Winnenden

Stundenlang mit 30 anderen im Reisebus sitzen? Marianne Römer berät Skeptiker mit einem Luftfilter-Muster

Römer reisen
Marianne Römer, Geschäftsführerin des Winnender Gruppenreisen-Spezialisten. © Benjamin Büttner

Mit jeder voll wirksamen Zweitimpfung stellt sich ein Gefühl von Freiheit und Sicherheit ein. Da kann auch die Reiselust wieder erwachen. Man kann sich ins Auto setzen und ein Ziel ansteuern. Doch wenn man mit dem Zug fahren will, oder, noch weniger individuell, dafür bequemer, weil angeleitet und vorab organisiert: mit einer Gruppe im Reisebus. Geht das? Mit so vielen Leuten stundenlang auf engem Raum beieinander? Marianne Römer kennt die Skepsis. Sie ist bei jedem Kundengespräch Thema. Je nach Ziel ist das Durchschnittsalter der Gruppe 50 bis 60 Jahre, bei Städtereisen etwas jünger als bei Urlaubsreisen in die Alpen. „Die Leute trauen sich zwar nun Gott sei Dank wieder mehr“, sagt Marianne Römer. Gleichwohl hat sie sich mit wissenschaftlichen und technischen Erklärungen gewappnet, um die Leute zu überzeugen.

Bei großer Hitze setzt die Frischluftzufuhr aus

Zunächst mal verlangt sie von jedem Gast einen der 3-G-Nachweise. An den Buszugängen sind Desinfektionsmittelspender angebracht. Und noch ist es so, dass während der Fahrt alle, bis auf den Fahrer, ihre Maske aufbehalten. Die Sitzreihen sind zwar in großzügigem Abstand zueinander angebracht, aber eben nicht zwei Meter auseinander.

„Dazu kommt aber noch, dass in unseren Bussen ein schneller Luftaustausch stattfindet.“ Marianne Römer ist vom Hersteller Evo-Bus, der größten europäischen Tochterfirma von Daimler, mit Schaubildern versorgt worden. Sie zeigen: Die Lüftungs- und Klimasysteme in den Fahrzeugen führen über Dachboxen vorne und hinten frische Luft zu, die über die Klimaanlage und Düsen über den Sitzen verteilt wird. Am Boden des Busses wird sie gleich wieder abgeführt. Je nach Außen-Temperatur daure der Luftwechsel eine Minute (acht bis 24 Grad Celsius) oder drei Minuten (höher als 24 Grad, weniger als acht Grad). Wird es über 35 Grad heiß oder drückt der Fahrer in einem Tunnel die Smog-Taste oder steht der Bus im Stau, ist allerdings kein Luftaustausch möglich. Das kennt man vom Autofahren, das entlastet die Klimaanlage.

Zusätzlich Aktivfilter über den Sitzen eingebaut

Deshalb, „um noch mehr Sicherheit zu haben“, sagt Marianne Römer, haben sie und ihr Mann Aktivfilter über jedem Sitzplatz eingebaut. Sie sind dick wie ein 200-seitiges Buch, aus gefaltetem, leichtem Material und für den Fahrgast nicht sichtbar. Ein Muster zum Anfassen liegt bereit, samt Merkblatt: „Die Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahmen bestätigt der Untersuchungsbericht des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin“, schreibt Daimler darauf.

