Winnenden

Streit um Pläne für Flüchtlings-Wohnheim

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Randvoll war das Kolbe-Haus beim Infoabend zum Flüchtlingswohnheim Schelmenholz. Selbst im Flur standen Leute. © Mathias Ellwanger
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Randvoll war das Kolbe-Haus beim Infoabend zum Flüchtlingswohnheim Schelmenholz. Selbst im Flur standen Leute. © Mathias Ellwanger
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So könnte das neue Flüchtlingswohnheim beim Schelmenholzer Friedhof aussehen. © Mathias Ellwanger
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Dirk Braune von der Kreisbau erklärte das Bauvorhaben. © Mathias Ellwanger
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OB Hartmut Holzwarth befürwortete den Standort des Wohnheims. © Mathias Ellwanger

Winnenden. Das geplante Flüchtlingswohnheim am Eschenweg kann sehr schnell kommen, und es wird für 200 Personen ausgelegt werden. Dies wurde bei einer Infoveranstaltung der Stadt im Maximilian-Kolbe-Haus bekannt. Darin meldeten sich Kritiker des Wohnheims zu Wort, bleiben aber in der Minderheit.

Wohnheimkritiker traten heftig auf, einer von ihnen, der Ingenieur Dr. Wolfgang Hirt, verließ für einen kurzen Augenblick unter Protest den Saal, als die Architektin Stephanie Wilke von der Firma Aktivhaus die Pläne vorstellte, die Auslegung für 200 Personen ankündigte, und als Hirt entdeckte, dass im Plan gar keine Umzäunung des Grundstücks eingezeichnet war. Erik Schroeter meinte unter Beifall: „Wenn ich höre, dass für 120 Flüchtlinge ein Sozialarbeiter da ist, muss ich sagen: Das ist doch nichts. Wenn von denen fünf über die Stränge schlagen, ist es schon vorbei.“

Andreas Maurer von der Paulinenpflege bekannte, dass der Betreuungsschlüssel „leider sehr groß’“ ist. Die Paulinenpflege wird dem Landkreis das 4500 Quadratmeter große Grundstück mietfrei überlassen und will die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen. Maurer erklärte: „Es wird nicht alles bloß schön und prima werden. Aber es kommen nicht bloß problematische Menschen. Wir haben Erfahrung, mit Problemen umzugehen.“

Manfred Schluchter, der kommissarische Revierleiter der Winnender Polizei, berichtete vom Notlager für Flüchtlinge in der Birkmannsweiler Buchenbachhalle: „Wir haben dort überhaupt kein Lagebild.“ Dafür gab es großen Beifall in der Versammlung. Wenn die Betreuung stimmt, wenn Ehrenamtliche wie in Birkmannsweiler sich engagieren, kann ein Wohnheim konfliktfrei bestehen.

OB Holzwarth versichert, dass die Stadt sich um den Friedhof kümmert

Einige Bürger machen sich Sorgen um die Friedhofsruhe, wenn Flüchtlinge direkt nebenan wohnen. Ihnen versicherte OB Hartmut Holzwarth, dass die Stadt sich um den Friedhof kümmere, dass sich Bürger bei Störungen an die Stadt wenden könnten.

Eine junge Schelmenholzerin erzählte der Versammlung, dass sie sich für Flüchtlinge engagiert und immer erlebt, wie sie von männlichen Flüchtlingen respektvoll behandelt wird. Andere Bürgerinnen und Bürger machen sich Sorgen um das Verhalten von männlichen Flüchtlingen einheimischen Frauen gegenüber. Sie wünschen, dass Flüchtlingen, am besten von hier lebenden Muslimen, erklärt wird, wie in Europa Männer und Frauen miteinander umgehen, betonten aber gleichzeitig, dass sie nicht gegen den Bau des Wohnheims sind.

Andreas Maurer von der Paulinenpflege hat sich vom Landkreis zusichern lassen, dass in diese neu zu bauenden Wohnheime am Eschenweg überwiegend Familien kommen sollen. Pfarrer Dr. Karl Braungart von der evangelischen Kirchengemeinde Schelmenholz bot an, dass die Gemeinde sich einbringen wird in die Flüchtlingsarbeit. Der syrische Flüchtling Dr. Maan Al Haio, bat die Anwesenden, keine Angst zu haben vor Begegnungen, und empfahl, zu den organisierten Begegnungsabenden am Montag, Mittwoch und Freitag in der Stadt zu kommen.

Susanne Frei aus dem Schelmenholz erklärte: „Ich arbeite seit sieben Jahren mit Flüchtlingen und habe nie schlechte Erfahrungen gemacht. Ängste kann ich verstehen, aber ich kann nur ermuntern, auf die Leute zuzugehen. Man wird merken, dass das Menschen sind wie wir alle. Sie kommen aus dem Krieg. Sie haben Erfahrungen mit dem Tod, haben vielleicht Eltern oder Kinder verloren. Sie wissen sehr wohl die Würde eines Friedhofs zu schätzen.“ Auch für solche Aussagen gab es starken Beifall an diesem Abend im Schelmenholz.

Das Gebäude

Noch hat der Gemeinderat nicht entschieden, ob das Wohnheim gebaut werden darf. Aber es zeichnet sich ab, dass es schnell gehen wird. Am 19. April soll der Gemeinderat über den Bauantrag der Kreisbau abstimmen.

Der Antrag für das Flüchtlingswohnheim kann sogar zunächst ohne Bebauungsplan genehmigt werden, weil die Baugesetze mittlerweile vereinfacht wurden, wie Markus Schlecht vom Stadtentwicklungsamt den Bürgern berichtete.

Weil die Firma Aktivhaus in Modulbauweise nach Plänen von Prof. Sobek baut, kann das Gebäude sehr schnell errichtet werden.

Architektin Stephanie Wilke zeigte Pläne. Kleinteilig sollen die Gebäude werden, möglichst viel Privatheit schaffen, und sie werden nur zwei Stockwerke hoch. Später können sie in Wohnungen verwandelt werden.