Winnenden

Stromausfall im Regenguss

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Viel los war vor allem unter den Schirmen. © ZVW/Sarah Utz
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Kein Gedränge in der Marktstraße. © Gaby Schneider

Winnenden. Tiefdunkle Wolken haben es angekündigt: Ein Starkregen spülte am Samstagabend nach 20 Uhr das Citytreff-Publikum von den Plätzen. Alle gingen heim oder in Wirtschaften. Alle? Auf dem Domingoplatz blieben noch 20 Unentwegte unter Sonnenschirmen gruppiert stehen. Und die Band Nordaka blieb auch.

Das Einzige, was an diesem Abend noch trocken blieb, war der Wein. Am Stand des Wein-Kulturvereins bestellten etwa zehn Leute immer wieder ein Viertele, ansonsten schlief das Geschäft ein. Es goss wie aus Kübeln. Plötzlich gingen Bühnen-Scheinwerfer aus, die Band war nicht mehr zu hören, und die Kontrolllampe am Weinkühlschrank erlosch. Stromausfall. Das Survivaltraining für 20 unentwegte Citytreff-Besucher auf dem Domingoplatz begann – in aller Gemütsruhe.

Die Band blieb standhaft

Tageslicht kam noch durch die Wolken. Den Weißwein legten sie in einen Kühlbottich mit Eiswürfeln, die gerade eben noch einer vom Wein- und Kulturverein beschafft hatte. Das Fest ging auf Sparflamme weiter. Nur die Musik – die blieb einige Minuten verstummt. Aber die Nordakas sind echte Musiker. Die hören nicht auf, bloß weil nix mehr aus der Steckdose kommt. Der Gitarrist der Nordakas griff seine akustische Gitarre, stellte sich nach vorne an den Bühnenrand, spielte und fing an zu singen.

Das Regenprasseln war fast so laut wie der Musiker, aber allmählich kam er durch und wurde gehört von den 20 verstreuten Zuhörern und von seinen Mitmusikern. Der Trommler, der Saxofonist und der Bassist setzten ein. Manchmal lieh sich einer aus dem Publikum einen Regeschirm und stellte sich direkt an die Bühne, um die Musik zu hören. Leute sangen mit bei „Quantanamera“ und klatschten den Rhythmus. Im Trockenen unter den paar Schirmen auf dem Platz war die Stimmung wie der hellste Sonnenschein.

Das Hauptkabel war weg

Der Regen ließ ein bisschen nach und Leute vom Weinverein riefen einen Citytreff-Manager an, er möge bitte wieder Strom schicken. Der kam und erzählte: „Wir haben in der ganzen Marktstraße keinen Strom. Das geht länger.“ Auch in der Unteren Marktstraße waren Imbissstände ohne Energie. Nichts zu machen.

Ein Elektriker wurde gerufen, der sich um Verteilerkästen kümmerte und feststellte: Das Hauptkabel vom Verteilkasten zum Domingoplatz war weg. Jemand muss es während des Starkregens entwendet haben. Gibt’s das? Konnte das ungesehen geschehen? Wieder eine Viertelstunde später wurden die 120 Meter Hauptkabel gefunden: Ein Imbissbetreiber hatte sie eingerollt und zu sich mitgenommen, um wenigstens seinen Stand wieder mit Strom zu versorgen, was ihm aber nicht gelang.

Kabel reinstalliert. Eingeschaltet. Hurra! Der Strom war wieder da. Nordaka, die integrative, internationale Band aus dem Raum Mannheim-Heidelberg, beschallte den Platz bis in die hintersten Ecken. Und machte erst mal Soundcheck – so ausgiebig, dass sich mancher nach den stromlosen Zeiten sehnte. Aber dann sangen sie Country- und Western-Songs, spielten spanische Lieder, und aus dem Rathaus kam ein Menschenschwarm um den Bürgermeister von Santo Domingo Agùstin Garcia Metola – eine Polonaise formierte sich und tänzelte am Domingoplatz-Bächle entlang. Viele Leute waren’s nicht mehr – aber es wurde noch ein wunderschöner Citytreff-Abend.