Winnenden

Strompreise explodieren: Schlosskirche Winnenden bleibt im Februar und März zu

Kalte Kirchen
In der Stadtkirche hat jemand für die Marktandachten himmelblaue Fleecedecken gespendet – schon im vergangenen Winter. © ALEXANDRA PALMIZI

Die evangelische Kirchengemeinde Winnenden hat zwei sehr alte Kirchen, die sie aber unterschiedlich stark nutzt. Die Stadtkirche an der Wallstraße zum Beispiel wird nur donnerstags für etwa eine halbe Stunde für die Marktandacht geöffnet – und für bestimmte Events zum Spendensammeln für die Mitte Januar beginnende Sanierung. „Um die Unterhaltskosten zu senken, haben wir schon im vergangenen Winter die Stadtkirche nicht mehr beheizt“, sagt Kirchengemeinderatsvorsitzende Doris Bautz. Ohnehin hätte nur ein elektrisch betriebenes Heizgebläse zum Einsatz kommen können. Dieser Stromfresser steht ausgesteckt in einer Ecke der Stadtkirche. Dafür hat jemand schon 2021 hellblaue Fleece-Decken gespendet, die auch dieses Jahr wieder über den Stuhllehnen für die Gäste bereitliegen.

Grenzwertig: Elf Grad Celsius bei einem Kindergottesdienst

In der Energiekrise sah sich die Kirchengemeinde nun jedoch gezwungen, auch in der Schlosskirche Strom und damit bares Geld zu sparen – „Geld, das wir einfach nicht in der Rücklage haben“, wie Doris Bautz sagt. Nur noch für Konzerte wurden die Nachtspeicheröfen im Herbst hochgedreht. Fielen sie auf einen Samstagabend, war's auch am Sonntagmorgen noch einigermaßen erträglich im steinernen Gewölbe. „Kürzlich bei einem Kindergottesdienst hatten wir aber nur elf Grad“, berichtet Doris Bautz von grenzwertigen Bedingungen.

Wichtiger Tipp für Heiligabend: Decke und eventuell Wärmflasche selbst mitbringen

Decken stellt die Kirchengemeinde in der Schlosskirche nicht zur Verfügung: „Beraten haben wir darüber, aber wegen der Hygiene und wer die Decken dann irgendwann waschen wird, haben wir entschieden, dass jeder Gottesdienstbesucher seine eigene Decke mitbringen soll.“ Doris Bautz selbst hatte kürzlich sogar eine frisch mit heißem Wasser gefüllt Wärmflasche dabei – „das war sehr angenehm“, erzählt die Kirchengemeinderatsvorsitzende lachend. Und auch Pfarrer Philipp Essich predigte mit Mütze auf dem Kopf, um sich nicht zu erkälten.

Ein neuer Schlag für die Kirchenmusik: Schlosskirche im Winter geschlossen

In der jüngsten Beratungsrunde des Kirchengemeinderats ging es wieder ums Thema Energiesparen: „Drosseln wir die Heizung, weil niemand in einen Gottesdienst in einer eiskalten Kirche kommt? Oder schließen wir die Schlosskirche für eine Weile komplett?“ Die Entscheidung sieht nun folgendermaßen aus:

  • Die Weihnachtsgottesdienste finden wie gewohnt in der Schlosskirche statt. „Mit vielen Leuten wird es auch wärmer“, so Doris Bautz über das physikalische Gesetz, nach dem jeder Mensch etwa 100 Watt „Leistung“ bringt.
  • Im Januar bleibt die Schlosskirche für alle bereits vereinbarten feierlichen Gottesdienste (unter ihnen auch die Einsetzung der neuen Pfarrerin Heike Bosien) und Konzerte wie das Jubiläum des Posaunenchors geöffnet.
  • Im Februar und März und voraussichtlich auch wieder im November und Dezember 2023 wird die Kirchengemeinde auf die Nutzung der schönen Kirche mit dem Jakobusaltar verzichten. „Das ist entsetzlich für die Kirchenmusik vor allem der Winnender Kantorei, die nur dort möglich ist“, sagt Doris Bautz. „Wie das genau gehen könnte, müssen wir noch mit unserem Kantor Herrn Paulus klären.“ Nach vielen pandemiebedingten Konzertausfällen ist das ein neuerlicher Schlag ins Kontor der Kultur.
  • Für Gottesdienste ist an den Wochenenden in den Wintermonaten das Paul-Schneider-Haus im Hungerberggebiet das Ausweichquartier. „Es hat eine mit Gas betriebene Fußbodenheizung, ist nicht so groß und so alt wie die Schlosskirche“, erläutert Doris Bautz.

Diskutiert wurde zwar, ob das Albrecht-Bengel-Haus in der Innenstadt nicht das bessere Ausweichquartier sei. „Aber man müsste dort genauso nur für ein paar Stunden den großen Saal beheizen, alles hochfahren. Das wäre unverantwortlich“, meint Bautz. Besser sei es, sich samstags und sonntags auf einen Ort zu konzentrieren. Und im Schelmenholz gibt es ja auch noch das Christophorushaus.

Die Stromrechnung wäre ohne die beschlossene Veränderung verheerend

Wie hoch genau der Stromverbrauch in der Schlosskirche ist, ließ sich gar nicht so genau ermitteln, da Vergleiche mit den Coronajahren hinken würden, so Bautz. „Aber wir haben im Jahr 2021 10.000 Euro für Strom bezahlt. Die Prognose für 2023 ist, wenn alles so weiterlaufen würde wie früher, dass wir 30.000 bis 40.000 Euro bezahlen müssten. Auch, weil der Nachttarif unseres Stromversorgers nächstes Jahr nicht mehr angeboten wird.“

Die evangelische Kirchengemeinde Winnenden hat zwei sehr alte Kirchen, die sie aber unterschiedlich stark nutzt. Die Stadtkirche an der Wallstraße zum Beispiel wird nur donnerstags für etwa eine halbe Stunde für die Marktandacht geöffnet – und für bestimmte Events zum Spendensammeln für die Mitte Januar beginnende Sanierung. „Um die Unterhaltskosten zu senken, haben wir schon im vergangenen Winter die Stadtkirche nicht mehr beheizt“, sagt Kirchengemeinderatsvorsitzende Doris Bautz. Ohnehin

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