Winnenden

Stress für Fußgänger und Radler: Schleichwegfahrer bei Winnenden-Höfen

Straßensperren
Schmaler Weg, Fußgängerin mit Kinderwagen und zwei Autos – anstrengende Zustände um die Ruitzenmühle herum. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Spaziergang am Buchenbach wird zum Stress: Alle paar Minuten fährt ein Auto daher, das die Sperrung zwischen Höfen und Birkmannsweiler umgeht. Mit Autos, die so breit sind wie der Radweg selbst, fahren sie von der Ruitzenmühle auf dem Radweg bis zum Aldi, von der Birkmannsweiler Talaue zur Ruitzenmühle oder am Höfener Friedhof vorbei. Es sei ein „Spießrutenlaufen für Fußgänger“, schreibt jemand auf Facebook. Ein Anwohner empfindet es als Lärmbelästigung. Und insgesamt kann man sich nur wundern, dass so viele Autofahrer es riskieren, einen Strafzettel zu bekommen. Denn: Die Städtischen Vollzugbeamten kontrollieren täglich, und an den ersten Tagen waren sie viele Stunden im Gebiet.

Wenn die Spaziergängerin an die Autofensterscheiben klopft ...

Die Wege in der Buchenbachaue locken besonders in Corona-Zeiten täglich viele Winnender zum Spaziergang und viele Radler zur Fahrt in die Stadt und zurück. Selbst in den frühen Nachtstunden nach 19 Uhr spazieren noch etliche mit Hund oder Kindern oder ganze alleine. Abendstille überall, nur am Bach der SUV. Sein Diesel röhrt. Zwei Scheinwerfer blenden den ersten Fußgänger, einen Mann mit Hund. Der stellt sich brav an den Spazierwegrand und hält den Hund knapp an seine Seite. Die Scheinwerfer blenden den nächsten, der auch stehen bleibt. 50 Meter weiter hinten an einer Engestelle bleibt der Geländewagen stehen. Dort ist eine Frau alleine unterwegs. Der Fahrer steigt aus und schreit die Frau an: „Sie klopfen mir nicht noch einmal an die Scheibe.“ „Sie brauchet au ned hier rumfahren“, sagt die Frau. Beide werden lauten. Zur Sicherheit gehen die beiden männlichen Spaziergänger in Richtung Konfliktpunkt. Der Autofahrer brüllt: „Ja, holen Sie ruhig die Polizei. Ich darf hier fahren. Ich bin nämlich der Jagdpächter hier!“ Die Frau erwidert ihm etwas. Die beiden Männer nähern sich und der Jagdpächter fährt davon. Er hatte – das muss man ihm lassen – einen rücksichtsvollen Fahrstil, war langsam gefahren und den Fußgängern ausgewichen.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Strafzettel zu bekommen, ist groß

Aber er ist halt nicht der Einzige. Innerhalb von zehn Minuten begegnen dem Fußgänger an diesem Abend drei Autos und auf dem Radweg gegenüber sieht er fünf Autos herumschleichen. Verwunderlich ist das schon.

Aber zu Beginn der Woche war es noch viel schlimmer, erzählt ein Anwohner. 70 bis 80 Autos habe er am Tag über den Radweg schleichen sehen., darunter auch einen 7,5-Tonner-Lkw, dem eine Frau mit Kinderwagen ausweichen musste. „Teilweise fahren die mit 50 oder 60 Stundenkilometern“, erzählt er. Seit Mitte der Woche trauen sich weniger Autofahrer über die Radwege. Der Anwohner ist dem Ordnungsamt der Stadt sehr dankbar, dass es gründlich kontrolliert.

Täglich von 7 bis 18, manchmal bis 19 Uhr haben die städtischen Kontrolleure anfangs die Schleichwege überwacht. Am Montag und Dienstag waren permanent ein bis zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gebiet unterwegs. Mit dem Abflauen der Verstöße wurde die Kontrolldichte etwas reduziert, es wird aber weiter kontrolliert, berichtet die stellvertretende Leiterin des städtischen Ordnungsamts, Birgit Pfleiderer, auf Anfrage: „Circa 40 Verwarnungen mit Verwarngeld in Höhe von jeweils 20 Euro wegen Befahrens gesperrter Straßen haben wir ausgesprochen.“ In sechs Fällen waren die Kontrolleure gnädig und sprachen nur eine Verwarnung aus, ohne das Girokonto der Betroffenen zu belasten. Die Kontrollen wirken. Seit Mittwoch sind deutlich weniger Autofahrer unterwegs.

Überraschend viele Autofahrer haben eine Sondergenehmigung

Warum gibt es überhaupt noch welche, die bewusst an den Verbotsschildern vorbeischleichen? Vermutlich ist der Leidensdruck der Autofahrer ziemlich groß. Es sind langwierige Umwege zu fahren, wenn jemand nur von Höfen nach Birkmannsweiler möchte. Er muss nach Hertmannsweiler, dann in die Stadt und über die Südumgehung gelangt er zum Ziel. Da ist die Versuchung groß ... Mancher denkt vielleicht, er entlaste die Umwelt, wenn er nur auf kurzer Strecke statt der des langen Umwegs fährt – aber das ist Käse. Von Höfen nach Birkmannsweiler war immer schon – auch ohne die Straßensperre – das Fahrrad das angemessene und umweltgerechte Verkehrsmittel. Warum also fahren trotz allem noch viele Autos? Ein Dutzend Autofahrer wurden angehalten und konnten dann glaubhaft versichern, dass sie auf den Schleichwegen fahren dürfen, weil sie Imker sind oder Landwirte oder Jagdpächter! Auf den Radwegen werden sie auch nach dem 14. März weiter fahren, wenn die Sperrung an der Ruitzenmühle aufgehoben wird.

Der Spaziergang am Buchenbach wird zum Stress: Alle paar Minuten fährt ein Auto daher, das die Sperrung zwischen Höfen und Birkmannsweiler umgeht. Mit Autos, die so breit sind wie der Radweg selbst, fahren sie von der Ruitzenmühle auf dem Radweg bis zum Aldi, von der Birkmannsweiler Talaue zur Ruitzenmühle oder am Höfener Friedhof vorbei. Es sei ein „Spießrutenlaufen für Fußgänger“, schreibt jemand auf Facebook. Ein Anwohner empfindet es als Lärmbelästigung. Und insgesamt kann man sich nur

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