Winnenden

Straftäter-Therapie in Winnenden: Hier soll der Maßregelvollzug entstehen

Haus C
Das Haus C des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) am Rand des Winnender Schlossparks. Hier könnte der Maßregelvollzug entstehen (Variante 1). Die Bestandsgebäude, eigentlich gut in Schuss, müssten dafür abgebrochen werden. © Stadt Winnenden

In Winnenden sollen in absehbarer Zeit suchtkranke Straftäter therapiert werden. Der Maßregelvollzug ist für diese Menschen, häufig Drogenkranke, die im Suchtdruck kriminell geworden sind, die Alternative zum Gefängnis. Wo das hochgesicherte Krankenhaus gebaut werden soll, das ist eine heiß diskutierte Frage – auf die jetzt eine Antwort gefunden scheint. Zwei Standorte im Schlosspark, an denen ein Maßregelvollzug vorstellbar wäre, hat Psychiatrie-Chefin Annett Rose-Losert am Dienstagabend bei einem Pressegespräch und danach in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats vorgestellt. Wobei nur einer davon wirklich infrage kommt.

In der Nähe von Betriebskita, Schulen und Flüchtlingsunterkünften

Wer die emotionale Debatte um die mittlerweile verworfenen ersten beiden Standortvorschläge verfolgt hat, erkennt sofort: Auch der neue Favorit im Südosten des Schlossparks birgt Konfliktpotenzial. Er befindet sich nur wenige Meter von der Betriebskita, Schulen und Flüchtlingsunterkünften entfernt.

Trotzdem spricht aktuell alles dafür, dass folgender Plan verwirklicht wird: Das Haus C, in dem heute schon suchtkranke Menschen behandelt werden, wird abgerissen. Stattdessen entsteht auf 11.000 Quadratmetern Fläche der Maßregelvollzug. Ehe das geschieht, wird allerdings am anderen Ende des Schlossparks, an der Albertviller Straße, ein Ersatzbau geschaffen, der die psychiatrische Institutsambulanz, Tagesklinik und Stationen von Haus C aufnehmen soll. Diesem Ersatzbau weicht das ohnehin baufällige Haus H (Rose-Losert: „Da regnet’s rein“), in dem aktuell die Musiktherapie untergebracht ist. Für diese stehen laut der Geschäftsführerin im historischen Schloss noch Räume zur Verfügung. Die zeitliche Abfolge wäre also: Abriss Haus H, Neubau Haus H als Ersatzbau von Haus C, Abriss Haus C, Neubau eines Maßregelvollzugs.

Die Architekten des Büros Integral, mit dem das ZfP zusammenarbeitet, gehen von mindestens vier, fünf Jahren aus, bis das Projekt abgeschlossen wäre. Annett Rose-Losert selbst rechnet bei der aufwendigen Rochade eher mit sieben Jahren – und Kosten von einem mittleren Millionenbetrag.

Städtebaulich spricht nichts gegen die Pläne des Zentrums für Psychiatrie

Städtebaulich, das betonte Markus Schlecht, Leiter des Winnender Stadtplanungsamts, in der Gemeinderatssitzung, spreche nichts gegen die Pläne des ZfP. Das gilt auch für die zweite Variante. Diese sieht allerdings vor, den Maßregelvollzug viel zentraler im Schlosspark zu platzieren, deutlich prominenter und sichtbarer an der Albertviller Straße, direkt am Schulweg vieler Kinder an den Winnender Bildungszentren. Auch müsste ein Bestand an alten Bäumen weichen, sollte der gesicherte Bau hier errichtet werden.


Maßgeblich dafür, dass auch das ZfP diesen Standort nicht wirklich weiterverfolgen möchte, sind die Pläne zur Modernisierung der Psychiatrie. Dort, wo in Variante 2 der Maßregelvollzug gebaut werden sollte, ist eigentlich ein Neubau mit zwei Stationen und einer Tagesklinik geplant. Der Bauantrag für dieses „Haus M“ ist bereits eingereicht. Es soll das schwer sanierungsbedürftige „Haus E“ ersetzen, das als erster Standort für einen Maßregelvollzug gehandelt worden war. Das hatte zu Protesten in der angrenzenden Albert-Schweitzer-Straße geführt. „Haus E“ ist laut Annett Rose-Losert so in die Jahre gekommen, dass es nicht länger als unbedingt notwendig weiterbetrieben werden soll.

