Winnenden

Tanzspaß trainiert auch das Köpfchen

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„Und denkt dran, lächeln!“, ermuntert Trainerin Christine Franzke (3. von links) die Tänzer, wenn sie durch die Konzentration auf die neuen Schritte, Hüpfer und Wischer allzu ernst gucken. © Ramona Adolf

Winnenden-Höfen. Die Gemeindehalle ist voll belegt an diesem Dienstagabend. In der Halle sporteln junge Frauen, im kleinen Saal singen welche – und aus dem Keller dringt Pop-Musik. Eine Treppe tiefer tanzen Frauen und Männer in Reihen hinter- und nebeneinander, jeder für sich und doch alle die gleichen Schritte. Sie schütteln mit Linedance die Wintermüdigkeit aus ihren Knochen.

Video: Tanztraining der Haycreek-Dancers in Winnenden-Höfen.

Mit einfachen, bekannten Schrittfolgen geht’s los, wie bei jedem Sport wärmen sich die Tänzer erst mal auf. Nacheinander sind Popsongs, Boogie und auch mal ein Country-Lied zu hören. Nach drei Songs legen die meisten ihre Jacken ab, der Blutkreislauf zwischen Zehen- und Haarspitzen ist in Schwung gekommen. In der kleinen Trinkpause greifen die Tänzer zu ihren Wasserflaschen statt zu „Whiskey aus dem Krug“ wie im gerade gehörten Lied.

Ein fester Tanzpartner wird nicht gebraucht

Ute aus Winnenden ist seit drei Jahren dabei, ihre Nachbarin hat sie eingeladen, mitzukommen. „Ich habe früher nicht getanzt. Die Bewegungen zur Musik machen mir Spaß – und Muskelkater habe ich noch nie bekommen.“ Relativ neu dabei ist Justin, zwölf Jahre alt, der als Jüngster und mit seinen roten Turnschuhen auffällt. „Ich hab’ erst angefangen. Meine Eltern und meine Schwester tanzen schon länger, da will ich’s auch mal probieren.“

Das Schöne an Linedance ist, dass man keinen festen Tanzpartner braucht. „Es geht schon mit acht Leuten, da kann man sich auch mal aufteilen und gegengleich laufen“, beschreibt Trainerin Daniela Schmid aus Schwaikheim die Variationsmöglichkeiten für Fortgeschrittene.

Für Christine Franzke ist Linedance zum Lebensinhalt geworden

Den aus der amerikanischen Country- und Westernszene kommenden Reihentanz beschreibt Trainerin Christine Franzke aus Winnenden als Breitensport im Gegensatz zum wettkampforientierten, strengeren Standard- und Lateintanz, den sie früher gemacht hat. „Mein Mann hatte dazu keine Lust, aber ich wollte mich nach dem Kinderkriegen wieder bewegen und mag einfach die Musik.“ Sie fing 2004 mit Linedance an und machte ihren Trainerschein, war lange in Schwaikheim aktiv. Ihr Mann und die Kinder stiegen auch ein, inzwischen ist Linedance für die 51-jährige Sekretärin der Winnender Albertville-Realschule sozusagen Lebensinhalt. Unter der Woche gibt sie bis zu sechsmal Unterricht, am Wochenende gehen sie und ihr Mann zu Linedance-Partys.

Der eiernde Skate-Schritt fällt den meisten anfangs schwer

Inzwischen ist ein in der Winterpause in Teilen vergessener Tanz aufgefrischt und ein neuer einstudiert. Die ersten Schweißtropfen sind auf Gesichtern zu sehen. Daniela Schmid empfiehlt grundsätzlich, Körperspannung aufzubauen: „Das ist gut für die Balance und die Außenwirkung.“ Wer den Rücken gerade hält und den Bauch einzieht, aktiviert bekanntlich die berühmte tiefere Muskulatur. „Und die Hände dürfen nicht in die Hosentasche“, sagt Christine Franzke. „Da würde man ja alles zumachen.

Aber wir wollen offen wirken.“ Die Arme hängen bei den wenigsten gerade runter, die meisten nehmen sie immer entsprechend ihren Bewegungen mit, nach vorne, zur Seite, nach hinten, und vor allem beim Hüpfen. Pardon, „hitch“ heißt der Schrittsprung in der Fachsprache. Bei „brush“, zu Deutsch „Bürste“, schrubbt man mit dem Fußballen über den Boden. „Ja, beim Linedance lernt man zugleich auch Englisch“, sagt Christine Franzke lachend. Viele der Bewegungsanweisungen seien aber identisch mit Aerobic-Kommandos.

Jetzt fehlt bloß noch die Lachmuskulatur – der ernste oder auch neutrale Blick fällt bei vielen Tänzern auf. „Das ist, solange sie sich auf die neuen Schritte konzentrieren“, nimmt Christine Franzke ihre Leute in Schutz. „Schritte wie der Skate, wo man so den Fuß nach außen eiernd dreht, kommen ja nicht im Alltag vor. Da tut man sich beim Lernen schwerer. Aber deshalb ist Tanzen ja auch so gut – es hilft dem Gehirn beim ,Synapsieren’.“ Sie lacht und beobachtet das Trüppchen. Sie stichelt: „I hab’ no koin mit Rentenschein g’seha. Nur die dürfen den Skate einfacher machen“, erinnert sie an das anfangs gemachte Angebot.

Linedance-Party und Jugendgruppe

  • Seit fünf Jahren gibt es in Winnenden die Haycreek-Dancers, aus einem kleinen Grüppchen mit fünf Tänzern sind 20 Mitglieder geworden, die nicht nur aus Winnenden, sondern auch aus Backnang und Rudersberg kommen.
  • Der Name Haycreek-Dancers stammt vom ersten Trainingsort der Gruppe im Saal des Landhauses Heubach (englisch Haycreek) in Birkmannsweiler.
  • Das Training für Erwachsene ist dienstags um 19.30 Uhr im Gymnastikraum (Untergeschoss) der Gemeindehalle Höfen-Baach.
  • Es gibt auch die Haycreek-Twisters: Für Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren findet die Übestunde freitags um 16.30 Uhr ebenfalls im Gymnastikraum der Gemeindehalle Höfen statt. Neue Gesichter sind jederzeit willkommen. Die Kinder dürfen die Lieder selbst aussuchen.
  • Infos zu beiden Gruppen bei den Trainerinnen Christine Franzke unter ) 01 72/6 25 39 88 oder Daniela Schmid unter ) 0 71 95/5 12 02. Neu ab 19. Januar wird Linedance mit Christine Franzke bei der Tanzschule Monro in Winnenden angeboten. Dienstagnachmittags unterrichtet sie neun Ganztagsschüler der Albertville-Realschule und später Kursteilnehmer beim TSV Leutenbach.
  • Statt zu Auftritten oder gar Wetttkämpfen gehen Linedancer am Wochenende in der Regel zu Partys und tanzen gemeinsam. Daher halten sich alle an die gleichen Choreografien zu bestimmten Liedern.
  • Zur „Flower Power Linedance-Party“am Samstag, 29. April, laden die Haycreek-Dancers heute schon ein. Sie findet in der Gemeindehalle Höfen-Baach an der Talstraße 15 statt, der Eintritt beträgt fünf Euro, Karten gibt’s bei den Trainerinnen, bei Steffen Franzke unter ) 01 73/3 00 71 37 oder in Schwaikheim bei Uwe’s Radl-Service. Linedance-Gruppen sollten sich bis 9. April anmelden und ihre Tanzwünsche durchgeben unter Haycreek-linedance@gmx.de.