Winnenden

Streit in Winnenden: Konkurrenten angespuckt, beleidigt und vor dem Amtsgericht gelandet

amtsgericht Waiblingen
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Nachdem sie die beiden Zeugen und den Angeklagten eingehend befragt hatte, war sich Richterin Isabel Thümmel mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, dem Verteidiger und dessen Mandanten einig, das Verfahren gegen die Zahlung von 100 Euro an die Bewährungshilfe Stuttgart einzustellen, vorläufig zunächst. Eine endgültige Entscheidung, auch über die Verfahrenskosten, trifft das Gericht in drei Monaten, wenn die 100 Euro beim Adressaten angekommen sind.

Es war ein lange schwelender Streit zwischen Konkurrenten, der in eine Anzeige wegen Beleidigung mündete, in einen Strafbefehl und, nachdem der Beschuldigte gegen ihn Widerspruch eingelegt hatte, in die mündliche Verhandlung am Waiblinger Amtsgericht. Die Beleidigung fiel nach Auffassung der Staatsanwaltschaft so schwer ins Gewicht, dass die Strafjustiz sich damit zu befassen hatte.

Verständigungsprobleme

Die Befragungen durch das Gericht gestalteten sich kompliziert wegen großer Sprachschwierigkeiten. Die Zeugen verzichteten auf Dolmetscher, was sich als Fehler erwies. Dem männlichen Geschädigten fiel es streckenweise sehr schwer, sich nachvollziehbar in deutscher Sprache zu artikulieren.

Aus dem Nebel der einzelnen Aussagen tauchte schließlich ein Gesamtbild auf, das dazu führte, dass das Verfahren eingestellt wurde: Die Familie der Zeugin betreibt seit über dreißig Jahren in Winnenden eine Änderungsschneiderei. Als es ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war, das Geschäft weiterzuführen, verpachteten sie und ihr Mann es an den Angeklagten und dessen Ehefrau, für ein Jahr. Der Angeklagte bekam die Option, es am 1. März 2020 dauerhaft zu übernehmen.

Schneiderei neben Schneiderei

Als sich der Gesundheitszustand der Zeugin wieder stabilisierte, kehrten allerdings sie und ihr Mann in das Geschäft zurück. Die Pächter (der Angeklagte und seine Frau) eröffneten in der Nähe eine eigene Änderungsschneiderei.

Der Konflikt war programmiert: Es gab Beschimpfungen, Beleidigungen - auch unterhalb der Gürtellinie - Streit, Denunziationen beim Zoll wegen der angeblichen Schwarzarbeit. Woraufhin der Angeklagte und seine Frau beschlossen, mit ihrem neu eröffneten Geschäft von Winnenden nach Backnang umzuziehen.

Der Angeklagte wollte wegziehen

Kurz vor dem endgültigen Wegzug des Angeklagten, im vergangenen Jahr, als sie den Laden endgültig ausräumten, kam es auf halbem Weg zwischen den Geschäften zu einer letzten Auseinandersetzung. Die beiden Konkurrenten steigerten sich derart hinein, dass die Ehefrau des Zeugen massiv dazwischen gehen musste, um sie zu trennen und zu verhindern, dass es handgreiflich wurde und den Worten auch noch Taten folgten. Im Verlauf dieses Streits, so der Zeuge, habe der Kontrahent ihn angespuckt, woraufhin seine Frau zusammen mit der Tochter auf dem Winnender Polizeirevier Anzeige erstattete.

Nachdem sie die beiden Zeugen und den Angeklagten eingehend befragt hatte, war sich Richterin Isabel Thümmel mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, dem Verteidiger und dessen Mandanten einig, das Verfahren gegen die Zahlung von 100 Euro an die Bewährungshilfe Stuttgart einzustellen, vorläufig zunächst. Eine endgültige Entscheidung, auch über die Verfahrenskosten, trifft das Gericht in drei Monaten, wenn die 100 Euro beim Adressaten angekommen sind.

Es war ein lange schwelender

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