Winnenden

Tierische Hilfe für Schwerhörige: "Uma" wird einer der ersten Signal-Assistenzhunde

Signalhund
Angelika Schmidt mit Uma, die einer der ersten Signalhunde der Region werden soll. © Dietrich Hub/pp

Zu einem Signal-Assistenzhund soll er ausgebildet werden. Der weibliche Border-Collie-Welpe mit Namen Uma (gesprochen Juma) ist neun Wochen alt und lebt bei Angelika Schmidt und ihrem Mann. Angelika Schmidt ist Lehrerin an der Schule beim Jakobsweg und lebt mit beidseits „an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit“. Dank ihrer Hörgeräte und zusätzlicher Hörtechnik ist für sie ein Hören auf kurze Distanz in ruhiger Umgebung noch möglich, ebenso das Unterrichten.

Wenn Angelika Schmidt jedoch aus einer Entfernung von mehr als zwei Metern angesprochen wird, bekommt sie davon nichts mit. Das wird sich künftig ändern: Als Signalhündin wird Uma nicht nur auf die üblichen Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ oder „Decke“ reagieren sowie auf ihren eigenen Namen. Sie wird auch erkennen, wenn ihr Frauchen mit Vor- oder Nachname gerufen wird, und sie darauf aufmerksam machen. Bei dem kleinen Hundemädchen hat die Ausbildung gerade angefangen, und es wird wohl zwei Jahre dauern, bis Uma alles beherrscht, was sie als Signal-Assistenzhund können muss.

Den Blindenhund kennt jeder – Gehörlose brauchen einen anderen

Bei blinden Menschen ist es schon lange üblich, dass ein speziell trainierter Hund ihnen hilft, im Alltag zurechtzukommen. Ein Assistenzhund, der einen Menschen mit Hörschädigung unterstützt, heißt Signalhund. Bis jetzt sind Signalhunde in Deutschland sehr selten. Das kommt auch daher, dass die Krankenkassen bis jetzt die Kosten für Signal-Assistenzhunde bei Menschen mit Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit nicht übernehmen. Ein fertig ausgebildeter Signalhund kostet je nach Ausbildungsstand bis zu 35 000 Euro.

Bei dieser Ausbildungsmethode lebt der künftige Signal-Assistenzhund anfangs in einer Patenfamilie und wird währenddessen in einer speziellen Schule ausgebildet. Erst nach abgelegter Prüfung kommt er zu einem Menschen mit Hörschädigung. Angelika Schmidt hat sich für eine Hybridmethode entschieden und wird die Ausbildung ihres Border-Collie-Welpen mit Hilfe von zwei professionellen Hundetrainerinnen selbst übernehmen und bezahlen. Eine Trainerin wird den Welpen im „Grundgehorsam“ und für seine „Alltagstauglichkeit“ schulen, eine weitere Trainerin für die Spezialaufgaben eines Signal-Assistenzhundes. Uma wird bereits nach dem neuen Assistenzhundegesetz ausgebildet.

Wie merkt der Gehörlose, dass jemand ihm etwas zuruft?

Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit ist eine unsichtbare Behinderung, die in der Öffentlichkeit nicht auffällt. Die massiven Einschränkungen, welche das fehlende Hörvermögen mit sich bringt, spüren nur der Betroffene selbst und sein direktes Umfeld. So sind Menschen mit Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit häufig von Gesprächen und damit auch von wichtigen Informationen ausgeschlossen. Als Fußgänger im Straßenverkehr können sie Warnsignale oder eine von hinten kommende Gefahr wie ein herannahendes Fahrrad oder Auto nicht wahrnehmen.

Unter anderem wird Uma auch diese Aufgabe als ausgebildete Signal-Assistenzhündin übernehmen, ihr Frauchen in diesem Fall zu warnen. Damit für andere Menschen die besondere Aufgabe, die Uma hat, sichtbar wird, trägt sie eine Kenndecke, die sie als „Signal-Assistenzhund in Ausbildung“ ausweist. Im eigenen Haushalt wird Uma ihr Frauchen auf Signale wie Backofentimer, Türklingel oder Telefon aufmerksam machen. Aber Uma wird auch lernen, ihr Frauchen vor Gefahren wie Rauch, Feuer und „fremde Geräusche“ zu warnen - im schlimmsten Fall auch auf einen Einbrecher aufmerksam zu machen.

Keineswegs jeder Hundewelpe ist für eine „Karriere“ als Signal-Assistenzhund geeignet. Die Border Collies sind ursprünglich Hütehunde, zählen zu den intelligentesten Hunderassen der Welt und brauchen eine Aufgabe, damit sie kognitiv ausgelastet sind. Daher kommen sie prinzipiell für die Ausbildung zum Signalhund infrage.

Signalhund benötigt Intelligenz und ausgeglichenen Charakter

Allerdings wird sehr genau ausgewählt, ob ein Welpe von seinen Fähigkeiten und seinem Wesen her geeignet ist. Ein künftiger Signalhund muss sehr sozial veranlagt sein, muss mutig, aber nicht zu forsch sein, benötigt Intelligenz, Kreativität und einen ausgeglichenen Charakter. Er muss Freude an der Arbeit mit Menschen haben und sich gut durch Futter oder Spiel motivieren lassen. Ausgebildet und erzogen wird Uma nur mit positiver Verstärkung, keineswegs mit „erzieherischen Maßnahmen“.

Wenn sie eine vom Hundetrainer vorgegebene Aufgabe gut erfüllt hat, bekommt sie eine Belohnung. Jede Aufgabe wird in viele kleine Übungen aufgesplittet und schrittweise trainiert. Spielerisch muss es zugehen. Der Hund muss Spaß an seiner Ausbildung haben. Trotzdem muss Uma später einen absolut verlässlichen „Grundgehorsam“ haben. Wie ein Blindenhund hat ein Signalhund Sonderrechte und darf beispielsweise zur Arbeit mitgenommen werden, in einen Supermarkt oder ein Restaurant, zu Arztbesuchen, in Museen, an den Badestrand oder in Naturschutzgebiete mitgehen und muss sich dabei perfekt verhalten.

Uma und ihr Frauchen müssen eine Prüfung ablegen

Nach den zwei Jahren intensiver Ausbildung durch Angelika Schmidt und durch professionelle Hundetrainerinnen wird Uma die Begleithundeprüfung und die Assistenzhundeprüfung ablegen. Nach erfolgreicher Prüfung bekommt Uma ein Zertifikat, einen Ausweis, der sie als registrierten Signal-Assistenzhund ausweist, und eine neue Kenndecke. „Geprüft wird allerdings das Team und die Zusammenarbeit, also Uma und ich“, erklärt Angelika Schmidt.

Zu einem Signal-Assistenzhund soll er ausgebildet werden. Der weibliche Border-Collie-Welpe mit Namen Uma (gesprochen Juma) ist neun Wochen alt und lebt bei Angelika Schmidt und ihrem Mann. Angelika Schmidt ist Lehrerin an der Schule beim Jakobsweg und lebt mit beidseits „an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit“. Dank ihrer Hörgeräte und zusätzlicher Hörtechnik ist für sie ein Hören auf kurze Distanz in ruhiger Umgebung noch möglich, ebenso das Unterrichten.

Wenn Angelika Schmidt

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