Leva Omnibusreisen: „Langsam aber sicher rollt’s wieder“

„Auch meine Busse sind mit den zusätzlichen Virenfiltern ausgestattet, Zeit genug zum Umrüsten hatten wir ja“, sagt Wolfgang Leva von der gleichnamigen Busfirma, der am Mittwoch mit einer Gruppe zur Landesgartenschau nach Überlingen gefahren ist. „Das Land hat uns Unternehmern dafür einen Zuschuss gegeben.“ Zunächst durfte nur die Hälfte der Sitzplätze belegt werden, inzwischen sind die Regeln lockerer. Trotzdem bleiben auch manche von Levas  Kunden skeptisch, entweder wegen der Delta-Variante, oder weil sie sich mit der Maske während der Fahrt nicht anfreunden können. Doch das bekümmert Wolfgang Leva nicht. Er ist einfach froh, dass die Räder nicht mehr stillstehen. „Wir waren lange genug daheim eingesperrt. Langsam aber sicher rollt’s wieder.“

Ein bisschen Nachfrage war immer, trotzdem wurde viel storniert

Trotz Lockdown, ein paar Optimisten unter den Stammgästen hatten sich für Reisen an Ostern, Pfingsten oder jetzt im Juli nach Irland angemeldet. Doch Römer Reisen musste vieles absagen, sogar Irland. Denn: „Wenn die Hotels ihre Stornofrist nicht verlängert haben und wir bis dahin einfach noch nicht wussten, ob wir fahren können oder nicht, wäre das Risiko für uns einfach zu groß gewesen“, sagt Marianne Römer. Die zehntägige Irland-Reise ist nun um ein Jahr verschoben. Dafür rücken andere Ziele wieder in greifbare Nähe.

Zum Beispiel Wien. Nach acht Monaten Reiseverbot hat es sich das Ehepaar Römer nicht nehmen lassen, die erste Gruppe selbst zu begleiten. Mitte Juni steuerte Harald Römer den Vier-Sterne-Setra in die österreichische Hauptstadt, Marianne Römer war für die vier Tage die Reiseleiterin. „Wir kamen uns vor wie Könige“, schwärmt sie von freundlichen Bedienungen in den Lokalen und freiem Zugang bei den typischen Touristen-Anlaufstellen. Warteschlange? Gedrängel vor kleinen Museumsbildern und Vitrinen? Fehlanzeige.

Klar: Alle anderen Touris, die sonst die Städte fluten und die Nerven der Kellner strapazieren, verkneifen sich derzeit noch die Fernreise, bleiben daheim in den USA oder in Asien oder wählen ihnen näher liegende Ziele. „Wir haben es sehr genossen, dass so wenig los war“, sagt die Geschäftsführerin des Unternehmens. „Wir konnten sogar ein Foto vom Bus vor Schloss Schönbrunn machen“, berichtet Marianne Römer von einem Umstand, der in normalen Zeiten nicht mit tausend Ausnahmegenehmigungen möglich gewesen wäre. Jetzt mussten sie sogar direkt vor der herrschaftlichen Kulisse parken, denn: „Die Busparkplätze werden gerade als Teststraße genutzt.“

Städtereisen sind zurzeit viel entspannter als früher

Nach dieser Erfahrung kann die Chefin weitere Städtereisen nur empfehlen. Fast nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann? Rom und Prag stehen bei ihr dieses Jahr noch auf dem Programm, und auch die Bundesgartenschau in Erfurt wird sicher entspannt. „Weit weg von zu Hause wollen die Kunden gerade sowieso nicht.“ Römers lassen Hochrisikogebiete wie Portugal, Türkei und Großbritannien außen vor und planen lieber Urlaubsziele in der Schweiz, in Italien, in Deutschland und Österreich. „Es war in Wien vom Umgang miteinander und von der Hygiene her wie hier auch, wir fühlten uns total sicher.“

Mit jeder voll wirksamen Zweitimpfung stellt sich ein Gefühl von Freiheit und Sicherheit ein. Da kann auch die Reiselust wieder erwachen. Man kann sich ins Auto setzen und ein Ziel ansteuern. Doch wenn man mit dem Zug fahren will, oder, noch weniger individuell, dafür bequemer, weil angeleitet und vorab organisiert: mit einer Gruppe im Reisebus. Geht das? Mit so vielen Leuten stundenlang auf engem Raum beieinander? Marianne Römer kennt die Skepsis. Sie ist bei jedem Kundengespräch Thema. Je

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