Winnenden

Tolles Wetter, volle Stadt: Wonnetag in Winnenden

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Bilderbuchwetter zum Wonnetag in Winnenden: Ein Sonntag zum Genießen. © ZVW / Gabriel Habermann
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Bilderbuchwetter zum Wonnetag in Winnenden: Ein Sonntag zum Genießen. © ZVW / Gabriel Habermann
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Celine Traub im maßgeschneiderten neuen Mädle-Gewand auf der Marktplatz-Bühne.

Winnenden. Herausgelockt durch das sprichwörtliche Bilderbuchwetter, flanierten die Besucher des Wonnetags mit verkaufsoffenem Sonntag dicht an dicht die Marktstraße rauf und runter, von Geschäft zu Geschäft, von Stand zu Stand. Thematischer Schwerpunkt war dieses Mal Nachhaltigkeit und Ökologie, fairer Handel und Zukunftsmobilität.

Während der Winnender Wonnetag letztes Jahr ganz im Zeichen des Siegs Prinz Eugens über eine türkische Armee 1717 vor Belgrad stand und üppig die Rolle gefeiert wurde, die der Mops des Herzogs Carl Alexander dabei gespielt hatte, ging es heuer eher etwas beschaulicher zu. Anstatt in die Vergangenheit richtete sich nun auf dem Viehmarktplatz der Blick nach vorn. Die Projektgruppe „Transition Town 2025 - Region Rems-Murr“ lud dort auf ihre „Zukunftsinsel“ ein, um den Besuchern Denkanstöße über umweltfreundliche Produkte, solidarisches Wirtschaften und klimaschonende Projekte zu vermittel. Im Jugendhaus warteten Vorträge über solidarische Landwirtschaft, Naturheilkunde und -kosmetik, Gemeinwohlökonomie.

Discover stellt Moringapulver und Hilfe für Ostafrika vor

Etwa 30 Stände ballten sich auf dem Parkplatz am Ende der Fußgängerzone auf engem Raum zusammen, an denen sich der interessierte Besucher Anregungen, Ideen oder auch einfach nur Waren abholen konnte. Während es für manche Kinder eine aufregende Erfahrung war, einmal ein „echtes“ Feuer zu sehen, zu riechen und zu fühlen, versuchte der Verein Discover den Blick nach Ghana und Ostafrika und die dort von ihm unterstützten Projekte zu lenken und gleichzeitig den Konsum von Moringapulver schmackhaft zu machen. Dieses wird aus Blättern des Meerrettichbaumes (Moringa oleifera), auch Wunderbaum oder Baum des Lebens genannt, gemacht. Es soll wichtige Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten und kann in grüne Smoothies oder Suppen, Reisgerichte mit Spinat oder Salatsoßen gemischt werden.

Selbst das Schießen auf die etwas versteckt aufgebaute Torwand fand diesmal mit garantiert fair produzierten Fußbällen statt.

Die evangelisch-methodistische Gemeinde wiederum animierte dazu, bei ihrer Maiaktion „Übern Zaun schauen“ mitzumachen, also einfach jemanden aus der Nachbarschaft, zu dem man bisher keinen Kontakt hatte, zu sich zum Kaffee einzuladen.

Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt

Am Stand der Stadt Winnenden selbst stand ebenfalls die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Es gab reichlich Informationsmaterial dazu, sowohl was das Vermeiden von Plastikmüll angeht, das nachhaltige Einkaufen, Wandern, Radfahren und Reisen, wie auch in Bezug auf das nachhaltige Tauschen und Teilen.

Letzterem Thema widmete sich auch der Infostand der Stadtmobil Carsharig AG, die versucht, die Autofahrer davon zu überzeugen, vom eigenen Pkw auf den öffentlichen Personennahverkehr und gemeinschaftlich genutzte Stadtmobil-Autos umzusteigen, unter dem Motto: „Ihr Einstieg in die wirtschaftliche und ökologische Mobilität der Zukunft.“



Winnenden. Herzlich wurde das vierte Winnender Mädle, Celine Traub, vom Publikum des Wonnetag-Sonntags auf dem sommerlich warmen Marktplatz willkommen geheißen. Im Mittelpunkt des ersten öffentlichen Auftritts standen die Preise für Wahlsiegerin, Zweite und Dritte – und die Präsentation des neuen Gewands.

Die 18-Jährige kam bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt sympathisch und natürlich herüber. Celine Traub sagte, sie wünsche sich, in den nächsten zwei Jahren genauso an und in dem Amt zu wachsen „und es so gut zu machen wie Leonie“. Vorgängerin Leonie König hatte kurz mit den Tränen zu kämpfen, als sie Celine „dieses schöne Amt“ übergab. Die Siegerin der vierten Wahl, der sich zehn junge Frauen gestellt hatten, trat am Sonntag nicht triumphierend, sondern bescheiden, ja fast demütig auf. Gleichzeitig trug sie mit würdevoll erhobenem Haupt den Blumenkranz, den ihr Leonie als Zeichen der Amtsübergabe aufgesetzt hatte.

