Winnenden

Tempo 30 auf Hauptstraßen?

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Berglen/Schwaikheim. Tempo 30 bei der Nachbarschaftsschule? Die Frage sorgt bei den Neuntklässlern, die an der Haltestelle gegenüber auf den Bus warten, für Heiterkeit. Auch die Lehrerin, die sie begleitet, Aufsicht hat, glaubt nicht so recht dran. Da ist sie sich mit den Schülern einig: Es wäre schon gut, wenn sich die Autofahrer ans vorgeschriebene Tempo 50 halten würden.

Nun gut, direkte Gefahr besteht nicht, weil die Schüler zur Haltestelle die Unterführung der Kreisstraße nehmen sollen, ja müssen. Dass sie sich nicht immer dran halten, daraus machen die Neuntklässer aber auch kein großes Geheimnis. Die Grundschüler, die eine Stunde später kommen, marschieren allerdings alle brav unten durch, auch ohne Aufsichtslehrer. Die allermeisten Zahlen, die derweil auf der Geschwindigkeitsanzeigetafel nach der Bushaltestelle aufleuchten, zeigen allerdings auch, dass es bereits mit Tempo 50 nicht gerade zum Besten bestellt ist.

Nachweis auf Gefahrenstellen ist nicht mehr erforderlich

Tempo 30 an der Sternschule, zumindest die Möglichkeit dazu, eröffnet eine Änderung der Straßenverkehrsordnung. Bislang mussten Kommunen für Kreis-, Landes- und Bundesstraßen, die an Schulen oder Kindergärten vorbeiführen, nachweisen, dass dort Gefahrenstellen sind. Dieser Nachweis ist nun nicht mehr erforderlich.

Bürgermeister Maximilian Friedrich verweist zu möglichen Anträgen aus Berglen darauf, dass der Erlass, wie die Änderung umzusetzen ist, noch aussteht. Es ist nämlich noch zu klären, ob Tempo 30 auch dort gelten soll, wo der Eingang der Schule oder des Kindergartens nicht zu der betreffenden Straße hin liegt.

Nur in Vorderweißbuch liegt der Eingang zur Ortsdurchfahrt hin

So liegt zwar das Kinderhaus an der Steinacher Ortsdurchfahrt beziehungsweise Landesstraße, aber der Eingang ist an der Silberpappelstraße, eine Wohnstraße, die ohnehin Tempo-30-Bereich ist. Gleiches gilt für den Kindergarten Pusteblume in Rettersburg und den dortigen Auwiesenweg, ebenso für den Kindergarten Rappelkiste in Oppelsbohm und die Leharstraße. Beim Kindergarten Wirbelwind in Vorderweißbuch geht allerdings der Eingang zur Belchen- beziehungsweise Kreisstraße raus. Hier sieht Friedrich denn auch am ehesten eine unmittelbare Notwendigkeit für Tempo 30.

Der Eingang der Steinacher Schule liegt in einem Tempo 30-Bereich, aber auch an ihr führt direkt die Landesstraße vorbei. Bei der Nachbarschaftsschule ist es, wie gesagt, die Kreisstraße, aber dort gibt es eine Unterführung.

Bei der Nachbarschaftsschule rechnet Friedrich nicht mit Tempo 30

Friedrich versichert, die Gemeinde werde grundsätzlich für alle betreffenden Straßenabschnitte an diesen Standorten, bei denen es möglich sei, Anträge auf Tempo 30 stellen. Bei der Nachbarschaftsschule rechnet er allerdings nicht mit einem Erfolg. Die liege schließlich nicht innerorts und es sei ohnehin schwierig genug gewesen, in ihrem Bereich auf der Kreisstraße von Tempo 70 auf Tempo 50 runterzukommen. Wichtig sei vor allem, dass die Einhaltung des Limits dort regelmäßig kontrolliert wird. Dies geschehe tatsächlich. Für Rettersburg wäre aus seiner Sicht allerdings in der Ortsmitte, weil die Ortsdurchfahrt kurvig-unübersichtlich ist, nicht nur wegen des Kindergartens, sondern auch wegen des Bürgerhauses Tempo 30 durchaus sinnvoll.

Schwaikheimer Bürgermeister: Thema bei nächster Verkehrsschau

In Schwaikheim verweist Bürgermeister Gerhard Häuser auf Nachfrage zunächst auf die Zuständigkeit der Straßenverkehrsbehörde, also des Landratsamtes. Die Gemeinde werde aber die Möglichkeit, die sich durch die Änderung ergebe, aufgreifen, zusammen mit Landratsamt und Polizei in der Verkehrskommission im Rahmen der nächsten Verkehrsschau prüfen und dann im Gemeinderat beraten.

Die Kindergärten und die beiden Schulstandorte lägen aber ohnehin an Gemeindestraßen und damit in Tempo-30-Abschnitten oder -zonen, so Häuser. Die Änderung betreffe ja nur klassifizierte Straßen, für die die Gemeinde keine eigene Zuständigkeit habe.

Leutenbach: von der Neuerung nicht betroffen

Auch im Leutenbacher Rathaus wird zunächst auf die Zuständigkeit des Landratsamtes für die entsprechende Anordnung von Tempo 30 verwiesen. Überall, wo Schulen und Kindergärten sind, gelte bereits Tempo 30, weil es sich dort um Wohnstraßen handle, für die die Gemeinde zuständig ist, so Hauptamtsleiter Jakob Schröder. Die Änderung betreffe also Leutenbach nicht. Die Ausnahme sei die neue Krippe in Nellmersbach. Die Verwaltung sehe den Bedarf für Tempo 30 aber eher an anderer Stelle in der dortigen Ortsdurchfahrt, an der Bahnhofstraße, wo es wegen parkender Autos immer wieder zu gefährlichen Situationen komme. Tempo 30 wäre eigentlich auch angebracht in der Leutenbacher Ortsdurchfahrt im Bereich um das Rathaus, so Schröder weiter. In der Ortsdurchfahrt Weiler zum Stein will die Gemeinde ohnehin schon seit langem Tempo 30, bislang vergeblich. Bei all diesen Wünschen beiße Leutenbach aber bislang im Landratsamt auf Granit, so Schröder.

Tempo 30 könnte auch vor Altenheimen angeordnet werden. Aber auch die bestehenden Haus-Elim-Standorte in Leutenbach und Nellmersbach liegen bereits in Tempo-30-Bereichen, ebenso wird das für den kommenden in Weiler zum Stein im Neubaugebiet Schafäcker gelten. Das Gleiche gilt für Haus Elim in Schwaikheim und das Alexanderstift in Oppelsbohm.