Es geht um die psychiatrische Versorgung der Patienten und viel Geld

Würde der Maßregelvollzug den Plänen für das neue „Haus M“ in die Quere kommen, wäre für die Zeit eines Abbruchs und Neubaus von Haus E die Versorgung der Patienten nicht möglich. 30 bis 50 Betten „vom Netz“ zu nehmen, kommt für das ZfP aber nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich nicht infrage. Rose-Losert spricht von mehr als zehn Millionen Euro Budget, die so verloren gingen.

Der Kern des Schlossparks bleibt erhalten, der Maßregelvollzug ist gut abgeschirmt

Ohnehin spricht einiges für den favorisierten Standort im Süden des Schlossparks. Mehr von der für alle erlebbaren Fläche des Parks bliebe bestehen, auch der alte Baumbestand (nicht aber die Streuobstwiese) könnte trotz des Neubaus von „Haus M“ erhalten bleiben. Der Standort ist über den Holunderweg gut erreichbar. Die Nähe zur Haselsteinschule und zum Lessing-Gymnasium, die manche eventuell für problematisch erachten könnten, ist zwar gegeben, allerdings liegen eine bewachsene Böschung, Wege, Mauern, Zäune dazwischen. Außerdem soll so gebaut werden, dass die Patientenzimmer zum Schlosspark hin ausgerichtet sind, die Räume für Werk- und Sporttherapie im Maßregelvollzug einen Riegel bilden, der die Insassen von Kita, Schule und Flüchtlingsunterkunft abschirmt.

Apropos Flüchtlingsunterkunft: Der Mindestabstand von 50 Metern, an den sich die Stadt nach dem Vorbild anderer Bundesländer halten will, wird zu den Wohnheimen von Kreis und Stadt nicht eingehalten. Warum ist das kein Problem? OB Holzwarth argumentiert, „selbstbestimmtes Wohnen“ finde dort nicht statt, der Bereich sei für „allgemeines Wohnen“ auch gar nicht ausgewiesen, die Wohnanlagen aus der Not heraus entstanden. Die Lage dort sei also anders zu beurteilen als beispielsweise im Wohngebiet Arkadien, in dem sich im Herbst Widerstand gegen den bis dato zweiten Standortvorschlag formiert hatte.

Kritik von grüner Seite: ALi-Rätin kritisiert Abbruch-Pläne

Das Echo der Bürgervertreter auf die Vorstellung der beiden Machbarkeitsstudien fiel tendenziell positiv aus. Die Stadträte waren schon im Dezember (bei einem nichtöffentlichen Besuch von Sozialminister Manne Lucha) darüber informiert worden, auf welche Bereiche des Schlossparks das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) seine Suche nach neuen Standorten konzentriert.

Deutliche Kritik im Sinne der Nachhaltigkeit übte lediglich Susanne Kiefer (ALi) am Abbruch des intakten Gebäudes „Haus C“. Annett Rose-Losert räumte ein: „Das tut uns auch weh.“ Ein Umbau sei aber aufgrund der speziellen Anforderungen und hohen Sicherheitsstandards für einen Maßregelvollzug nicht möglich.

Die Winnender Bürgerinnen und Bürger dürfen sich am kommenden Mittwoch, 25. Januar, zu den Plänen äußern und Fragen stellen. Der Bürgerdialog in der Hermann-Schwab-Halle beginnt um 19 Uhr.

Schon am Dienstag steht im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats die Rahmenvereinbarung mit dem Land Baden-Württemberg auf der Tagesordnung, in der unter anderem geregelt wird, dass das Winnender Polizeirevier auf jeden Fall erhalten bleibt, sollte ein Maßregelvollzug gebaut werden. Diskutiert wird darüber allerdings zunächst nichtöffentlich. Er glaube, begründete OB Holzwarth dieses Vorgehen, es gebe im Gremium „den Bedarf“, Gedanken „geschützt zu äußern“.

In Winnenden sollen in absehbarer Zeit suchtkranke Straftäter therapiert werden. Der Maßregelvollzug ist für diese Menschen, häufig Drogenkranke, die im Suchtdruck kriminell geworden sind, die Alternative zum Gefängnis. Wo das hochgesicherte Krankenhaus gebaut werden soll, das ist eine heiß diskutierte Frage – auf die jetzt eine Antwort gefunden scheint. Zwei Standorte im Schlosspark, an denen ein Maßregelvollzug vorstellbar wäre, hat Psychiatrie-Chefin Annett Rose-Losert am Dienstagabend

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