Winnenden

Suche nach Bankräuber dauert an

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Der Winnender Täter ist trotz Fahndung direkt nach dem Überfall unerkannt entkommen. Symbolbild. © Büttner / ZVW

Winnenden. Bankräuber kommen meist nicht weit. Die Mehrheit wird geschnappt. Noch zählt der Täter, der am 30. Januar die Volksbankfiliale in der Winnender Marktstraße überfallen hat, nicht zur Mehrheit: Die Polizei sucht ihn noch. Unterdessen arbeitet die Volksbank an einem Konzept, um nach dem zweiten Überfall auf diese Filiale bauliche Veränderungen auf den Weg zu bringen.

Kurz nach halb neun an jenem Dienstagvormittag betrat der Unbekannte die Winnender Filiale, bedrohte eine Angestellte mit einer Waffe und floh mit mehreren Tausend Euro.

Vor Gericht wird es eine Rolle spielen, ob die Waffe echt war oder nicht. Selbst ein Kenner kann den Unterschied oftmals nur dann feststellen, wenn er die Waffe in der Hand hält. „Strafverschärfend“ dürfte es sich auswirken, sollte es sich um eine echte Waffe gehandelt haben, erläutert Pressestaatsanwalt Jan Holzner. Der Tatbestand selbst bleibt derselbe, unabhängig davon, ob ein Täter eine echte oder eine täuschend echt aussehende Waffe benutzt: Nach einem Banküberfall geht es vor Gericht um schweren Raub oder schwere räuberische Erpressung. Die Unterschiede spielen nicht nur für Juristen eine Rolle: Ein Raub liegt vor, wenn ein Täter selbst in die Kasse greift. Um räuberische Erpressung handelt es sich, wenn der Kriminelle jemand anders zwingt, ihm das Geld zu reichen.

Das Strafmaß ist in beiden Fällen dasselbe: Nicht unter fünf Jahre, sofern eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug zum Einsatz kommt.

Ein Großteil der Bankräuber wird gefasst

Ob der flüchtige Winnender Räuber jemals vor Gericht steht, wird sich zeigen. Die Angaben darüber, wie viele Banküberfälle aufgeklärt werden, schwanken; die Quote liegt zwischen 70 und 80 Prozent.

Erst vor rund einem Jahr und zwei Monaten ist die Winnender Volksbankfiliale in der Marktstraße schon einmal überfallen worden. Bereits zwei Tage nach dem Überfall nahm die Polizei seinerzeit einen 19-jährigen Kosovaren fest. Ein Foto aus einer Überwachungskamera, das die Polizei veröffentlicht hatte, führte auf die Spur des Mannes.

Diesmal lag noch schneller als beim Überfall 2016 ein Foto vor. Weniger als acht Stunden nach der Tat wandte sich die Polizei mit einer Öffentlichkeitsfahndung an die Bürger: Auf Fotos war ein dunkel gekleideter Mann mit dunkler Brille zu sehen.

Ermittlungen dauern an, Details bleiben unter Verschluss

Es folgten diverse Hinweise – doch bisher hat noch keiner zum erhofften Erfolg geführt, berichtet Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier. Die Ermittlungen dauern an. Details bleiben unter Verschluss, damit der Täter keine Informationen erhält, die er zu seinen Gunsten nutzen könnte.

Dasselbe gilt natürlich für einen Banküberfall, der sich im Landkreis Schwäbisch Hall abgespielt hat und der ebenfalls noch nicht aufgeklärt ist: Am Nachmittag des 4. Dezember 2017 hatte ein Unbekannter die Filiale Teurershof der Sparkasse Schwäbisch Hall/Crailsheim betreten. Er sprang laut Polizei am Kassenschalter auf den Tresen und bediente sich mit Bargeld in fünfstelliger Höhe. Währenddessen bedrohte der Mann eine Bankangestellte mit einer silberfarbenen Pistole. Laut Rudolf Biehlmaier gibt es keine Anhaltspunkte, dass zwischen den beiden Taten ein Zusammenhang bestehen könnte.

Volksbank Stuttgart zieht Konsequenzen: Filiale wird baulich verändert

Was auch immer die Ermittlungen in beiden Fällen ergeben – die Volksbank Stuttgart zieht Konsequenzen. Nach den zwei Überfällen innerhalb relativ kurzer Zeit „wird die Filiale in Winnenden baulich verändert“, kündigt Volksbanksprecher Matthias Layher an. Einzelheiten stehen noch nicht fest.

Beispielsweise in Frankreich gehören bewaffnete private Sicherheitskräfte zum gewohnten Straßenbild. An Bahnhöfen, vor Behörden oder Banken patroullieren sie. Ein Modell auch für Deutschland?

Matthias Layher hegt große Zweifel: „Ich bin mir nicht sicher, wozu das führen kann, wenn eine Situation eskaliert.“ Ein seinerseits bewaffneter Gewaltverbrecher trifft auf einen ebenfalls bewaffneten Sicherheitsdienst: Das könnte schlimm enden, fürchtet Layher.


Kaum zu glauben

Offenbar hat sich herumgesprochen, dass in Bankfilialen viel weniger Bargeld griffbereit lagert als früher. Die Zahl der Banküberfälle geht bundesweit seit Jahren zurück.

Kuriose Fälle gibt’s trotzdem immer wieder: In Hannover ist ein Bankfilialleiter zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte einen Überfall auf seine Filiale arrangiert.

Über einen offenbar eigenhändig gebuddelten, 45 Meter langen Tunnel gelangten Einbrecher vor ein paar Jahren in den Schließfachraum einer Volksbankfiliale in Steglitz, räumten dort Fächer leer und verschwanden unerkannt.