Winnenden

Streit in Flüchtlingsunterkunft: Polizei bittet um Abschiebung

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Winnenden. Im Juli gab es in der Flüchtlingsunterkunft an der Albertviller Straße eine Auseinandersetzung zwischen Bewohnern. Einer der Kontrahenten musste sich nun wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Da der Verlauf des Streits aber nicht eindeutig geklärt werden konnte, wurde das Verfahren eingestellt. Da es in der Unterkunft laut Polizei "ständig zu Problemen" wegen eines Bewohners kam, hat die Polizei gebeten, dessen Asylverfahren zu veschleunigen.

Der 23-jährige Angeklagte wohnt mittlerweile in Stuttgart. Vor zwei Jahren hatte der gebürtige Kosovare einen Antrag auf Asyl gestellt. Auf die Anerkennung ist er nicht mehr angewiesen. Er hat eine Sozialbetreuerin geheiratet, die er bei ihrer Arbeit kennengelernt hatte. Der Angeklagte arbeitet derzeit gemeinnützige Stunden ab – in einer Flüchtlingsunterkunft, in der seine Frau schafft. Zu der Strafe war er wegen gemeinschaftlichem gewerbsmäßigem Diebstahl verurteilt worden. Die Richterin hielt ihm bei der jetzigen Verhandlung vor, es sei nicht gerade schön von ihm, nach Deutschland zu kommen, um Schutz zu suchen, und dann dort zu klauen. Der Angeklagte entgegnete, er sei in dem Verfahren damals nicht der Hauptschuldige gewesen. „Ein bisschen Schuld reicht auch“, gab die Richterin trocken zurück.

Mit Besenstiel auf den Rücken geschlagen

An dem Julitag habe der Angeklagte im Verlauf des Streits seinem Kontrahenten mit einem Besenstiel auf den Rücken geschlagen, dieser sei gestürzt und habe sich eine Schürfwunde am Ellenbogen zugezogen, so die Anklage. Die Verletzung war an sich eine Bagatelle, wenn aber der Einsatz einer „Waffe“, in dem Fall ein Besenstiel, zu ihr geführt hat, spricht die Justiz von schwerer Körperverletzung.

Ärger wegen zu lauter Musik

Zu dem Vorfall erzählte der Angeklagte, es habe immer wieder Ärger wegen (zu) lauter Musik gegeben, die bis tief in die Nacht abgespielt worden sei, so auch an dem Abend vorher. Bei dem Vorfall am folgenden Mittag sei er selbst das Opfer gewesen, der andere habe nämlich ihn überfallartig attackiert: „Der hat mich beschimpft und am Hals gepackt.“ Ein Besenstiel sei gar nicht im Spiel gewesen. Wie es denn dann zu der Schürfwunde beim andern gekommen sei, hakte die Richterin nach. Also, er habe nur versucht, sich zu schützen, dazu den andern weggestoßen, so der Angeklagte. Wenn das so gewesen sei, habe ja der andere sich strafbar gemacht, warum er als Opfer das nicht bei der Polizei angezeigt habe, so die Richterin weiter. Das habe er doch getan, so der Angeklagte. Für seine Schilderung gebe es Zeugen des Vorfalls.

Richterin: Geschichte offensichtlich abgesprochen

Einer davon sagte im Gericht auch aus und bestätigte diese Darstellung. Die Verletzung des Kontrahenten habe der sich bei dem Sturz während der Schubserei bei dem Streit zugezogen. Die Richterin blieb argwöhnisch: Diese „Geschichte“ sei offensichtlich abgesprochen, das merke man. Eine Wende nahm die Verhandlung allerdings nach dem Hinweis des Angeklagten und des Zeugen, das vermeintliche Opfer nehme regelmäßig Drogen und sei bekannt dafür, auch bei der Polizei, „dass er ständig Probleme macht“.

Zweifelhaft, wer den Streit angezettelt hat

Ein Polizist vom Winnender Revier bestätigte dies und auch die Anzeige des Angeklagten. Wegen des Kontrahenten sei man immer wieder in der Unterkunft, dieser sei gegenüber den Mitbewohnern aggressiv. Die Dienststelle habe deshalb ans Regierungspräsidium geschrieben, gebeten, das Asylverfahren des Mannes zu beschleunigen, um ihn abschieben zu können: „Das ist ein richtiger Tunichtgut.“ Immerhin lüge er eigentlich nicht, sondern räume hinterher seine Missetaten ein. Aus seiner Sicht, so der Polizist, sei es entscheidend, aber eben zweifelhaft, wer diesen Streit damals angezettelt habe. Nach dieser Aussage blieb gar nichts mehr anderes übrig, als das Verfahren einzustellen, was die Richterin auf Antrag der Anklage umgehend tat.

Opfer erschien nicht

Das vermeintliche Opfer, das in der Verhandlung als Zeuge hätte aussagen sollen, erschien nicht und bekam dafür in Abwesenheit eine Ordnungsstrafe in Höhe von 150 Euro, ersatzweise drei Tage Haft aufgebrummt.