Würdige Zweit- und Drittplatzierte: Shannon Maurer und Julia Blessing

In einer nichtöffentlichen Wahl mit mehreren Durchgängen hatte eine Jury entschieden, welche der Kandidatinnen künftig die charmante Botschafterin der Stadt sein soll. Nur wenige Familienmitglieder, Freunde und die Presse waren als Zuschauer zugelassen am 20. April. Am Ende ging die Wahl ganz knapp aus, aber die beiden Zweit- und Drittplatzierten, Shannon Maurer und Julia Blessing, zeigten sich als würdige, faire, gute Verliererinnen - und freuten sich ihrerseits über schöne Preise.

Auszubildende in der Paulinenpflege-Werkstatt haben Kleid gefertigt

Die Hauptpreise gehen indes an Celine. Sie wird mit dem Geld für den Führerschein Motorradfahren lernen – „alle in der Familie können es, ich bisher noch nicht“ – und ansonsten in ihrem kostenlos zur Verfügung gestellten Auto zu den Terminen fahren können. Das auffälligste Erkennungszeichen fürs Winnender Mädle ist allerdings das eigens für Celine Traub entworfene und geschneiderte Gewand. Heidrun Nitschke und ihre Auszubildenden in der Paulinenpflege-Werkstatt haben es in sagenhaft kurzer Zeit geschafft, die edle, romantische und doch zu einer jungen Frau passende Robe in nur zwei Wochen zu fertigen.

Helles Rosé lässt Celines Teint strahlen

„Eine Woche verging für die Stoffsuche“, sagt Heidrun Nitschke über das roséfarbene Oberkleid aus Baumwolle, die ganz leicht glänzt und schön fällt. Damals, im Mittelalter, als das im Minnelied besungene Winnender Mädle lebte, gab es nur Leinen. Die einfache Bevölkerung trug zudem nur Naturtöne wie Beige, Braun und Khakigrün. Doch für die amtierenden Winnender Mädle machen die Schneiderinnen ein paar Kompromisse, damit sie sich in ihrem Gewand auch wohlfühlen. Das helle Rosé lässt nun Celines Teint so richtig strahlen, die Schnürung vorne und an den Oberarmen fällt auf und stellt die einzige Möglichkeit dar, die weibliche Figur hervorzuheben, denn es gab damals weder Reißverschlüsse noch Knöpfe. Die weit ausgestellten Ärmel waren im Mittelalter sehr angesagt, weiß Heidrun Nitschke. Dass das Winnender Mädle ein Stück Schulter zeigt, ist ein Zugeständnis an den heutigen Modegeschmack. „Unser Team ist richtig zusammengewachsen bei diesem Projekt, auch wenn am Ende nur noch zwei nähen durften, eine am Ober-, eine am weißen Unterkleid“, freut sich Heidrun Nitschke. Demnächst haben die Auszubildenden Prüfung, dann wird die Schneiderwerkstatt geschlossen – das Interesse der jungen Leute ist zu gering. „Und es geht auch die Feinmotorik verloren – bis auf den Daumen fürs Handybedienen“, erzählt Heidrun Nitschke lachend dem Moderator Josh Kochhann.

40 Stände

Im Mittelpunkt des Tages stand der Verkauf in ungefähr 40 Ständen entlang der Marktstraße und in den fest ansässigen Geschäften, von denen viele mit speziellen Angeboten und Schnäppchen lockten.

Die Gastronomie präsentierte sich international: Frühlingsrolle, Döner, Yufka, Börek, Langosch fehlten nicht neben Roter Wurst, Schweinesteak und all den anderen Vertretern der multikulturellen Imbissvielfalt.


Tanz als Bühnenprogramm

Auf der Marktplatz-Bühne haben drei Winnender Tanzschulen das Programm gestaltet. Den Auftakt machte MonRo und die dort lernenden Gruppen mit Kindern im Alter von vier Jahren bis zum Teenager, den Schluss Sven Bodemers Schule.

Kürzer als zunächst geplant fiel wegen anderer Verpflichtungen die Präsentation der Tanzakademie Minkov aus. Sechs- bis achtjährige Balletttänzerinnen federten in ihren Tutus im Reigen über die Bühne. Danach erklangen fette Beats, Mädchen zeigten Hip-Hop-Schritte und Armbewegungen. Stylisch gelang der Jazztanz, acht Mädchen tanzten mit schwarzen Hüten zu einem Stück, das ein klassisches Geige-Klavier-Intro poppig remixed hat. Selbstbewusst traten Jugendlichen in roten Kleidern auf, sehr locker und lächelnd die Hip-Hop-Kinder von Moe Messenger.