erklärte er in der Gerichtsverhandlung, weil er dadurch versuche, nicht sofort als Polizeibeamter erkannt zu werden. Er sei nicht gefragt worden und mit der Veröffentlichung nicht einverstanden, „schon gar nicht mit der Überschrift“.

Bild und Text einer Instagramstory sind 24 Stunden zu sehen, frei zugänglich und für jeden einzusehen. Erst dann werden sie bei Instagram automatisch gelöscht. Dies habe gereicht, um damit Öffentlichkeit zu schaffen, stellte Richter Armin Blattner fest. Und es sei so eine Sache mit dem Schreiben. Der eine lache, der andere zeige den Schreiber an. „Ich kenne keinen Polizisten, der sich darüber freut, wenn er bei Instagram zu sehen ist.“

Die Strafe richtet sich nach dem Jugendstrafrecht

Das sei wohl ziemlich dumm von ihr gewesen, zeigte sich die junge Frau zerknirscht. „Dumm, leichtsinnig und unachtsam“, stimmte ihr Blattner zu und gab die Empfehlung: „Man muss überlegen, was man schreibt!“

„Sie haben recht“, erwiderte daraufhin die Sünderin und versprach, in Zukunft aufzupassen. Bei dem Polizeibeamten entschuldigte sie sich und versicherte, es sei nicht ihre Absicht gewesen, ihn zu beleidigen oder ihm zu schaden.

Die Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft und der Jugendgerichtshilfe waren sich mit dem Richter einig, der jungen Frau als Heranwachsender noch einmal eine Beurteilung nach dem Jugendstrafrecht zuzugestehen. Die ungewöhnliche Strafe ist: ein mindestens vier Seiten langer, handgeschriebener Aufsatz über die Gefahren des Internets und des Öffentlichmachens des Lebens. Die Verurteilte akzeptiert sie. Schreiben könne sie schließlich gut.

Bei einer Polizeikontrolle hat eine Influencerin aus Winnenden einen Beamten fotografiert und das Foto samt dem Schriftzug „Bullenkontrolle“ bei Instagram hochgeladen. Der Beamte bekam Wind davon und erstattete Anzeige. Die Frau musste vor das Waiblinger Amtsgericht.

Dort war die 21 Jahre junge Winnenderin für Richter Armin Blatter und Sabine Gerner von der Jugendgerichtshilfe keine Unbekannte. Nicht, weil sie als erfolgreiche Bloggerin mit über 10.000 Followern auf Instagram ein

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper