Winnenden

Testpflicht schwindet: Bieten die Teststationen in Winnenden nun weniger Termine an?

Drive-In-Testzentrum
Auf dem Stadionparkplatz kann man sich im Auto sitzend testen lassen. © Gabriel Habermann

Die Inzidenz ist erfreulicherweise unter 35 gesunken. Damit ist für manche Bereiche eine Schnelltestpflicht für nicht Geimpfte oder nicht Genesene ausgesetzt – in der Außengastronomie braucht man keinen Nachweis für einen Negativ-Befund, nicht im Freibad, nicht beim Einkaufen und nicht bei Sporttrainings und Veranstaltungen im Freien. Was aber ist, wenn ich auf der Terrasse eines Restaurants sitze und es fängt an zu regnen? Dann möchte man gern nach drinnen wechseln und seinen Rostbraten weiteressen. Oder man ist in einem Restaurant zu einem größeren Geburtstag eingeladen. Oder man willl verreisen. Oder endlich mal wieder zur Kosmetik. Oder einfach jeden Tag sichergehen, dass man niemanden unbewusst ansteckt. Dann möchte man weiterhin schnell und unkompliziert an einen Test kommen. Geht das? Oder fangen die wie Pilze aus dem Boden geschossenen Teststationen bald mit dem Abbau an?

Das wäre schade für alle, die schon eine gewisse Routine entwickelt, den Plan für den Tag mit einem Termin im Testzentrum verbunden haben. Am meisten Auswahl hat man auf dem Portal des Rems-Murr-Kreises, wo man 160 Anlaufstellen findet (www.rems-murr-kreis.de/schnelltest).

In Winnenden ist dort die Apotheke am Torturm von Ingrid Hecht-Hatzis registriert, mit Zeltstationen in Hertmannsweiler, Birkmannsweiler und auf dem Stadionparkplatz an der Albertviller Straße („Drive in“, das heißt, man bleibt im Auto sitzen). Mit ihrer „Apotheke Berglen“ hat sich Ingrid Hecht-Hatzis im derzeit geschlossenen Restaurant des Vereinszentrums des SSV Steinach-Reichenbach einrichten dürfen.

Ingrid Hecht-Hatzis: Apotheke am Torturm ist in ihrer Planung flexibel

„Durch die Urlaube nach Pfingsten ist erst einmal ein richtiger Hype entstanden“, sagt die Apothekerin, deren Sohn Philipp ihr damit während seines Vertriebsingenieursstudiums stark unter die Arme greift: „Er testet und teilt die Leute ein“, zeigt sie sich darüber ungemein froh. „Ohne die Cosan-App des Landkreises wäre es für uns nicht so einfach. Dadurch sind wir, was den Datenschutz angeht, rechtlich abgesichert.“ Kontrolliert worden ist sie bisher nicht. „Wir geben den Einkaufspreis für einen Test an, der darf sechs Euro nicht überschreiten, und zurzeit bekommen wir für die Durchführung eines Tests fix zwölf Euro. Die Kassenärztliche Vereinigung ist aber dran, das günstiger zu machen“, hat Hecht-Hatzis vernommen.

Dass Philipp Hatzis die Zelte bald wieder abbrechen wird, glaubt die Apothekerin nicht: „Es gibt Tätigkeiten, wo Ungeimpfte einen Schnelltest brauchen, und manche reden schon von einer vierten Welle im Herbst. Klar ist aber auch, dass das Ganze auf Abruf ist. Wir sind da flexibel.“ Zwei Wochen im Voraus geben die Apotheken ihre Testtermine ins Portal ein.

Wenn der Bedarf wieder steigen sollte, die Inzidenz über 35 klettert und wieder mehr Tests nötig werden, geht da in der anderen Richtung auch noch was, könnten sie dann noch mehr Termine anbieten? „Ja. Wir können die Taktung enger machen und das Personal aufstocken.“ Kommt jemand ohne Anmeldung und will sein Testergebnis auf Papier ausgedruckt mitnehmen, geht auch das, aber in kleinem Umfang: „Von 100 können wir vielleicht drei bis vier ohne Termin bedienen, sind es mehr, kommt aber der Zeitplan durcheinander“, so Hecht-Hatzis.

Noah Schäftlmeier: "Wir bleiben bis zum Abschwächen der Pandemie"

Auch die Stadt Winnenden sieht noch keinerlei Anzeichen, dass sie ihr Testangebot in der Alten Kelter reduzieren müsste. Termine unter www.winnenden.de.

Weitere Schnellteststationen in Winnenden haben eigene Registrierungsportale. Auf dem Obi-Parkplatz bekommt man über www.c2testcenter.com Termine, auf dem Marktplatz bucht man sich über www.schnell-coronatest.de ein. Wer Zeit zu warten hat, versucht es dort ohne Termin. Der Container bleibt bis auf weiteres stehen, wie Noah Schäftlmeier von Minessa Medical unserer Zeitung auf Nachfrage sagt. Auch er sieht „bisher keine deutliche Reduktion der Testzahlen“. Und wenn doch, würde er die Testzeiten einschränken? „Aktuell haben wir keine derartigen Planungen. Wir sehen uns auch als Dienstleister der Gesundheitsbehörden, der seine Standorte bis zu einem wirklich nachhaltigen Abschwächen der Pandemie betreibt und nicht hektisch der Volatilität des Pandemieverlaufs folgt“, schreibt Noah Schäftlmeier per E-Mail.

Im kurzen Telefongespräch zuvor wunderte er sich nicht über die Frage, die nun folgt: Wurde Minessa Medicals Abrechnung bereits geprüft? „Wir werden regelmäßig von den zuständigen Gesundheitsämtern kontrolliert. Unser Geschäftsmodell und unsere Abrechnungen sind aber vollkommen transparent und revisionssicher, so dass wir die derzeitige Diskussion um die Testcenter als Chance für zuverlässige und seriöse Anbieter sehen“, sagt der in Winnenden aufgewachsene und derzeit in Koblenz Betriebswirtschaftslehre studierende 20-Jährige. Sein Ziel ist, sich am Markt zu halten: „Je nach Pandemieverlauf und Impffortschritt wird das Testen ja bis Herbst/Winter 2021 ein entscheidender Beitrag im Kampf gegen das Virus bleiben.“

Die Inzidenz ist erfreulicherweise unter 35 gesunken. Damit ist für manche Bereiche eine Schnelltestpflicht für nicht Geimpfte oder nicht Genesene ausgesetzt – in der Außengastronomie braucht man keinen Nachweis für einen Negativ-Befund, nicht im Freibad, nicht beim Einkaufen und nicht bei Sporttrainings und Veranstaltungen im Freien. Was aber ist, wenn ich auf der Terrasse eines Restaurants sitze und es fängt an zu regnen? Dann möchte man gern nach drinnen wechseln und seinen Rostbraten

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